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Wolf-Dieter Wolf hat sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Berlin niedergelegt. Quelle: Soeren Stache/dpa

RBB-Affäre: Wolf-Dieter Wolf tritt als Messe-Chefaufseher und RBB-Verwaltungsratschef zurück

Berlin. Der in der RBB-Affäre in die Kritik geratene Aufsichtsratschef der Messe Berlin, Wolf-Dieter Wolf, legt sein Amt nieder. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft teilte am Dienstag mit: „Herr Wolf-Dieter Wolf hat heute dem Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Stephan Schwarz, mitgeteilt, sein Aufsichtsratsmandat bei der Messe Berlin und damit auch den Vorsitz im Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung niederzulegen, um einen möglichen Schaden zu Lasten der Messe Berlin GmbH zu vermeiden und auch die laufenden Untersuchungen nicht zu belasten.“

Wolf ist neben seiner Position im Messe-Aufsichtsrat auch der Vorsitzende des Verwaltungsrats beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Er hat nun aber auch seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat bei dem öffentlich-rechtlichen Sender erklärt. Nach dpa-Informationen vom Dienstag ging ein entsprechendes Schreiben an die Rundfunkrats-Spitze. Auch Verwaltungsratsmitglied Martin Rennert sprach in der RBB-Sendung „Abendschau“ vom Rücktritt Wolfs. Zuvor war bekanntgeworden, dass Wolf auch seinen Rückzug als Aufsichtsratschef bei der Sender-Werbetochter RBB Media erklärt hatte. Das teilte ein Sprecher des öffentlich-rechtlichen Senders mit.

Zu laxer Umgang mit möglichen Interessenskollisionen?

Das Online-Medium „Business Insider“ hatte den ganzen Fall ins Rollen gebracht. Zusammengefasst steht die Frage im Raum, ob Wolf und die inzwischen zurückgetretene ARD-Chefin und RBB-Intendantin Patricia Schlesinger einen zu laxen Umgang von möglichen Interessenskollisionen etwa bei der Vergabe von Berateraufträgen für ein Sender-Bauprojekt gepflegt haben könnten. Von der Messe Berlin erhielt zudem ihr Ehemann Aufträge. Schlesinger und Wolf wiesen die Vorwürfe zurück. Derzeit laufen in beiden Häusern Untersuchungen, Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch von Amts wegen gegen Schlesinger, ihren Ehemann und Wolf.

Senator Schwarz sagte: Der Aufsichtsrat der landeseigenen Messe werde sich am 1. September mit den aufgeworfenen Fragen beschäftigen. „Grundlage dafür sollen die Ergebnisse der Compliance-Untersuchung der Messe und die laufenden Prüfungen der Senatsverwaltungen für Wirtschaft und für Finanzen sein. Auch wenn diese Ergebnisse noch nicht feststehen, halte ich den Schritt von Herrn Wolf für richtig und geboten.“

Laut Senatsverwaltung gibt es bei der Ausübung des Chefaufseher-Postens bei der Messe keine zeitliche Befristung. Ein Vorsitzender werde aus dem Kreis des Aufsichtsgremiums gewählt. Wolf war seit 2017 Chefaufseher und Aufsichtsratsmitglied seit 2010. Ursprünglich gab es diesen Plan: Im April hatte Wolf den Angaben zufolge dem Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe erklärt, sein Aufsichtsratsmandat im Herbst dieses Jahres aus Altersgründen niederlegen zu wollen.

RBB stellt Leiterin der Intendanz frei

In der Affäre rund um Vorwürfe der Vetternwirtschaft hat der RBB zudem die Leiterin der Hauptabteilung Intendanz, Verena Formen-Mohr, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das bestätigte ein Sprecher des öffentlichen-rechtlichen Senders am Dienstag. Nähere Angaben zu den Gründen für die Freistellung machte der Sender nicht.

RND/dpa