Mittwoch , 12. August 2020
Deutsche Speiseeis-Produzenten erfüllen laut einer WWF-Studie kaum die Anforderungen an ökologische Nachhaltigkeit. Quelle: picture alliance / dpa

Umwelt-Studie: Deutsche Eisproduzenten setzen laut WWF nicht auf Nachhaltigkeit

Im Sommer gibt es kaum eine bessere Erfrischung als ein leckeres Eis. Doch scheinbar setzen deutsche Produzenten dabei nicht auf Nachhaltigkeit. Laut einer WWF-Studie wirken sich besonders die pflanzlichen Fette im Speiseeis negativ auf die Umweltbilanz aus – denn diese werden oft aus Übersee importiert.

Berlin. Deutsche Speiseeis-Produzenten erfüllen offenbar kaum Anforderungen an ökologische Nachhaltigkeit. Das geht aus einer Studie der Umweltstiftung WWF Deutschland hervor. Demnach werde beispielsweise Kokosfett oft ohne Zertifizierung gekauft und Raps- und Sonnenblumenöl würden aus Übersee importiert.

WWF: Kokosfett besonders umweltschädlich

Insbesondere der Trend unter Eisherstellern von Palmöl zu Kokosfett sei schlecht für die Umwelt. Palmöl benötige weniger Anbaufläche, denn der Ertrag der Ölpalme liege mit durchschnittlich etwa 3,8 Tonnen Öl pro Hektar weit über dem von Kokosöl mit 0,7 Tonnen Öl pro Hektar, teilte WWF mit. Um einen Stopp der Regenwaldrodungen zu erwirken, fordert die Organisation daher ein Lieferkettengesetz. Dieses sollte Unternehmen dazu verpflichten, Umweltstandards und Menschenrechte in ihren Produktionsketten zu achten. Nach Aussagen des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ist hierbei jedoch ein europäischer Standard erforderlich und nicht ein nationales Gesetz.

Dem WWF zufolge bedroht der Anbau von Kokospalmen auch die Artenvielfalt – und zwar in einem noch höheren Maße als Palmöl. “Wer den Kunden nicht zertifiziertes Kokosöl als grüne Alternative verkauft, betreibt Augenwischerei”, kritisierte die Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse beim WWF, Ilka Petersen.

Pflanzenfett-Anteil im Eis nur bei rund fünf Prozent

Der BDSI entgegnete, dass es weltweit nur wenig nachhaltig erzeugtes oder zertifiziertes Kokosfett gebe. Grund sei unter anderem, dass für den Anbau von Kokospalmen kein Zertifizierungssystem für den industriellen Bereich bestehe, das mit dem Anbau von Ölpalmen vergleichbar sei. Zudem verarbeiten die deutschen Produzenten laut BDSI bei Speiseeis mit pflanzlichen Fetten schon seit langem nahezu ausschließlich Kokosfett. Einen Wechsel von Palmöl zu Kokosfett sei entgegen der WWF-Annahme in der jüngeren Zeit nicht erfolgt.

2019 wurden 557 Millionen Liter Eis in Deutschland konsumiert – 8,3 Liter pro Kopf. Dabei wurden rund 22.000 Tonnen Kokosfett verarbeitet. “Bezogen auf die Menge des 2019 in Deutschland hergestellten Speiseeises ist das ein Anteil von 5,5 Prozent”, teilte der BDSI mit. Der bedeutendere Grundstoff beim Eis sei Milch.

RND/dpa