Freitag , 30. Oktober 2020
Immer eine Vision weiter als die anderen: Elon Musk will Menschen Computerchips direkt ins Gehirn implementieren. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Elon Musk und der Musikchip im Gehirn: 24 Stunden im Leben eines Silicon-Valley-Milliardärs

Elon Musk hat eine neue Vision: Mit seiner Firma Neuralink will er Menschen einen Computerchip direkt ins Gehirn pflanzen. So könne man zum Beispiel Musik auch ohne Umweg über das Ohr konsumieren. Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben eines Supermilliardärs aus, der solche Ideen gebiert? Hier sind 24 Stunden mit Elon Musk. Eine Satire.

Ein sonniger Morgen in Bel Air. Für Elon Musk, Erfinder des Rades, Reisender durch Raum und Zeit sowie Vater eines Sohnes mit dem Namen ZZ-9%(gh45?§%‍:/$§1-XXO! (Name von der Redaktion geändert), beginnt ein neuer Tag. Aber wie verlaufen 24 Stunden im Leben eines Superstarmilliardärs und Weltenretters genau? Was treibt einen solchen Mann an? Hier kommt die Chronik eines ganz normalen Tages im Leben von Elon Musk:

3.30 Uhr: Nach einem 15-minütigen Power-Nap windet Elon Musk seinen Astralleib mit einer einzigen flüssigen Bewegung aus dem Sauerstoffzelt. Er nimmt den “Mandarin im Schlaf”-Lernchip aus seinem Oberarm und brüllt zum Wachwerden seinen Assistenten an. Der hat die Auszeit genutzt, um sich im Flur kurz an die Wand zu lehnen. Er hat zuletzt 2011 geschlafen.

4.30 Uhr: Nach einem Power-Smoothie aus Hanfprotein, Goldstaub, Eigelb und dem gemahlenen Gehirn eines Delfins folgt ein Work-out im vollverspiegelten Fitnessflügel.

“Das baby kann noch keinen löffel benutzen”

6 Uhr: Musk entwirft auf einer Serviette ein elf Meter langes Power-SUV, das mit Zitronenschalenabrieb angetrieben wird. Er schickt die Skizze in die Tesla-Fabrik in Nevada. “Betreff: Produktionsstart SUV morgen, Plan anbei.” Er schreibt eine Textnachricht an seine aktuelle Lebensbegleiterin Claire Boucher alias Grimes: “Was hältst du von &(33LPUX#‘11!!B#r, falls es ein Mädchen wird?”

6.02 Uhr: Grimes schreibt zurück: “Zwei Ausrufezeichen vor dem Regenbogen? Wir hatten doch gesagt, diesmal keine Quatschnamen.”

6.57 Uhr: Musk fragt einen deutschen Mitarbeiter im brandenburgischen Tesla-Team nach einem “witzigen deutschen Spruch” für ein Babyfoto. Der Mann schreibt zurück, als deutscher Ingenieur kenne er leider keinen witzigen deutschen Spruch. Sein Fokus liege auf Sachinformationen. In Brandenburg gebe es nicht viel zu lachen. Er schlägt folgenden Satz vor: “Das baby kann noch keinen löffel benutzen”.

6.58 Uhr: Musk twittert das Foto seines Sohnes und schreibt dazu auf Deutsch: “Das baby kann noch keinen löffel benutzen”.

7.06 Uhr: Der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege kritisiert in einer Pressemitteilung per Fax an deutsche Medien die Kleinschreibung in Elon Musks Tweet (”Gerade ein aus Südafrika stammender, kanadisch-US-amerikanischer Unternehmer müsste doch zur Reinhaltung und Pflege der deutschen Sprache beitragen”). Das Medienecho bleibt überschaubar.

7.30 Uhr: Musk twittert: “Poweroffensive bei Tesla! In zwei Jahren sind wir 500 Billionen Dollar wert.” Das sollte den Aktienkurs nachhaltig stabilisieren.

8 Uhr: Gute Nachrichten aus der Tesla-Fabrik in Nevada: Von den gestern hergestellten 46 Model-3-Fahrzeugen sind bis zu drei sofort fahrbereit. Bei den übrigen suppt etwas Grünes aus der Batterie. Musk tobt: “Haben wir kein Power-Klebeband?”

8.06 Uhr: In einem Tweet erklärt Musk, Musik könne in Zukunft direkt über einen ins Gehirn implementierten Chip gehört werden – ohne Umweg über das Gehirn.

