Donnerstag , 1. Oktober 2020
Joanne K. Rowling hat mit “Harry Potter” eine unvergessliche Welt erschaffen. Doch nicht nur die magischen Geschöpfe sind ein guter Grund, die Bücher zu lesen.

Mehr als ein Kinderbuch: Darum sollte jeder Harry Potter kennen

Die Schriftstellerin J. K. Rowling schaffte mit der Geschichte um den Zauberlehrling Harry Potter eine unvergessliche Welt für Millionen Fans. Doch einige kennen die Szenen aus den Filmen und den Büchern nicht. Dabei lohnt sich der Blick nach Hogwarts – nicht nur für Kinder und Jugendliche, findet RND-Volontärin Ann Kathrin Wucherpfennig.

Hannover. Meine Freunde und ich sind mit Hermine Granger, Ron Weasley und Harry Potter aufgewachsen. Als der erste Band von Harry Potter erschien, war der Zauberjunge elf Jahre alt, im letzten Band 17 Jahre. An diesem Freitag wird Harry Potter 40 Jahre alt. Grund genug für mich, mal Nichtfans zu erklären, warum diese Reihe nicht nur was für Kinder und Jugendliche ist, sondern auch Erwachsene viel daraus lernen können.

Mit zehn Jahren habe ich den ersten Harry-Potter-Band bekommen. Andere Kinder hätten sofort angefangen zu lesen. Ich bin eine richtige Leseratte, war ich schon damals. Doch aus irgendeinem Grund landete das Buch (ungelesen) in meinem Bücherregal. Hatte ich keine Lust? Hat mir das Cover nicht gefallen? Konnte ich mit der Beschreibung nichts anfangen? Ich weiß es nicht mehr.

Süchtig nach den Harry-Potter-Filmen

Dann kam der erste Film am 22. November 2001 in die deutschen Kinos. Der Trailer hat mich sofort überzeugt, sodass ich einige Tage später mit vier Freunden in der langen Schlange vor dem Kino stand. Bereits nach einigen Minuten war ich von der Story, den Bildern und den verschiedenen Charakteren in den Bann gezogen. So ging es mir mit allen Filmen. Sobald sie im Kino liefen, saß ich vor der großen Leinwand. Auch zu Hause konnte ich jederzeit eine DVD der Harry-Potter-Reihe einlegen und mich in die Welt von Hogwarts flüchten. Das ist auch heute noch so, ich bin einfach süchtig.

Grenzenlose Fanliebe

Und damit bin ich in guter Gesellschaft. Im Internet gibt es zahlreiche Foren, in denen Gerüchte und Fragen rund um die Geschichte aufgeklärt werden. Auf deutschen Fußballfeldern spielen Hardcore-Fans Quidditch. Dabei laufen die Spieler mit Besen auf dem Platz rum, während Harry im Film federleicht mit seinem Nimbus 2000 durch die Luft schwebt. Die Drehorte werden zu Pilgerstätten, Fans gehen als Neville oder Luna zu Cosplay-Events und werdende Mamis richten das Zimmer für den Sprössling mit Filmzitaten ein. So hat es zum Beispiel auch eine Freundin von mir getan. Sie freute sich auch über den Strampler mit der Aufschrift “I am a wizard” (Ich bin ein Zauberer). Meine Mama hat mir erst kürzlich zum 29. Geburtstag selbst gestrickte Topflappen mit den Horkrux-Motiven geschenkt. Ich war begeistert.

Muggel überzeugen

Dabei stoße ich in meinem Umfeld immer wieder auf Muggel (Nichtzauberer), die weder mit Film, Buch oder Hörbuch von Harry in Kontakt gekommen sind. In solchen Momenten würde ich am liebsten schreien: “Was? Nicht einen Film gesehen? Musst du machen!” und in Gedanken hinzufügen: “Und danach kannst du auch noch die Bücher lesen.”

Buch für alle Generationen

Manche lachen bei der Reaktion, andere zucken mit den Schultern. Vielleicht hängt das mit dem Alter zusammen, denke ich mir dann. Für die meisten aus meiner Generation Y gehört Harry Potter einfach dazu. Wir fieberten den neuen Filmen entgegen und weinten bei dem letzten Buch. Damit können manche Jüngere und Ältere nichts anfangen. Doch ich möchte sie überzeugen. Denn die Bücher und Filme sind zeitlos, die Sprache wächst mit den Charakteren und die Themen werden immer anspruchsvoller. Zudem ist die Geschichte von Rowling ein bemerkenswert schlüssiges Gesamtwerk aus zahllosen originellen Figuren, Handlungssträngen und Details. Und obwohl sich alles perfekt ineinanderfügt, sind die Geschichten nie vorhersehbar.

Kein reiner Fantasy-Roman

Eine Freundin findet die Geschichte so toll, weil die Autorin J. K. Rowling mehr als einen reinen Fantasy-Roman geschrieben hat. Sie sagt: “Manche Autoren flüchten sich in das Genre, weil sie sich außer bunten Drachen nichts ausdenken können. Bei ‚Harry Potter’ aber geht es um die Charaktere und das Thema Freundschaft – die Magie ist nur noch das i-Tüpfelchen der Romane.”

Dem stimme ich zu. Die Geschichte von Hermine, Ron und Harry spielt in einer magischen Welt mit sprechenden Schlangen, dreiköpfigen Hunden und verschlagenen Kobolden. Und trotzdem ist sie realitätsnah. Die jungen Menschen müssen mit Liebeskummer und Prüfungsangst umgehen und immer wieder Zivilcourage beweisen. Sie setzen sich für ihre Freunde ein – selbst wenn sie ihr Leben dafür riskieren. Rowling hat Charaktere erschaffen, von denen man lernen kann, zu denen man aufsehen kann – und die dennoch nicht perfekt sind. Solche Figuren sollten in der heutigen Welt als Vorbilder dienen. Und um diese richtig kennenzulernen, müssen die Bücher aufgeschlagen werden. Die Bücher offenbaren nämlich die wirkliche Welt von Hogwarts, die Filme kratzen nur an der Oberfläche und geben einen Vorgeschmack. Das habe ich selber erfahren, als ich vor zwei Jahren alle sieben Bände gelesen habe. Und ich werde sie garantiert bald wieder alle verschlingen.

RND/Ann Kathrin Wucherpfennig