Mittwoch , 23. September 2020
Bei der deutschen Corona-Warn-App hat es Probleme mit der Hintergrundaktualisierung auf Android-Geräten gegeben. Quelle: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

Corona-Apps und ihre Pannen: Wie ist der Stand in anderen Ländern?

Die deutsche Corona-Warn-App soll auf zahlreichen Smartphones nicht richtig funktioniert haben. Ein Rückschritt für die digitale Kontaktverfolgung. Doch auch in anderen Ländern tun sich Tracing-Apps mitunter schwer.

Die deutsche Corona-Warn-App hat auf vielen Android-Geräten womöglich wochenlang nicht oder nur eingeschränkt funktioniert. Am Donnerstag hatte die “Bild”-Zeitung erstmals von der Fehlfunktion berichtet. Das RKI und SAP bestätigten daraufhin, dass es Probleme mit dem automatischen Abgleich im Hintergrund gab. Diese seien seit Längerem bekannt und mittlerweile wieder behoben. In der neusten Version der App sollen Nutzer in den Einstellungen die “priorisierte Hintergrundaktivität” einschalten.

Es ist nicht die einzige Kinderkrankheit, die die ein Monat alte App aufweist. Nach wie vor berichten Nutzer von Fehlermeldungen oder eingeschränkter Funktionalität. Auch auf Apple-Geräten tauchen demnach immer wieder Bugs auf. Doch trotz der Probleme steht die Corona-Warn-App im internationalen Vergleich gut dar. Im britischen Parlament etwa zollte Labour-Chef Keir Starmer der Anwendung mit einem Kommentar seinen Respekt, ausländische Medien berichten über die deutschen Downloaderfolge. Unterdessen tun sich andere Länder schwer mit der Akzeptanz und der Entwicklung von Tracing-Tools, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Großbritannien beendet Entwicklung der Corona-App

Nachdem der Start der geplanten App mehrmals verschoben wurde hat Großbritannien das Projekt überraschend beendet. Wegen technischer Probleme hat die Regierung die Entwicklung einer eigenen Anwendung aufgegeben, wie die britische Gesundheitsbehörde (NHS) Mitte Juni bekannt gab. Die Markteinführung war ursprünglich für Mai geplant. Wie Frankreich hatte die britische Regierung auf einen zentralen Ansatz gesetzt, der mit der von Google und Apple bereitgestellten Schnittstelle allerdings nicht kompatibel ist.

Die offizielle Tracing-App war bereits auf der Isle of Wight im Süden Englands getestet worden. Unter dem Motto “Testen, Aufspüren, Zurückverfolgen” wurden alle Bewohner in einem Brief dazu aufgefordert, die Anwendung herunterzuladen. Doch die Testphase scheiterte, denn es hatten sich nicht genügend Teilnehmer gefunden. Mittlerweile gibt es in Großbritannien neue Pläne für eine App, die auf die Schnittstelle von Apple und Google setzen soll, wie die BBC berichtet.

Frankreich meldet wenig Infizierte

Bereits am ersten Tag hat die französische App StopCovid 600.000 Downloads verzeichnen können. Doch die Euphorie legte sich schnell. Nach dem Start Anfang Juni haben lediglich 2,3 Millionen französische Nutzer die Anwendung heruntergeladen, was knapp 3 Prozent der Bevölkerung entspricht. Mehr als 450.000 Menschen haben die App mittlerweile wieder von ihrem Smartphone gelöscht. Nur 68 Personen hätten sich seither als infiziert gemeldet, berichtet CNews. Insgesamt konnten so 14 Benutzer gewarnt werden. Kritik gibt es in Frankreich auch an den laufenden Kosten der App. Für die Unterhaltung der Server, Betrieb und Wartung sind monatlich rund 200.000 Euro angesetzt.

Anders als die meisten europäischen Apps setzt StopCovid nicht auf die von Apple und Google bereitgestellte Schnittstelle und speichert die Daten der Nutzer auf zentralen Servern. Frankreich hatte sich gegen eine Zusammenarbeit mit den beiden großen Firmen entschieden.

Australiens App funktioniert nur eingeschränkt

In Australien haben hohe Downloadzahlen von mehr als sechs Millionen Hoffnungen auf den Nutzen der App geweckt. Premierminister Scott Morrision verglich CovidSafe mit einem “Sonnenschutz in sengender Mittagshitze” und sprach von einem “Ticket, um die Einschränkungen zu lockern”. Doch auch in Australien weist die Funktionalität der Corona-Warn-App Mängel auf. Wie von der Regierung veranlasste Tests zeigten, läuft die Software auf gesperrten iPhones nur eingeschränkt. Laut einem Dokument der Digital Transformation Agency (DTA) wurde die Kommunikation zwischen zwei gesperrten iPhones als “schlecht” eingestuft. Begegnungen wurden in nur 25 Prozent der untersuchten Fälle tatsächlich protokolliert, berichtet der Sender ABC.

Auch bei Android-Geräten gab es demnach Probleme mit der Kontaktermittlung. Obwohl die Performance mittlerweile verbessert wurde, so läuft die App nach wie vor nicht einwandfrei. So tritt beispielsweise ein weiterer Fehler auf, bei dem die App auf iOS-Geräten versucht, sich mit anderen Bluetooth-Devices zu verbinden. Es kam vermehrt zu Störungen mit Fitnesstrackern, Kopfhörern oder Blutzuckermessgeräten.

Norwegische App aus Datenschutzgründen gestoppt

Smittestopp heißt das norwegische Pendant zur deutschen Corona-Warn-App. Rund ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung nutzte die Anwendung aktiv, bevor sie Mitte Juni überraschend eingestampft wurde. Wie das nationale Gesundheitsinstitut (FHI) bekannt gab, sammelt die App bis auf Weiteres keine Daten der Nutzer mehr ein. Alle bisher erhobenen Informationen seien gelöscht worden.

Zuvor hatte es massive Kritik an dem Datenschutz der App gegeben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zählte Smittstopp zu den drei gefährlichsten Anwendungen für die Privatsphäre der Nutzer. Auch die nationale Datenschutzbehörde Datatilsyn hatte vor der Anwendung gewarnt.

Anders als in anderen europäischen Ländern wurde bei der Entwicklung der zentrale Ansatz verfolgt, bei dem die Daten der Nutzer an zentrale Server übermittelt werden. Zudem war eine Geolokalisierung integriert, mithilfe derer der genaue Standort ermittelt werden konnte. Derzeit arbeiten die Entwickler an einer Lösung für die kritisierten Datenschutzprobleme. Wann die App wieder voll umfänglich genutzt werden kann, ist noch nicht bekannt.

 

Von Mila Krull/RND