Samstag , 31. Oktober 2020
Trinkt in der Bierstadt Portland gern einen über den Durst: Detektivin Dex (Cobie Smulders) ermittelt in der Serie “Stumptown”. Quelle: David Bukach/Die Verwendung ist

Fünf spannende US-Serien für die Ferien – und fünf Reiseziele für die Zeit nach Corona

Im Corona-Sommer 2021 bleiben viele in den Ferien zu Hause. Da ist gute Unterhaltung gefragt – und die liefern die folgenden Serientipps. Gleichzeitig können Zuschauer amerikanische Traumorte kennenlernen – mögliche Urlaubsziele für die Zeit nach der Pandemie.

Fünf Serien schlagen wir heute allen Zuhausebleibern vor, um sich im Pandemie-Sommer trotzdem gut zu unterhalten. Parallel zu Thrill und Drama kann man hier nordamerikanische Traumorte kennenlernen. Und wenn die Corona-Lage es 2021 wieder zulässt, kann man sie direkt zu Urlaubszielen werden lassen.

Heiß – “Little Fires Everywhere” (2020, Amazon Prime Video)

Ein Haus brennt in der Nacht, ein Fest der Flammen eröffnet als Rückblende die mitreißende Serie “Little Fires Everywhere”, in der schon bald viele kleine emotionale Feuerchen die Beziehungen zwischen Menschen abfackeln werden. Reese Witherspoon ist überragend als doppelbödige Gutmenschin, die die alleinerziehende schwarze Künstlerin Mia Warren (Kerry Washington) unter ihre allzu engen Fittiche nimmt – eine Dominanz, die diese sich auf Dauer nicht bieten lassen wird. Die Töchter der beiden Frauen fühlen sich von der ihnen jeweils unbekannten Welt angezogen und so verwandelt sich die Beziehung zwischen den Erwachsenen mehr und mehr in eine Art Krieg.

Wer den Ort des Geschehens erkunden möchte: Die Stadt Shaker Heights in der “streetcar suburb” von Cleveland ist nur ein paar Steinwürfe vom Eriesee entfernt, mit dem Coe Lake, dem Shadow Lake und einem schlicht The Lake genannten See gibt es aber noch einige andere kleinere touristische “Ganzkörpererfrischungen”. In der Nähe liegt der Cuyahoga Valley National Park – bestens geeignet für größere Wanderungen und Radtouren.

Wer ist hier tot? – “Big Little Lies” (2017 – 2019, HBO/Sky, DVD)

Ein ausgezeichnetes Schauspielfest um einen Mord, bei dem man bis zum Schluss der ersten Staffel (von zwei) rätselt, wer das Opfer ist und wer der Täter: Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Laura Dern und Zoe Kravitz spielen vier Mütter mit zum Teil haarsträubenden Geheimnissen im kalifornischen Monterey. Neuankömmling in der Stadt ist die an einem Vergewaltigungstrauma leidende alleinerziehende Mutter Jane (Shailene Woodley), deren Söhnchen Ziggy beschuldigt wird, eine Mitschülerin misshandelt zu haben. Aus Fronten werden Sturmfronten.

In der Romanvorlage an Australiens Ostküste angesiedelt, für die Serie nach Amerika verlegt, erweisen sich beide Staffeln der Serie (die zweite ist vor allem wegen Meryl Streep sehenswert) neben ihrem Thrill als herrliche Satire zum Fremdschämen und Kopfschütteln über den American Way of Life. Wer die von Kameramann Yves Bélanger eingefangene schroff-schöne Küste nicht liebt, der hat kein Herz für Landschaften. Spätestens seit John Steinbecks Romanen “Tortilla Flat” (1935) und “Die Straße der Ölsardinen” (1945) ist Monterey ein Begriff, 1967 fand hier das legendäre Vor-Woodstock-Festival “Monterey Pop” mit Jimi Hendrix und Simon & Garfunkel statt. Das Monterey Bay Aquarium ist eines der größten Schauaquarien der Welt, der 17-Mile-Drive zwischen Monterey und Carmel-by-the Sea ist eine unverbaute und herrlich romantische Küstenstraße. Unbedingt vormerken.

Kriminell? Geht ganz schnell! – “Ozark” (seit 2017, Netflix)

Zwar gelingt es dem Geschäftsmann Marty Byrde in letzter Sekunde, sich mit seiner gewitzten Klappe vor der Exekution durch mexikanische Drogenbosse zu retten. Was ihn aber nur in eine dauerhafte Bredouille bringt – am wunderschönen Lake of the Ozarks soll er fortan in ganz großem Stil Geldwäsche betreiben. Die ganze Familie zieht also von Chicago nach Osage Beach, wo Rivalitäten ausgefochten werden, Lebensgefahren aufziehen wie am Himmel Schäfchenwolken und Mutter Wendy im Laufe von bislang drei höchst unterhaltsamen Staffeln zunehmend erstaunliche kriminelle Fähigkeiten an den Tag legt. In “Ozark” führen Jason Bateman, Laura Linney, Julia Garner, Sofia Hublitz und Skylar Gaertner auf höchst amüsante, gelegentlich blutige Weise in die Welt des organisierten Verbrechens.

