Donnerstag , 24. September 2020
Modelle der S20-Serie stehen bei der Veranstaltung “Unpacked 2020”, bei der Samsung Neuheiten präsentiert. Immer mehr Kunden verzichten darauf, sich jährlich ein neues Smartphone zu kaufen. Quelle: Kelvin Chan/ap/dpa

Ausgeboomt? Die Smartphone-Branche am Scheideweg

Immer neue technische Höchstleistungen, von denen der Kunde nichts hat – viele Menschen verzichten darauf, sich jährlich ein neues Mobiltelefon zu kaufen. In der Krise zeigt sich das besonders. Es ist deshalb gar nicht so überraschend, dass Apple mit einem Günstigmodell, das technisch voll auf der Höhe ist, derzeit das meistverkaufte Gerät stellt, meint Frank-Thomas Wenzel.

Corona als Lehrmeister – auch da, wo es auf den ersten Blick nicht zu erwarten ist: in der Mobilfunkbranche. Gegenwärtig erleben wir, wie stark inzwischen die Smartphone-Hersteller von der Konjunktur abhängig sind. Oder genauer gesagt, von der Kauflaune der Verbraucher. An präzisen Zahlen fehlt es noch. Doch schon jetzt ist klar, dass der Absatz im ersten Halbjahr eingebrochen ist. Die Branche, die mehr als zweieinhalb Jahrzehnte eine Art ewigen Frühling erlebte, sieht sich mit der ersten schweren Krise konfrontiert. Der weltweite Absatz könnte in den ersten sechs Monaten um etwa ein Fünftel eingebrochen sein.

Das liegt daran, dass es für die Nutzer nicht mehr unbedingt notwendig ist, sich alle zwei, spätestens alle drei Jahre ein neues Gerät zu kaufen. Wenn die Zeiten dann unsicher werden, fällt es leicht, auf die Neuanschaffung eines Smartphones zu verzichten. Mit einem alten Handy sind praktisch keine Nutzungseinschränkungen zu befürchten.

Ständig neue Geräte auf dem Markt

Dabei bringen die Hersteller aber ständig neue Geräte auf den Markt. Doch dieser Innovationsmechanismus greift seit einigen Jahren nicht mehr. Immer mehr Prozessorenleistung, immer mehr Pixel für die Kamera, immer bessere Bildqualität der Touchscreens. Doch das sind vielfach nur noch technische Kennziffern. Dem Nutzer bringt das nichts und er bemerkt davon auch nichts. Immer mehr abstrakte Leistung – das ist einfallslos, damit haben die Hersteller es sich leicht gemacht: Wenn eine Technologie auf einem Entwicklungspfad ist, dann kann das immer weiter fortgeführt werden.

Darin liegt auch das Geheimnis des schnellen Erfolgs der chinesischen Smartphone-Hersteller. Bei all dem haben Ingenieure und Manager aber vergessen, was einst den Durchbruch der Smartphones brachte: die einfache Handhabbarkeit der Geräte mit dem Touchscreen.

Die aktuelle Krise kann als Scheideweg für eine Branche betrachtet werden. Die Kunden können hoffen, dass es nun ein Umdenken gibt. Bessere Handhabbarkeit, mehr Anwendungen mit echtem Nutzen. Der Hersteller, der das schafft, wird künftig die Nase vorn haben. Wie wäre es mit eingebauten Beamern, die Marktforscher schon seit Jahren fordern? Oder ganz schlicht mit Batterien, die deutlich länger halten?

Von Frank-Thomas Wenzel/RND