Dienstag , 29. September 2020
Droht der chinesischen Plattform Tiktok auch in Japan ein Verbot? Quelle: imago images/photothek

Japan erwägt Verbot von Tiktok und anderen chinesischen Apps

In Indien sind zahlreiche chinesische Apps bereits verboten worden, in den USA wird ein möglicher Bann aktuell diskutiert. Nun laufen in Japan Bestrebungen, Tiktok und Co. zu blockieren. Auch Tokio äußert Sicherheitsbedenken.

Mehrere japanische Abgeordnete versuchen aktuell, Tiktok und andere chinesische Anwendungen in ihrem Land zu beschränken und sensible Informationen besser zu schützen. Mitglieder der liberaldemokratischen Partei von Premierminister Shinzo Abe hatten sich am Dienstag mit Experten getroffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die offiziellen Empfehlungen können bereits im August vorgeschlagen werden, berichtet die Webseite “Nikkei Asian Review”.

Bei den Gesprächen kamen ähnliche Sorgen wie zuvor in den USA und Indien zur Sprache. Man befürchte, dass Benutzerdaten den Behörden in Peking zugespielt würden. Die Leute sollten Tiktok “nur herunterladen, wenn sie ihre privaten Informationen in den Händen der Kommunistischen Partei Chinas haben wollen”, hatte US-Außenminister Mike Pompeo Anfang Juli in einem Fernsehinterview gesagt. Einen Monat zuvor hatte Indien im Zuge eines Grenzkonfliktes mit China Tiktok und weitere chinesische Apps landesweit verboten. Für die Videoplattform ein herber Rückschlag. Indien zählt zu den am stärksten wachsenden Märkten für Tiktok mit mehr als 200 Millionen Nutzern.

Tiktok: “Es werden viele Fehlinformationen verbreitet”

Der japanische Markt gilt als einer der ersten großen Erfolge für Tiktok außerhalb Chinas. Unter anderem gelang mit der Akquise der berühmten TV-Darstellerin Kinoshita Yukina der Durchbruch. Ihre Präsenz verleitete zahlreiche weitere Stars und Berühmtheiten dazu, sich auf der Videoplattform anzumelden. Laut App Annie zählt die App in Japan rund zehn Millionen Nutzer und hält sich seit Monaten in den Top 5 der Downloadcharts im App Store. Auch andere chinesische Apps wie WeChat oder die zu Baidu gehörende Keyboard-App Simeji sind in Japan sehr erfolgreich.

Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) äußerte sich Tiktok zu den Vorwürfen. ”Es werden aktuell viele Fehlinformationen über Tiktok verbreitet. Das sind die Fakten: Tiktok hat einen amerikanischen CEO, einen Sicherheitschef mit jahrzehntelanger Erfahrung im US-Militär und in der Strafverfolgung sowie ein US-Team, das sich mit großer Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein mit der konsequenten Weiterentwicklung der Sicherheitsinfrastruktur beschäftigt. Vier der fünf Aufsichtsratssitze unserer Muttergesellschaft werden von einigen der weltweit angesehensten globalen Investoren besetzt. Die Nutzer- und Nutzerinnendaten von Tiktok werden in den USA und Singapur gespeichert, wobei der Zugriff der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen streng kontrolliert wird”, hieß es.

RND/mkr