Und der künstlich erzeugte, tausendfüßlerartige Lake of the Ozarks im Herzen des US-Bundesstaats Missouri ist dabei nur eine von zwei traumhaften Landschaften, mit der die Serienmacher Bill Dubuque und Mark Williams ihr Publikum zu Urlaubsplänen verführen. Am Ozark gibt es zahllose Ferienhäuser und Freizeitmöglichkeiten. Für Sportfischer ist der Stausee das Paradies schlechthin. Gedreht wurde das meiste allerdings – aus steuerlichen Gründen – (unter anderem) am Lake Lanier bei Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Auch hier ist alles möglich, was mit Wasser und Erholung zu tun hat. Und im Winter erleuchtet eine insgesamt sechs Kilometer lange Kette von Weihnachtslichtern die Lake-Lanier-Inseln – eine der größten Lichtshows der Welt.

Muttersöhnchen mörderisch – “Bates Motel” (2013–2017, Sky, Amazon Prime Video, DVD)

Gefangen in dem unerfüllbaren Wunsch, ein Mann zu sein, strebt das 18-jährige Muttersöhnchen Norman Bates in den fünf Staffeln des thrillenden Familiendramas “Bates Motel” seiner Monsterwerdung entgegen. Freddie Highmore und Vera Farmiga kämpfen sich in einer Stadt durch, die ihnen ablehnend bis feindselig gegenübersteht. Die Serie hätte Thrillerregisseur Alfred Hitchcock, der 1960 die Vorlage, den Filmklassiker “Psycho” gedreht hatte, gewiss gefallen. Am Ende legen die Serienmacher Kerry Ehrin und Carlton Cuse als kleine Verbeugung vor ihm noch Doris Days “Que Sera, Sera” auf, den Song aus Hitchcocks Film “Der Mann, der zuviel wusste”.

Wer daraufhin die Küstenstadt White Pine Bay im US-Bundesstaat Oregon sucht, geht leer aus – sie wurde für “Bates Motel” erfunden. Und das Gruselmotel, das im kanadischen Aldergrove erbaut wurde, ist inzwischen auch längst Opfer der Abrissbirne geworden. Drehorte wie Deep Cove aber, eine malerische Bucht vor den Toren Vancouvers oder das idyllische Horseshoe Bay locken alle Entspannungssucher. Von Horseshoe Bay aus geht die Fähre nach Vancouver Island. Und wer erst einmal an diesem Fleckchen wasserumspülter Erde angelangt ist, für den wachsen Urlaubsträume ganz schnell zu Auswanderungsträumen.

Action und Bierchen – “Stumptown” (seit 2020, Netflix)

“Avengers”-Star Cobie Smulders spielt in der Verfilmung der “Stumptown”-Comics von Autor Greg Rucka und Zeichner Matthew Southworth (2011 für den Eisner-Award nominiert) die Afghanistan-Veteranin Dex, die ziellos durchs Leben tigert – hier mal ein Glücksspiel, dort mal einen One-Night-Stand. Quasi über Nacht wird sie in Portland/Oregon (gibt es im Gegensatz zu White Pine Bay wirklich) zur Detektivin und Polizeihelferin, als sie auf die Suche nach einem verschwundenen Indianermädchen geht. “Stumptown” ist genau die richtige Unterhaltung für eine Tüte Chips und ein Pils. Auch Dex trinkt in der Kneipe ihres besten Freundes Grey (Jake Johnson) gern ihre Bierchen, so viele, dass man die Serie nach Portlands alternativen Spitznamen, Beertown oder Beervana, hätte benennen können.

Überhaupt wird die Bierstadt – anders als in dem ebenfalls hier angesiedelten Mystery-Familiendrama “Here and Now” – dem Zuschauer via Kamera in liebevoll gestalteten Postkartenbildern appetitlich gemacht. Hierhin zieht es Bierliebhaber aus aller Welt, hier gibt es angeblich die meisten Brauereien und Mikrobrauereien (58 innerhalb der Stadtgrenzen) und hier steigen alljährlich viele Bierfeste – voran im Tom McCall Waterfront in der letzten Juliwoche jeden Jahres das Oregon Brewers Festival. Heute wäre der vorletzte Tag des weltweit angeblich größten Outdoor-Craft-Beer-Festivals gewesen – allerdings waren 2020 erstmals in seiner 32-jährigen Geschichte Hopfen und Malz verloren – wegen der Corona-Pandemie. Dann eben nächstes Jahr! Prost!

 

Von Matthias Halbig/RND