Mittwoch , 30. November 2022
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Holznachschub für den Kamin muss nach dem Schlagen im Wald zum Trocknen gestapelt werden. Erst nach ein bis zwei Jahren Trocknungszeit darf es dann zum Heizen verwendet werden. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Wie klimaschädlich ist es, mit Holz zu heizen?

Die Energiekrise stinkt – vor allem frühmorgens und abends. Dann wabern aus den Schornsteinen in der Wohnsiedlung schwarze Rauchwolken, die vor dem dunklen Himmel langsam verschwinden. Es riecht, als ob jemand ein großes Lagerfeuer entfacht hätte. Der Geruch ist charakteristisch für die aktuelle Zeitenwende: Weil die Preise für Strom und Gas in die Höhe schnellen, suchen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher nach günstigen Alternativen zum Heizen – und landen zumeist beim Holz.

Mittlerweile heizen mehr als eine Million Haushalte in Deutschland mit Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzel. So schreibt es das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Internetseite. Hinzu kämen noch mehr als elf Millionen Einzelraumfeuerstätten wie Kaminöfen. Tendenz steigend. Schon jetzt haben private Haushalte den größten Bedarf an Holz. Rund 25 bis 30 Millionen Kubikmeter des Rohstoffes verbrauchen sie pro Jahr. Aber auch in der Industrie wird Holzenergie benötigt.

Dass immer mehr Menschen dazu übergehen, mit Holz zu heizen, ist dem Umweltbundesamt (UBA) ein Dorn im Auge. Das hat gleich mehrere Gründe: „Holzheizungen sind, verglichen mit allen anderen Wärmequellen – Öl, Gas, Wärmepumpen – die für die Luftqualität schlechteste Heizmöglichkeit“, erklärt Christian Liesegang. Er ist Experte für Feuerungsanlagen bei der Umweltbehörde. Beim Verbrennen von Holz werden neben Fein­staub auch Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO₂) sowie in geringen Mengen Methan und Lachgas frei­gesetzt. Sie tragen maßgeblich zur Erderwärmung bei.

Feinstaub ist gesundheitsschädlich

Umweltfreundlich ist das Heizen mit Holz nicht. Es könnte schlimmstenfalls sogar dazu führen, dass Deutschland seine Feinstaubemissionsziele verfehlt. Bis 2030 müssen die PM2,5-Emissionen – gemeint ist Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer – um 43 Prozent gegenüber 2005 sinken. „Wir sind momentan auf einem guten, aber knappen Weg“, sagt Liesegang. „Wenn jetzt vermehrt Holzöfen genutzt oder in Betrieb genommen werden, könnten wir von diesem Pfad abkommen.“ Auch deshalb rät das UBA von Holzheizungen ab.

Gleichzeitig stellt zu viel Feinstaub eine Gefahr für die Gesundheit dar. Die Kleinstpartikel können beim Einatmen in die Lunge geraten und dort Entzündungen verursachen. Es kann zu Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen. Am Feinstaub lagern sich zudem andere Schadstoffe wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, an, die krebserregend sind.

Umweltbundesamt: Holz lieber stofflich nutzen

Nicht nur der Luftqualität zuliebe wäre es besser, das Holz im Wald zu lassen. Die Wälder in Deutschland sind ohnehin stark geschwächt – zum einen durch die Dürren, zum anderen durch den Borkenkäferbefall. Bäume sterben schneller ab, und es kann mehrere Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis sich der Bestand wieder erholt. Umso schlechter ist es, wenn jetzt zusätzlich Holz für eine energetische Nutzung eingeschlagen wird. Dadurch können die Wälder gleichzeitig weniger CO₂ speichern. Dabei sind sie wichtige Kohlenstoffsenken, also natür­liche CO₂-Reservoire, die es braucht, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

UBA-Experte Liesegang fordert deshalb, Holz lieber stofflich zu nutzen. Zum Beispiel, um damit Möbel herzustellen oder Gebäude zu bauen. So wäre das CO₂ über längere Zeit gebunden und würde nicht – wie beim Verbrennen – sofort wieder freigesetzt.

