Donnerstag , 1. Oktober 2020
Apple fordert von App-Anbietern eine Provision für digital vermittelte Dienstleistungen ein.

Airbnb und Co: Apple fordert Provisionen für Onlineverkäufe

Für virtuelle Kurse, die über In-App-Käufe vertrieben werden, fordert Apple eine Provision ein. 30 Prozent sollen die App-Anbieter für digitale Angebote an den Technik-Konzern abtreten. Anderenfalls droht ihnen der Rausschmiss.

In der Corona-Krise haben viele App-Anbieter ihre digitalen Angebote ausgebaut. Während Reisen erst allmählich wieder möglich sind, setzt etwa das Buchungsportal Airbnb den Fokus zunehmend auf “Online-Entdeckungen”. Interessierte können virtuelle Stadtrundgänge, Kochkurse und Geschichtsstunden buchen, ohne dabei ihre Wohnzimmer zu verlassen. Auch der Sportvermittler Classpass, der ursprünglich analoge Kurse vermittelt, setzt zunehmend auf digitale Fitness-Einheiten.

Eine Entwicklung die bei Apple nicht unbemerkt blieb. Wie die “New York Times” berichtet, fordert das Unternehmen für die Vermittlung von digitalen Dienstleistungen eine Provision von 30 Prozent. Für Classpass ein Grund, seine Geschäfte in diesem Bereich wieder einzustellen. Bis Ende 2020 hat der App-Anbieter noch Zeit, um die bisher entstandenen Provisionen nachzuzahlen. Mit Airbnb laufen aktuell noch Verhandlungen über die Beteiligung. Sollte es keine Einigung geben, könnte die Anwendung aus dem App Store fliegen.

Apple: Verzicht auf Provision wäre “unfair”

Gegenüber der “New York Times” betonte Apple, dass die Vereinbarungen, die aus den App-Store-Richtlinien hervorgehen, bereits seit zehn Jahren gelten. 30 Prozent Provision werden generell bei Songs, Filmen, Serien oder Apps verlangt, die über den App Store oder iTunes verkauft werden. Ein Verzicht sei unfair gegenüber anderen Unternehmen, die seit jeher knapp ein Drittel ihrer Umsätze an Apple angeben müssen.

Die App-Store-Provisionen stoßen bei anderen Unternehmen immer wieder auf Missmut. Im Frühjahr hatte der Musikstreaminganbieter Spotify Apple unfairen Wettbewerb vorgeworfen und eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Spotify muss einen Teil der Erlöse aus auf dem iPhone abgeschlossenen Bezahl-Abos an Apple weiterleiten.

Ob und inwieweit Apple seine Marktmacht, auch im Hinblick auf die Provisionen, ausnutzt, ist am 29. Juli auch Thema in einer Anhörung vor dem US-Kongress. Mit Mark Zuckerberg (Facebook), Jeff Bezos (Amazon), Sundar Pichai (Google) und Tim Cook (Apple) stehen die CEOs der größten vier US-Tech-Unternehmen den Fragen der Abgeordneten Rede und Antwort. Die US-Konzerne sind verschiedenen Vorwürfen unfairen Wettbewerbs ausgesetzt, denen die Abgeordneten seit gut einem Jahr nachgehen.

Von Mila Krull/RND