Samstag , 24. Oktober 2020
Hauptrolle in der Serie “The Outsider”: Cynthia Erivo, hier mit Brad Pitt, spielte darin die Detektivin Holly Gibney, die Stephen King von seinen zahllosen Figuren am liebsten mag. Quelle: imago images / Picturelux

Happy Horrordays: Drei neue Novellen von Stephen King werden verfilmt

Das Buch “Blutige Nachrichten” ist noch gar nicht auf deutsch erschienen, da stehen schon Verfilmungen an. Drei der brandneuen Novellen werden zu Filmen. Eine vierte vorläufig nicht – womöglich aus gutem Grund.

Stephen-King-Fans freuen sich auf den 10. August. Dann erscheint die deutsche Übersetzung des Vier-Novellen-Buchs “If It Bleeds”. “Blutige Nachrichten” wird Kings bei Heyne erscheinender vierter Novellenband heißen. Neben der Titelgeschichte enthält er die Erzählungen “Mr. Harrigans Telefon”, “Chucks Leben” und “Ratte”. Für die letztgenannten drei sind Verfilmungen bereits eingetütet, wie verschiedene Medien berichten.

Stimmen aus dem Grab, Pakte mit Ratten

In “Mr. Harrigans Telefon” geht es um einen Jungen, der einen alten, skeptischen Milliardär mit Smartphone-Technik vertraut macht. Als der alte Mann stirbt und mit seinem Handy beerdigt wird, erhält der Junge Anrufe aus dem Grab. King kam auf die Geschichte, als er auf dem Telefon eines toten Freundes anrief, um dessen Stimme auf dem Anrufbeantworter noch einmal zu hören – was ihm dann eine Heidenangst einjagte. Wie “Deadline” berichtet, übernimmt der Streamingdienst Netflix mit der Produktionsfirma Blumhouse und Serienmacher Ryan Murphy (“American Horror Story”) die Produktion.

“Chucks Leben” erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich, als der Klimawandel in einen akkumulativen, nicht mehr aufzuhaltenden Weltuntergang mündet, seiner besonderen Rolle in der Menschheitsgeschichte bewusst wird. Der begnadete Tänzer Chuck ist eben doch nicht nur ein kleiner, unbedeutender Handlungsreisender. Der Produzent von “Chucks Leben” ist Meisterregisseur Darren Aronofsky (“Black Swan”, “Pi”).

Ben Stiller geht einen bizarren Pakt ein

“Ratte” erzählt von dem Englischlehrer Drew Larson, der sich auf einen bizarren Pakt mit eine Ratte einlässt, um ein Buchprojekt beenden zu können. Eine Geschichte vom Rand des Verstands, und eine der vielen Storys “aus dem Autorenleben”, die oft zu den gruseligsten des Meisters aus Maine (der auch mal Englischlehrer war) spielen. Hier soll Ben Stiller Berichten zufolge die Hauptrolle übernehmen und darüber hinaus auch als Produzent und Regisseur fungieren.

Stephen King versteht es auf überzeugende Weise, seine Leser auch nach fast 50 Jahren noch mit – vornehmlich ins Übernatürliche ragenden – Kurzgeschichten, Novellen und Romanen zu fesseln. Die Verfilmungen in Serien, Kino- oder Streamingfilmen gelingen derweil nicht immer. Auch Netflix hat da nicht unbedingt ein glückliches Händchen, wie zuletzt “Im hohen Gras” zeigte, die Story über ein Feld mit maishohem Gras, in dem ein seltsamer Findling aus dem All (oder einer anderen Dimension) dafür sorgt, dass sich Zeitebenen übereinander lagern. Man kam ins Gras hinein, das mit dem hinaus aber wurde äußerst schwierig. Der Zuschauer war am Ende des monotonen Films froh wie die überlebenden Protagonisten, das Gras hinter sich gelassen zu haben.

Holly Gibneys neues Abenteuer wird womöglich zur “Outsider”-Staffel

Andere Adaptionen geraten besser – die Neuverfilmung von “Es” war äußerst unterhaltsam, HBOs Serie zur rätselhaften Mordgeschichte “The Outsider” war sogar grandios. Ben Mendelsohn als allem Paranormalen gegenüber wenig aufgeschlossener Polizist Ralph Anderson und vor allem Cynthia Erivo als leicht autistische Detektivin Holly Gibney waren schauspielerisch ein Dreamteam.

Und das ist auch der mögliche Grund, weshalb die dem Sammelband “Blutige Nachrichten” seinen Titel gebende Geschichte vorläufig nicht verfilmt wird. Möglicherweise liegen die Rechte schon bei HBO, denn die Heldin, die über den Fall eines vermissten Hundes neuerlich über den Rand zur Twilight Zone hinaus gerät, ist Holly Gibney. Schon Justine Lupe hatte den Charakter in den drei Staffeln von “Mr. Mercedes” vorzüglich gespielt.

Und eine besondere Bewandtnis hat es außerdem mit Gibney: Stephen King äußerte sich in mehreren Interviews, dass ihm Holly Gibney der liebste Charakter aus all seinen Romanen ist. Und seine Darlings gibt man nur in allerbeste Hände.

Von Matthias Halbig/RND