Freitag , 18. September 2020
Die Hitzewelle sorgt innerhalb des nördlichen Polarkreises für starke Waldbrände. Quelle: imago images/ITAR-TASS

Zehn Grad über Durchschnitt: Hitzewelle in Sibirien lässt arktisches Eis schmelzen

Sibirien erlebt in diesem Sommer eine sonst unübliche Hitzewelle. Alleine im Juni waren die Durchschnittstemperaturen bis zu zehn Grad höher. Diesen Temperaturanstieg bekommt auch die Arktis zu spüren: Dort sorgt die Hitzewelle dafür, dass der Schnee schneller schmilzt.

Genf. Die Durchschnittstemperaturen in Sibirien waren im Juni bis zu zehn Grad höher als im langjährigen Durchschnitt. Das teilte die Weltorganisation für Meteorologie am Freitag mit. Die ungewöhnliche Hitze innerhalb des Nordpolarkreises hat zerstörerische Brände entfacht und zu einem raschen Abschmelzen des Meereseises vor der russischen Küste in der Arktis beigetragen.

Werchojansk misst im Juni Rekordtemperatur

„Die Arktis erhitzt sich mehr als doppelt so schnell wie die Erde im Durchschnitt, was sich auf die örtlichen Bevölkerungen und Ökosysteme auswirkt und globale Konsequenzen hat“, warnte der Generalsekretär der UN-Organisation, Petteri Taalas, am Freitag. Die Pole der Erde hätten Einfluss auf das Wetter in weit entfernten Gegenden, in denen Hunderte Millionen Menschen leben, erklärte er.

In der russischen Stadt Werchojansk waren am 20. Juni 38 Grad Celsius gemessen worden und die WMO versucht, dies als Temperaturrekord innerhalb des nördlichen Polarkreises zu verifizieren. In der Region wüten Brände, deren Ausmaß auf Satellitenbildern zu sehen ist.

Hitzewelle ohne Klimawandel nicht möglich

Die verbreitete Hitze hänge mit einem großen „blockierenden Drucksystem“ und einer Nordwärtsbewegung des Jetstreams zusammen, wodurch warme Luft in die Region gelangt sei. Die WMO verwies auf eine kürzlich veröffentlichte Studie führender Klimaforscher, die feststellten, dass solch ein Temperaturanstieg ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel fast unmöglich wäre.

Das nationale Schnee- und Eis-Datenzentrum der USA hat laut der WMO Informationen gesammelt, die zeigten, dass die sibirische Hitzewelle den Rückzug des Eises entlang der russischen Küste in der Arktis beschleunigt habe, insbesondere seit Ende Juni. Dies habe zu einer sehr geringen Ausdehnung des Eises in der Laptew- und Barentssee geführt.

RND/AP