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So sieht Hollywood Kleopatra: Elizabeth Taylor und Rex Harrison 1963. Quelle: imago images/Everett Collection

Warum fasziniert uns Kleopatra noch heute?

Kleopatra gilt als eine der vermeintlich stärksten, schönsten und geheimnisvollsten Frauen der Antike. Sie umgibt ein Mythos, der bis heute wenig an Strahlkraft verloren hat. Seife mit Eselsmilch wird in ihrem Namen verkauft. Beautysalons werben mit Kleopatra-Anwendungen. Influencerinnen zeigen sich im Milchbad und nutzen dabei den Hashtag #Cleopatra. Mit dieser dezenten Geschichtsklitterung sind sie in bester Tradition. Die Comicgallier Asterix und Obelix verlieben sich in ihre wunderschön spitze Nase. In den Sandalenfilmen der Sechzigerjahre hat sie ihre großen Momente. Hollywoodikone Liz Taylor verkörpert eindrucksvoll die Herrscherin als wunderschöne, kluge und mächtige Frau. Und William Shakespeare arbeitete sich ebenso an ihr ab wie antike Autoren wie Plutarch oder Cassius Dio.

„Es gibt kaum zeitgenössische Primärquellen über Kleopatra. Auch ihr Grab wurde bisher nicht gefunden. Umso leichter fällt es, ihr ohne Frage turbulentes Leben mit eigenen Interpretationen und Erzählungen zu füllen“, sagt Christiane Kunst, Althistorikerin an der Universität Osnabrück. Oder etwas überspitzt ausgedrückt: Ein früher Tod, ein Leben voll mit Betrug und Intrigen, dazu vermeintliche Liebschaften mit den mächtigsten Männern ihrer Zeit – all das erfüllt bis heute alle Kriterien einer super Klatschstory. „Das Bad in Milch oder der Selbstmord durch einen Schlangenbiss sind vermutlich falsch. Auch das wunderschöne Antlitz oder die erotische Anziehungskraft lässt sich historisch kaum belegen“, sagt Kunst.

Die Beziehung zwischen Kleopatra und Cäsar? Eher pragmatisch

Fakt ist: Kleopatra wird 69 vor Christus in Alexandria geboren und ist 52 bis 30 vor Christus die letzte Königin Ägyptens. Sie selbst ist keine Ägypterin, sondern stammt aus dem Geschlecht der Ptolemäer. Ihre Wurzeln liegen also in Griechenland.

Die Beziehung zwischen Kleopatra und Gaius Julius Cäsar müsse unter pragmatischen Gesichtspunkten gesehen werden, sagt Kunst. „Beziehungen aus Liebe entspringen einer bürgerlich-romantisierten Vorstellung. In der Antike stand der Nutzen einer solchen Verbindung im Vordergrund“, sagt die Althistorikerin. Die hochgebildete Kleopatra braucht den römischen Staatsmann als Verbündeten gegen ihren Bruder, mit dem sie sich um Thron und Macht streitet. Caesar sichert sich durch ihre Verbindung seinen Zugriff auf Truppen und Reichtum. Er möchte die römische Republik in eine Monarchie verwandeln und räumt im Bürgerkrieg letzte Widersacher aus dem Weg.

Eine Frau mit viel Machtbewusstsein

Ein Jahr nach ihrem ersten Treffen lädt Cäsar Kleopatra nach Rom ein. Sogar eine goldene Statue zu ihrer Ehre soll er aufgestellt haben, ihre Gestaltung erinnert an die Liebesgöttin Venus. Ein Sohn entspringt aus ihrer Verbindung – Caesarion. Kleopatras Zeit in Rom endet jedoch bald wieder. Als Caesar 44 v. Chr. ermordet wird, muss sie ebenfalls um ihr Leben fürchten. Schnell kehrt sie nach Ägypten zurück und widmet sich stärker der Innenpolitik.

Währenddessen ringen in Rom die Republikaner und die Anhänger Cäsars um die Macht, am Ende gehen zwei Männer als Sieger hervor. Der junge Octavian, später als Kaiser Augustus bekannt, übernimmt das westliche Reich, samt Italien. Der erfolgreiche Feldherr Marcus Antonius wird Herrscher im reichen Osten, einschließlich Ägypten. „Wieder zeigen sich das Machtbewusstsein und das strategische Denken der Kleopatra. Die Verbindung zu Marc Antonius ist sehr wichtig für ihre Position“, sagt Christoph Schäfer, Althistoriker an der Universität Trier. Laut antiker Quellen soll sie wieder ihre Verführungskünste eingesetzt haben. Auf einem vergoldeten Schiff mit purpurfarbenen Segeln inszeniert sie sich fast nackt als venusgleiche Herrscherin umringt von Knaben. Den römischen Staatsmann lädt sie auf ihr Schiff ein.

Kleopatra führte On-off-Beziehung mit Antonius

Für Schäfer dient eine solche Beschreibung vor allem der langfristigen Propaganda für den Widersacher Octavian. „Er plant den militärischen Schlag gegen Marc Antonius, genauer gesagt einen weiteren Bürgerkrieg. Weil ein weiterer blutiger Machtkampf der römischen Öffentlichkeit schlecht zu vermitteln wäre, entsteht die Legende des verführten, kaum noch klar denkenden Antonius“, sagt er. Kleopatra und ihre Lasterhaftigkeit – dieses Narrativ hält sich wacker in der römisch-griechischen Geschichtsschreibung.

Glaubt man den antiken Geschichtsschreibern führen Antonius und Kleopatra eine Art On-off-Beziehung. Im römischen Bürgerkrieg wendet sich das Blatt. Mehrere Legionen verweigern Marc Antonius den Befehl und laufen zum Gegner über. Der Besiegte stürzt sich in sein Schwert – ein Ende, wie es sich für einen römischen Edelmann gehört.

Kleopatra scheitert mit ihrem Versuch, Octavian von einem Bündnis zu überzeugen. Am Ende wählt auch sie den Freitod, gerade einmal 39 Jahre ist sie da alt. Das ägyptische Reich ist weit weniger beständig als der Mythos seiner letzten Pharaonin. Nach ihrem Tod wird Ägypten endgültig zur römischen Provinz, auch der Pharaonentitel wird nicht mehr genutzt.

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Von Birk Grüling/RND