Donnerstag , 1. Oktober 2020
Anja Klein beim Imkern in ihrem Garten. Quelle: Andreas Lauermann

Das große Summen: Das sollten Sie über Bienenschwärme wissen

Bei gutem Frühlingswetter wird es bereits ab April eng im Bienenhaus. Die Königin legt Eier wie verrückt, immer mehr Bienen drängeln sich auf den Waben, Sammelbienen schleppen jede Menge Nektar an, die Honigräume sind übervoll. Das Bienenvolk wird unruhig. Alle Zeichen stehen auf Schwarm. Ein leicht abgeänderter Auszug aus dem Familien-Bienenretterbuch unserer Gartenautorin Anja Klein.

Wenn man den Duden aufschlägt, dann steht da: “größere Anzahl sich [ungeordnet,] durcheinanderwimmelnd zusammen fortbewegender gleichartiger Tiere.” Das trifft es sehr gut. Ein Bienenschwarm besteht aus 10.000 bis 30.000 Bienen, die aus dem Bienenstock herausschießen und sich gemeinsam mit einem lauten Brausen in die Luft erheben. Wie irre schießen sie in einer großen schwarzen Wolke kreuz und quer durcheinander. Es saust und braust, ein beeindruckendes Schauspiel und wenn man so einen Bienenschwarm zum ersten Mal erlebt, kann einem schon ein bisschen bange werden.

Dabei gibt es nichts Friedlicheres als schwärmende Bienen. Wirklich. Die Bienen sind in dem Moment so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht auf die Idee kommen jemanden zu stechen. Außerdem haben sie sich vorher im Bienenstock den Bauch randvoll mit Honig gefüllt. Voller Bauch sticht nicht gern. Für die Bienen ist ein Schwarm sowas wie die Party ihres Lebens.

Wer hat das Kommando im Schwarm?

Auch wenn die Schwarmwolke sehr chaotisch wirkt, folgt alles einem genauen Plan. Den kennt allerdings außer den Bienen niemand so wirklich. Tatsächlich hat man noch nicht genau verstanden wer das Kommando zum Schwärmen gibt, wie sich die Bienen untereinander verständigen, wer entscheidet wer mitfeiert und wer zu Hause bleiben muss.

Fest steht: ohne Königinnenzelle kein Schwarm. Bevor sich die Bienen auf den Weg machen, muss in der Bienenbeute zuerst eine neue Königin heranwachsen. Die alte Königin verlässt ja mit dem Schwarm das Haus und kommt auch nicht mehr zurück. Ohne Königin kann kein Volk überleben. Der Bau einer Königinnenzelle ist also das erste Zeichen dafür, dass ein Bienenvolk in Schwarmstimmung gerät. Meistens bauen die Bienen gleich mehrere Königinnenzellen. Je nach Größe des Volks gehen dann mehrere Schwärme kurz hintereinander ab.

Ein guter Tag zum Schwärmen

Ein paar Tage bevor die neue Königin schlüpft, macht sich etwa die Hälfte der Bienen mit der alten Königin auf den Weg. Sie warten dafür einen schönen sonnigen Tag ab (wer feiert schon gerne bei miesem Wetter eine Gartenparty). Um die Mittagszeit herum geht es los. Die Bienen strömen aus dem Bienenstock und erheben sich zu einer riesigen Schwarmwolke. Wenn alle da sind (einmal durchzählen bitte, kennen Sie vielleicht noch vom Kindergarten- oder Schulausflug) geht’s los. Die Wolke wird dichter und kleiner und bewegt sich in eine bestimmte Richtung. Viel weiter als hundert Meter kommen sie meistens nicht. Mein erster Schwarm ist gerade einmal fünfzehn Meter weit geflogen und hat sich dann bei meinem Nachbarn in einem Apfelbaum niedergelassen.

Von der Wolke zur Traube

Nach und nach lassen sich alle Bienen nieder. Dabei kuscheln sie sich ganz eng zu einer Bienentraube zusammen. Die Königin nehmen sie in ihre Mitte. Dort ist sie sicher vor gefräßigen Vögeln und anderen Gefahren. Das ist sehr wichtig für das Volk. Stirbt die Königin während des Schwarmvorgangs, ist die Party schlagartig vorbei und die Bienen fliegen wieder zurück in ihren alten Bienenstock.

Nicht alle Bienen machen bei der Kuschelorgie mit. Ein paar Dutzend Spurbienen suchen die Umgebung nach einem geeigneten Platz für ein neues Zuhause ab. Hat eine von ihnen etwas Passendes gefunden, kommt sie zurück und erzählt den anderen davon, indem sie auf der Bienentraube, also auf den Körpern ihrer Schwestern, herumtanzt. Je nachdem wie überzeugend sie dabei ist, machen sich andere Spurbienen auf den von ihr beschriebenen Weg. Gefällt ihnen der neue Wohnort, kommen auch sie zurück und teilen ihren Schwestern den Weg dorthin tanzend mit. Irgendwann sind genügend Bienen überzeugt. Der ganze Schwarm erhebt sich erneut in die Luft und fliegt zum neuen Zuhause.

Wohnung verzweifelt gesucht

Die Suche nach Wohnraum ist heutzutage allerdings nicht einfach. Es gibt kaum noch geeignete Nistplätze für Bienen in der Natur. Wo gibt es denn noch Baumhöhlen oder größere Nischen in Gebäuden? Ersatzweise ziehen manche Völker in einen zusammengeklappten Sonnenschirm ein oder in einen vergessenen Strohhut, der im Baum hängt. Schon klar, dass das nicht lange gut geht.

Selbst wenn die Bienen einen artgerechten Nistplatz finden, können sie aus verschiedenen Gründen nicht lange allein überleben. Der Krankheitsdruck, vor allem durch die Varroa-Milbe, ist einfach zu hoch. Von daher ist es gut, wenn schnell eine Imkerin oder ein Imker zur Stelle ist, um den Bienenschwarm einzufangen. Wenn Sie einen Schwarm sehen, rufen Sie einfach die Feuerwehr. Die hat eine Liste mit örtlichen Schwarmfängern und Schwarmfängerinnen vorliegen und sorgt dafür, dass der Schwarm bald ein neues sicheres Zuhause bekommt.

Mehr über unsere Autorin erfahren Sie auf ihrer Internetseite: https://der-kleine-horror-garten.de/

 

 

 

Von Anja Klein/RND