Sonntag , 20. September 2020
Das Bundeskriminalamt kann laut BR und WDR auf Whatsapp-Chats zugreifen. Quelle: imago images/Future Image

Medienbericht: Bundeskriminalamt kann auf Whatsapp-Chats zugreifen

Das Bundeskriminalamt kann ohne den Einsatz von Spionagesoftware Unterhaltungen beim verschlüsselten Messenger Whatsapp nachverfolgen. Das ergab eine Recherche von WDR und BR. Um Chats mitzulesen, nutzt die Behörde die Funktion von Whatsapp Web.

Anders als reguläre Telefongespräche oder SMS galt eine Überwachung von verschlüsselten Messengerdiensten wie etwa Whatsapp durch staatliche Ermittlungsbehörden bisher als besonders kompliziert. Die Onlinedurchsuchung erfolgt dabei vor allem mittels Staatstrojaner, also einer Spysoftware, die durch Hacking auf einem Endgerät eingeschleust wird und Daten an ihre Betreiber weitergibt. Seit 2017 kann diese Art der Überwachung vom Bundeskriminalamt eingesetzt werden.

Wie die “Tagesschau” berichtet, macht sich das BKA mittlerweile jedoch auch eine andere Methode zunutze, um Chats, Fotos, Sprachnachrichten und Videos bei Whatsapp zu verfolgen. Laut Recherchen von BR und WDR, die sich auf ein internes Schreiben der Polizeibehörde beziehen, verwenden die Ermittlungsbehörden dazu eine Funktion des Messengers. “Das BKA verfügt über eine Methode, die es ermöglichen kann, Text, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten aus einem Whatsapp-Konto in Echtzeit nachzuvollziehen”, heißt es in dem Schreiben.

Whatsapp Web ermöglicht Überwachung

Mittels Whatsapp Web kann das BKA demnach auf die Unterhaltungen von Verdächtigen zugreifen. Die Funktion erlaubt es Whatsapp-Nutzern, auch über den Internetbrowser Nachrichten zu empfangen und zu versenden. Die Nutzer haben Zugriff auf alle Konversationen und Kontakte. Eine Voraussetzung für die Überwachung mittels des Webdienstes gibt es allerdings: Die Ermittler müssen zumindest für eine kurze Zeit Zugriff auf das relevante Mobiltelefon haben. Nur mittels eines QR-Codes, der im Browser angezeigt wird und vom Smartphone gescannt werden muss, lässt sich eine Verbindung zwischen beiden Geräten aufbauen.

Die Überwachungsmethode ist laut BR und WDR möglicherweise auch im Zuge der Ermittlungen gegen den Verdächtigen Magomed-Ali C. zur Anwendung gekommen. C. hatte Verbindungen zu Anris Amri, dem islamistischen Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz. “Die dargestellte Maßnahme der Whatsapp-Überwachung ist unter bestimmten Voraussetzungen technisch möglich”, zitiert die “Tagesschau” aus einem Vermerk des BKA vom 30. Juli 2018.

Bei dieser Art der Onlinedurchsuchung handelt es sich laut dem BKA um eine reguläre Telekommunikationsüberwachung, die durch eine richterliche Anordnung ermöglicht werden kann. Unter Berufung auf Sicherheitskreise heißt es, die Methode sei bislang nur selten eingesetzt worden. Der Aufwand sei hoch und “für viele Ermittlungsverfahren nicht praktikabel”.

RND/mkr