Dienstag , 20. Oktober 2020
Durch die erhöhten Temperaturen kommt es in Sibirien in diesem Sommer häufiger zu Waldbränden. Anfang Juli war bereits eine Fläche von mehr als zwei Millionen Hektar betroffen. Quelle: Julia Petrenko/Greenpeace Russla

38 Grad in Sibirien: Hitzewelle ohne Klimawandel nicht möglich, sagen Klimaforscher

Sibirien erreicht in diesem Sommer Rekordtemperaturen von bis zu 38 Grad. Der Grund liegt nach Ansicht eines internationalen Forscherteams eindeutig im Klimawandel. Die Experten rechnen damit, dass die Temperaturen bis 2050 um bis zu 5 Grad ansteigen.

In Sibirien wüten diesen Sommer Waldbrände und die Temperaturen erreichen Rekordwerte. Klimaforscher sind sich einig: daran ist der Klimawandel Schuld. Das gab die „World Weather Attribution“-Initiative (WWA) vergangene Woche in ihrer Analyse zur Hitzewelle bekannt.

Frühsommer war in diesem Jahr mehr als 5 Grad wärmer

Für die Auswertung hat ein internationales Forscherteam, an dem unter anderem die Universität von Oxford und der Deutsche Wetterdienst beteiligt waren, die Temperaturhistorie verschiedener Messstationen in Sibirien und im äußersten Osten Russlands ausgewertet und mit den in Klimamodellen ermittelten Werten abgeglichen. Dabei stellten sie einen ungewöhnlich starken Temperaturanstieg in der Region fest.

Der Wechsel von sehr warmen und sehr kalten Temperaturen ist in Sibirien den Forscher zufolge nicht selten. Das liegt an einer Reihe Hoch- und Tiefdruckgebiete, die sich über die Region hinweg bewegen. So starke Temperaturschwankungen wie in diesem Sommer gab es jedoch noch nie: Die sechs Monate von Januar bis Juni 2020 waren um mehr als 5 Grad wärmer als der Durchschnitt in der Untersuchungsregion.

Temperaturanstieg von 5 Grad bis 2050 möglich

Besonders betroffen von den Temperaturanstiegen waren die Regionen Jakutien und Tschukotka. Die Klimaforscher stellten in diesen Teilen Sibiriens Temperaturen von bis zu zehn Grad über dem Juni-Durchschnitt fest – stellenweise bis zu 38 Grad. Nach Angabe der Forscher ist es sehr wahrscheinlich, dass an der von Januar bis Juni 2020 anhaltende Hitze der menschengemachte Klimawandel Schuld ist. Unter normalen Bedingungen tritt ein solcher Temperaturanstieg nämlich nur alle 130 Jahre auf. Die Auswertung der Modelle und die Wetterbeobachtungen zeigen der WWA zufolge außerdem, dass für die betroffene Region die gleiche sechsmonatige Hitzeperiode um mindestens 2 Grad Celsius kühler gewesen wäre, wenn sie im Jahr 1900 stattgefunden hätte.

Bis 2050 könnte die sibirische Region mit einem Temperaturanstieg von mindestens 2,5 Grad gegenüber 1900 rechnen – ein Anstieg bis zu 7 Grad sei allerdings auch möglich. Dies entspräche einer zusätzlichen Erwärmung um mindestens 0,5 Grad und möglicherweise bis 2050 um etwa 5 Grad im Vergleich zu heute.

Von Talisa Moser/RND