Dienstag , 22. September 2020
Lisa (Lena Klenke) und Moritz (Maximilian Mundt) in einer Szene aus "How to Sell Drugs Online (Fast)" (Netflix). Quelle: picture alliance / Everett Colle

“How to Sell Drugs Online (Fast)”: Ist die Serie drogenverherrlichend?

Am Dienstag startete die zweite Staffel der deutschen Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“. Darin geht es um drei Jugendliche, die in der Provinz einen Onlinedrogenhandel aufziehen. Ist die Handlung moralisch vertretbar?

Lange war nicht klar, ob die deutsche Netflix-Serie “How to Sell Drugs Online (Fast)” (dt.: Wie man im Internet schnell Drogen verkauft) fortgesetzt wird. Erst zwei Monate nach Ausstrahlung der ersten Staffel gab es das Go des amerikanischen Streaminganbieters.

Dieses Zögern überraschte zumindest hierzulande. Denn die Geschichte von einem, der auszog, um in der Provinz einen Onlineshop für Drogen aufzuziehen, überzeugte Kritiker und Publikum gleichermaßen. Unter anderem wurde die Serie mit dem Grimmepreis in der Kategorie “Kinder & Jugend” und dem Deutschen Fernsehpreis für die Beste Comedyserie ausgezeichnet.

Am Dienstag startete nun die zweite Staffel. Darin müssen sich die drei Freunde Moritz (Maximilian Mundt), Lenny (Danilo Kamperidis) und Dan (Damian Hardung) entscheiden, ob sie ihren erfolgreichen Onlineshop “MyDrugs” verkaufen, ein paar Millionen einsacken und sich ein schönes Leben machen. Oder ob sie das ganze Business noch größer aufziehen und dabei riskieren, in den Knast zu wandern. Basierte die erste Staffel noch lose auf der wahren Geschichte des Jugendlichen Maximilian S., der Drogen aus seinem Kinderzimmer vertickte und zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, löst sich die Handlung der zweiten Staffel komplett vom realen Vorbild.

So gibt es eine holländische Scheinfirma, die Moritz und seine Freunde mit den ganzen bunten Pillen versorgt, aber auch nicht davor zurückschreckt, notfalls über Leichen zu gehen. Ähnlich skrupellos geht auch die geheimnisvolle Pferdehofbesitzerin (Maren Kroymann) vor, die den Tod ihres Sohnes Baba (Bjarne Mädel) rächen will und die drei jugendlichen Drogendealer im Verdacht hat.

Zweite Staffel: Bunter, schriller und abgefahrener

Doch auch wenn die Fortsetzung noch ein bisschen bunter, schriller und abgefahrener daherkommt, schwebt über allem eine wichtige Frage: Ist die Serie drogenverherrlichend? “Nein. Das würde ich nicht sagen”, erklärt Hauptdarsteller Maximilian Mundt im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Wir sind ja nicht die Erziehungsbeauftragten der Zuschauer, sondern erzählen einfach eine Geschichte, die moralisch nicht unbedingt komplett vertretbar ist.” Es würden in der Serie manchmal Grenzen überschritten, “aber ich glaube, dass wir immer noch ein kritisches Auge auf das Thema haben und meinen Charakter Moritz ordentlich leiden lassen und ihn nicht komplett ungestraft davonkommen lassen, mit dem, was er da alles macht.”

Ähnlich sieht es auch Mundts Serienkollege Damian Hardung. “Wir erzählen zwar von Drogen, aber wir erzählen auch, was damit alles passieren kann”, sagt er dem RND. “Ich möchte nicht sagen, dass wir das Thema dokumentarisch behandeln, aber es zeigt doch viele Facetten dieser Drogenwelt.” Die Entscheidung bleibe beim Konsumenten, auch wenn das nicht immer klappe, so der Schauspieler weiter. “Deswegen ist es notwendig, dass es etwa das Betäubungsmittelgesetz gibt, das den generellen Umgang mit Drogen regelt.”

Dritte Staffel von “How To Sell Drugs Online”?

Überhaupt hat man den Eindruck, dass Moritz und seine Mannen eher an der Vermarktung eines Produktes, denn wirklich an Drogen interessiert sind. Das hätten auch hippe Handyhüllen oder trendy Teebeutel sein können. Ob es eine dritte Staffel geben wird? “Das hängt davon ab, wie die Leute die Serie gucken, aber ich bin da sehr positiv gestimmt, weil ich die zweite Staffel deutlich geiler als die Erste finde”, sagt Hardung. Sein Kollege Mundt stapelt hingegen tief: “Es ist schon eine Ehre, dass wir die zweite Staffel machen durften. Ich hoffe natürlich, dass das Potential für eine dritte Staffel gesehen wird.” Auch wenn die offizielle Entscheidung für eine Verlängerung noch nicht gefallen ist, wurde die ehemalige Diplomatenschule in Bonn bereits ab Herbst geblockt. Hier entstanden bereits die meisten Szenen der zweiten Staffel.

Von Thomas Kielhorn/RND