Samstag , 26. September 2020
Seit Corona ein noch häufigerer Anblick: Ein Paket von Amazon. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil

Corona macht Amazon nicht nur reicher, sondern auch mächtiger

Die Techunternehmen sind die große Gewinner der Corona-Pandemie. Allen voran Amazon etabliert sich als größter Profiteur der Krise. Doch das könnte den Unternehmen zum Verhängnis werden, kommentiert Anna Schughart.

Die Corona-Krise hinterlässt einen gigantischen Scherbenhaufen. Die Konjunktur in der Euro-Zone ist um 12,1 Prozent eingebrochen. Der Absturz der US-Wirtschaft ist historisch. Ganze Branchen liegen am Boden, Unternehmen wie Airbus und VW fahren Milliardenverluste ein. Trümmer, wohin man schaut – mit einer Ausnahme: Den großen Techunternehmen scheint die Krise nichts anhaben zu können.

Im Gegenteil: Apple überrascht mit guten iPhone-Verkäufen. Das Facebook-Geschäft wächst zwar derzeit etwas langsamer, die Zahl der Nutzer aber dafür umso schneller. Und obwohl die Erlöse des Google-Mutterkonzerns Alphabet das erste Mal in der Geschichte zurückgehen, machte das Unternehmen trotzdem noch 6,96 Milliarden Dollar Gewinn. Flugzeug- und Autobauer können davon derzeit nur träumen.

Der größte Profiteur der Krise ist jedoch eindeutig Amazon. Um satte 40 Prozent schoss der Umsatz im zweiten Quartal im Jahresvergleich nach oben. Jeff Bezos wird sich freuen – sein Vermögen wächst fleißig weiter.

Sind Amazon, Facebook, Google und Apple zu groß?

Doch die Widerstandsfähigkeit der Techbranche könnte ihr zum Verhängnis werden. Die glänzenden Quartalszahlen fallen in eine Zeit, in der Facebook, Google, Apple und Amazon auf einem besonderen Prüfstand stehen. Am Donnerstag hatten Mark Zuckerberg, Sundar Pichai, Tim Cook und Jeff Bezos versucht, sich und ihre Unternehmen vor dem US-Kongress zu verteidigen. Die Techunternehmen seien zu mächtig, lautete der Vorwurf, der im Raum stand – und nur einen Tag später deutet alles darauf hin, dass die Corona-Krise die großen vier nur noch größer macht.

Es gibt zahlreiche gute Gründe, diese Dominanz zu kritisieren. Der simpelste ist: Verbraucher haben mittlerweile kaum noch Alternativen. Wer online shoppen will, landet sehr oft bei Amazon. Wer im Netz etwas sucht, findet sich bei Google wieder. Und wer mit seinen Freunden in Kontakt bleiben will, nutzt eine App aus dem Hause Facebook. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Die großen Techunternehmen haben viel zu lange die Spielregeln diktieren können.

Wer eine Alternative bieten will, hat es da schwer. Das zeigt sich auch am Beispiel Amazon: Händler, die ihr Produkt über die Plattform verkaufen, stehen teilweise in direkter Konkurrenz zu Amazon-Produkten – und ziehen den Kürzeren. Google kann eigene Entwicklungen an die Spitze der eigenen Suchmaschine pushen. Apple kann beliebte Apps einfach in sein Betriebssystem integrieren, sodass sie überflüssig werden.

Mit Größe ist zudem eine besondere gesellschaftliche Verantwortung verbunden – die von den Techgiganten nur zögerlich und fast schon widerwillig übernommen wird. Facebook hat das Problem mit Hass, Diskriminierungen und Falschmeldungen auf seinen diversen Plattformen noch lange nicht unter Kontrolle. Amazon und seine Arbeiter streiten sich seit Jahren um bessere Arbeitsbedingungen.

Kommen jetzt Änderungen?

Trotzdem ist nicht gesichert, dass die Corona-Krise wirklich zu Änderungen führt, befürchten Kritiker. Vielleicht schrecken die amerikanischen Abgeordneten davor zurück, ausgerechnet jetzt den Teil der US-Wirtschaft neu zu regulieren, der derzeit gut dasteht. In diesem Fall müssten Nutzer – mal wieder – auf die EU-Kommission für Wettbewerb vertrauen. Die allerdings ist im Umgang mit den großen Techunternehmen wenig zimperlich.

 

 

 

Von Anna Schughart/RND