Freitag , 30. Oktober 2020
Ob eine Umfrage repräsentativ ist, hängt nicht nur von der Anzahl der befragten Personen ab. Quelle: Curtis MacNewton/Unsplash

Umfragen, Studien & Co.: Wann ist eine Erhebung eigentlich repräsentativ?

Repräsentative Umfragen und Studien gelten als seriös – denn ihre Ergebnisse sind in der Regel aussagekräftig. Dafür gibt es jedoch keine allgemeingültige Formel. Ob eine Datenerhebung repräsentativ ist, hängt neben der Anzahl der befragten Personen von verschiedenen Faktoren ab.

Vor zwei Jahren wollte die Europäische Union wissen, wie die EU-Bürger eigentlich zur Zeitumstellung stehen. An der Online-Befragung nahmen rund 4,6 Millionen Personen teil – damit gilt sie als die erfolgreichste Umfrage mit einer Stichprobe dieser Größe im europäischen Raum. Das Resultat war damals eindeutig: Mehr als 80 Prozent stimmten für eine Abschaffung der Zeitumstellung, genauer gesagt für die dauerhafte Sommerzeit.

Trotz der hohen Beteiligung gab es an der Befragung viel Kritik. Denn die Methodik, mit der die Online-Umfrage durchgeführt wurde, war nicht repräsentativ. Doch was bedeutet das genau – und wann spricht man von einer repräsentativen Umfrage?

Die Befragten stehen stellvertretend für die Allgemeinheit

Um die Einstellung einer Bevölkerung – zum Beispiel die Meinung der Deutschen zu einem Tempolimit auf Autobahnen – zu erfassen, ist es weder möglich noch notwendig, jeden einzelnen Bürger zu fragen. Stattdessen wird eine Gruppe von Personen ausgewählt, die stellvertretend für alle Deutschen befragt wird. Eine Stichprobe soll immer ihre Grundgesamtheit repräsentieren, in diesem Beispiel sind das die Deutschen. Werden in der Stichprobe also nur Frauen befragt, ist das Ergebnis nicht repräsentativ. Das ist auch der Fall, wenn die Hälfte der Befragten jeweils Männer und Frauen sind, aber keiner von den Befragten Auto fährt.

Was dieses Beispiel gut verdeutlicht, ist, dass die Zusammensetzung einer Stichprobe immer den Merkmalen ihrer Grundgesamtheit ähneln muss. Eine Befragung gilt also dann als repräsentativ, wenn die Stichprobe mit der Grundgesamtheit übereinstimmt.

Die Anzahl der Teilnehmer ist nicht allein entscheidend

Und auch bei der Anzahl der befragten Personen gibt es gewisse Regeln zu beachten. Bis heute hält sich der Irrglaube, Studien, für die 1000 Personen befragt wurden, seien repräsentativ. Dabei garantiert eine große Stichprobe mit vielen Befragten noch nicht, dass diese auch repräsentativ ist. An der europaweiten Umfrage zur Zeitumstellung haben sich 4,6 Millionen Bürger beteiligt, was etwa einem Prozent der Bevölkerung der Grundgesamtheit entspricht. Dennoch war die Stichprobe nicht repräsentativ für Europa, weil zwei Drittel der Teilnehmer aus Deutschland stammten. Der Anteil der deutschen Bevölkerung erreicht im EU-Vergleich jedoch nur 16 Prozent.

Für bevölkerungsweite Umfragen werden in den meisten Fällen mindestens 1000 Personen befragt. Doch auch eine Stichprobe mit 100 oder 500 Teilnehmern kann aussagekräftige Ergebnisse liefern, wenn diese die Merkmale der Grundgesamtheit gut abbildet. Dabei gibt es jedoch eine Einschränkung: Bei kleineren Stichproben steigt auch die Wahrscheinlichkeit für statistische Fehler, die sogenannte Irrtumswahrscheinlichkeit.

Daraus ergibt sich also, dass die Aussagekraft einer Studie nicht nur von der Größe ihrer Stichprobe abhängt. Die Genauigkeit der Ergebnisse nimmt jedoch zu, je mehr Personen befragt werden.

 

 

Von Michèle Förster/RND