Brennholzverbände argumentieren dennoch, dass das Heizen mit Holz weitgehend klimaneutral sei. Denn dabei entstehe nur so viel CO₂, wie beim Wachsen der Pflanze gebunden werde. Diese Sichtweise ist jedoch sehr vereinfacht. Sie trifft nur zu, wenn das Holz aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft stammt. Doch meist wird schon bei der Rodung und beim Transport des Holzes jede Menge CO₂ freigesetzt. „Das Holz kommt schon mit einem gewissen CO₂-Rucksack zu mir nach Hause“, sagt Liesegang.

Preise für Holz klettern in die Höhe

Der UBA-Experte befürchtet, dass es künftig zu Nutzungskonflikten kommen könnte. Wenn die Nachfrage nach Holz steigt, aber immer weniger vom Rohstoff vorhanden ist beziehungsweise eingeschlagen werden darf. Das führt gleichzeitig dazu, dass die Preise steigen.

Zurzeit ist Holz noch eine der günstigsten Heizungsformen. Eine Kilowattstunde Heizenergie aus Holzpellets kostete im Juni 8,6 Cent, wie das Deutsche Pelletinstitut mitteilt. Zum Vergleich: Bei Gas und Öl betrugen die Kosten etwa 14,5 Cent. Doch schon jetzt ist ein Preisanstieg bei Brennholz und Holzpellets erkennbar: Im August lagen die Preise um knapp 86 Prozent über denen des Vorjahresmonats. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Als Gründe führt die Behörde neben der höheren Nachfrage auch die höheren Beschaffungs- und Transportkosten in der Holzindustrie an.

Was Sie beim Heizen mit Holz beachten müssen

Wer mit Holz heizen will, muss künftig wohl tiefer in die Tasche greifen. Und auch sonst gibt es bei der Holzfeuerung einiges zu beachten. Wer sich einen Kaminofen anschaffen möchte, sollte zunächst auf eine gute Qualität achten. Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ kann hier Käuferinnen und Käufern als Orientierung dienen. Es kennzeichnet besonders emissionsarme Geräte. Außerdem sollte die Wärmeleistung des Ofens dem Aufstellraum entsprechen: „Wenn ich ein kleines Wohnzimmer habe, sollte ich dort keinen großen Kamin hineinstellen“, sagt Liesegang. Dann kann es schnell zu warm im Raum werden, sodass die Fenster geöffnet werden müssen, was wiederum den Heizeffekt zunichtemacht.

Wichtig ist zudem die Bedienungsanleitung. Vor der ersten Benutzung und zu Beginn der Heizsaison sollten Kaminbesitzerinnen und Kaminbesitzer dort einen Blick hineinwerfen. Darin steht zum Beispiel, wie groß das Holz sein muss oder wie der Ofen angezündet wird. Auch die richtige Menge an Holz ist entscheidend. „Der Ofen muss nicht bis oben hin mit Holz gefüllt sein“, stellt der UBA-Experte klar. „Häufig genügen wenige Holzscheite.“ Wer Holz direkt aus dem Wald bezieht, muss darauf achten, es lange genug zu trocknen. Meist dauert es ein bis zwei Jahre, bis das Holz zum Heizen verwendet werden kann. Es sollte abgedeckt und ohne direkten Kontakt zum Erdreich gelagert werden.

Vor der Heizperiode kann es ferner hilfreich sein, eine Fachkraft den Ofen inspizieren zu lassen. Zum Beispiel, um zu überprüfen, ob die Dichtungsgummis der Ofentür noch in gutem Zustand sind. Kamin- und Kachel­öfen, die zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 21. März 2010 errichtet wurden, müssen spätestens bis zum 31. Dezember 2024 nachgerüstet oder außer Betrieb genommen werden. Darauf weist das Bundesumwelt­ministerium hin. Seit diesem Jahr müssen alle Pelletheizungen, Kachelöfen und Kaminöfen zudem einen Schornstein haben, dessen Austrittsöffnung so weit über das Dach hinausragt, dass Abgase von der natürlichen Luftströmung fortgetragen werden. Das soll die Luftqualität in Wohngebieten verbessern. Der Qualm der Energiekrise könnte also zumindest geruchsärmer werden.

Von Laura Beigel/RND