Montag , 26. Oktober 2020
“Strukturelle Nachteile”: Karlheinz Brandenburg, Professor und Miterfinder des MP3-Verfahrens zur Audiodatenkompression. Quelle: picture alliance/dpa

“Strukturelle Nachteile”: Erfinder der MP3 fordert mehr Wagniskapital für deutsche Forscher

Karlheinz Brandenburg gilt als “Vater der MP3”. Der Erfinder des weltweit populärsten Musikdateiformats fordert mehr Wagniskapital für deutsche Forscher. Er sieht “bestimmte strukturelle Nachteile” hiesiger Forscher im globalen Vergleich. Der Technologiestandort Deutschland sei aber besser als sein Ruf, sagt er im RND-Interview.

Der deutsche Ingenieur Karlheinz Brandenburg (66) fordert mehr Wagniskapital für hiesige Forscher. Der Erfinder des weltweit erfolgreichsten Dateiformats MP3 für digitale Musik beklagt “bestimmte strukturelle Nachteile” deutscher Wissenschaftler. “Es braucht Wagniskapital, um Projekte vorantreiben zu können”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Und diese Summe ist in den USA mehr als zehnmal so hoch wie bei uns. Das ist natürlich ein Wettbewerbsnachteil.”

Die MP3 war in den Neunzigerjahren am Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelt worden. Sie wurde in wenigen Jahren zum wichtigsten Format für die digitale Verbreitung von Musik. Brandenburg selbst spielte bereits 1991 mit dem Gedanken, eine Firma zu gründen. “Ich hätte ein Haus verpfänden müssen, um einen Kredit zur Firmengründung zu bekommen. Ich hatte kein Haus, also gab es keinen Kredit.” Brandenburg selbst gründete später eine Venture-Kapital-Firma, die digitale Projekte fördert. Der Technologiestandort Deutschland sei besser als sein Ruf, sagt er. “Wir müssen offensiv darüber sprechen, wenn wir etwas gut können. Gut zu sein reicht nicht.”

Karlheinz Brandenburg gilt als Vater der MP3

Karlheinz Brandenburg gilt als Vater der MP3, war aber nicht allein dafür verantwortlich. Der Forscher hatte Elektrotechnik und Mathematik studiert und 1989 zum Thema Musikkodierung an der Universität Erlangen-Nürnberg promoviert. Titel seiner Dissertation: “Ein Beitrag zu den Verfahren und der Qualitätsbeurteilung für hochwertige Musikcodierung”. Danach forschte er unter anderem an den berühmten Bell Laboratories von AT&T in den USA. Für die Erfindung des MP3-Formats wurden Brandenburg und sein Team mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ab 2004 leitete er das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT). In diesem Frühjahr ging er 66-jährig in den Ruhestand.

Von Imre Grimm/RND