9 Uhr: Musk lässt in Belgien anrufen. Frage: Wäre Belgien bereit, Power-Abschussrampe für die Space-X-Flotte zu werden? Die belgische Regierung teilt mit: Belgien steht nicht zum Verkauf. Musk tobt: “Die bluffen! Genau wie damals Grönland!”

9.30 Uhr: Das Saarland ruft bei Musk an und bietet sich selbst als Abschussrampe an. Musk bietet 4 Dollar.

10.32 Uhr: CNN fragt an, ob Musk etwas Geiles plane. Die Pille für ewiges Leben? Die Privatisierung der Milchstraße? Musk lacht sein herzliches, natürliches Lachen. Er macht sich Notizen auf seinem Power-Book mit überklebtem Apple-Logo.

11.40 Uhr: Musk bewertet bei Amazon alle Steve-Jobs-Biografien mit nur einem Stern. “Blender! Maulheld! Gernegroß!”

11.55 Uhr: Musk meldet Titelschutz für folgende Wortmarken an: “It Musk Have Been Love”, “The Show Musk Go On” sowie “Musk- and Schotbruch”.

12.30 Uhr: Musk beleidigt in einem Liveinterview amerikanische Ureinwohner, Mutter Theresa, Martin Luther King und Flugkapitän Chesley B. Sullenberger. Das Internet explodiert. Der Tesla-Aktienkurs steigt. Der Aufsichtsrat kontaktiert einen Anwalt für Arbeitsrecht und ein Pflegeheim in Oregon.

12.36 Uhr: Musk verspürt ein leichtes Ziehen in der Lendengegend. Das muss der Aktienkurs sein. Er steigt wieder.

13.50 Uhr: Musk leiht sich von seinem Butler Geronimo 3 Dollar. Er will wissen, wie sich Geld für arme Menschen anfühlt. Geronimo nutzt die Gelegenheit: Er bittet um einen freien Tag, um nach sechs Wochen seine Mutter begraben zu können. Musk lehnt ab.

14.36 Uhr: Auf einem Fototermin demonstriert Elon Musk anschaulich die Größe seines Egos. Die Fotografen sind begeistert:

15.30 Uhr: Musk ruft mit verstellter Stimme bei Netflix an. Er schlägt vor, eine Dokumentation über Elon Musk zu drehen. Der Mitarbeiter in der Netflix-Zentrale bleibt höflich: “Bitte rufen Sie nicht mehr an, Mr. Musk.”

17.30 Uhr: Elon Musk knabbert ein Grünkohlblättchen. Er hat eine Idee: Er will die Energie aus den schwarzen Löchern in der Milchstraße nutzbar machen, um den Plastikmüll aus den Ozeanen abzusaugen und in eine entfernte Galaxie zu expedieren. Er ruft CNN an. Und das Nobelpreiskomitee. Auch dort ist man höflich: “Ich habe Ihnen doch erklärt: Es ist leider nicht möglich, sich selbst zu nominieren.”

17.31 Uhr: Musk erwägt, Schweden zu kaufen und im Meer zu versenken. Ein Eichhörnchen lenkt ihn ab.

19.45 Uhr: Musk schreibt eine Mail an alle Mitarbeiter: Profunde Recherchen in seinem Kleinhirn hätten gezeigt, dass die Menschheit in einer Simulation lebe und die Welt nicht real, sondern nur eine unter Milliarden simulierter Welten sei. Das habe auch der deutsche Sänger Xavier Naidoo bestätigt. Der Tesla-Aufsichtsrat tätigt einen wichtigen Anruf.

20.20 Uhr: Es klingelt in Bel Air an der Haustür. Draußen stehen drei brasilianische Sambatänzerinnen. Man habe im Auto den Prototypen eines Roboters, der Menschen überflüssig mache. Musk ist interessiert.

20.22 Uhr: Das Sambatrio schubst Musk in den Kofferraum und schlägt die Klappe zu.

21.34 Uhr: Der Tesla-Aufsichtsrat beschließt seine Abberufung.

21.44 Uhr: Elon Musk findet sich mit nichts als seiner Spiderman-Unterbuchse bekleidet unter einer Highwaybrücke in Oregon wieder. Ein Streifenwagen bringt ihn ins Pflegeheim.

23 Uhr: Google kauft Tesla. Apple kauft Google. Die Brezelbäckerei Ditsch kauft Apple. Tesla lebt als Stofftier- und Süßigkeitenmarke weiter.

3.15 Uhr: Elon Musk bettet sich in sein Pflegeheimbett und fährt die Rückenlehne abwärts. Er hat schon wieder neue Pläne: ein elektrischer CEO. Dann fällt er in einen unruhigen Schlaf. Seine Batterie ist alle.

Von Imre Grimm/RND