Montag , 28. September 2020
Um vor einer HPV-Infektion geschützt zu sein, wird eine Impfung empfohlen – sowohl für Mädchen als auch für Jungen.

Studien: Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Prostatakrebs sehr wahrscheinlich

Zwei australische Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Infektion mit HPV in Zusammenhang mit einer Prostatakrebs-Erkrankung stehen könnte. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von 26 Studien. Doch diese Erkenntnis wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert.

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Eine systematische Auswertung von 26 Studien hat zwei australische Wissenschaftler nun zu dem Schluss kommen lassen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Infektion mit HP-Viren, also Humanen Papillomviren, und Prostatakrebs “sehr wahrscheinlich” sei. Dies geht aus einem Beitrag des Fachjournals “Infectious Agents and Cancer” hervor.

Im Detail ergab die Analyse, dass HPV-Infektionen die Erkrankung der Prostata herbeiführen könnten. Dies könne direkt oder indirekt über bestimmte Elemente des Immunsystems geschehen. Doch es sei auch möglich, dass die HP-Viren mit anderen Erregern interagieren und so dafür sorgen, dass die Prostata erkrankt. Grundsätzlich sei die Rolle von HPV bei Prostatakrebs sehr komplex.

Hinweis für Zusammenhang: Sterblichkeit durch Gebärmutterhals- und Prostatakrebs

Zudem zeigte die Analyse von Daten zur Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs und Prostatakrebs, dass ein Zusammenhang zwischen HPV-Infektionen und Prostatakrebs bestehen könnte. So ist in Ländern, in denen es viele Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs gibt, die Sterblichkeit durch Prostatakrebs ebenfalls hoch. In Ländern, in denen es eine geringe Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs gibt, ist auch die Anzahl der Todesfälle durch Prostatakrebs geringer. Wissenschaftlich erwiesen ist bereits, dass Gebärmutterhalskrebs durch eine HPV-Erkrankung ausgelöst werden kann.

Laut Prof. Dr. Michael Muders, dem Direktor des Rudolf-Becker-Labors für Prostatakarzinomforschung in Bonn, stehe ein wissenschaftlicher Beweis für den Zusammenhang zwischen einer HPV-Erkrankung und Prostatakrebs jedoch noch aus. Gegenüber dem Science Media Center sagte der Wissenschaftler: “Auch in dem aktuellen, hier vorliegenden Review wird ein Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und einem Prostatakarzinom nur aufgrund von Assoziationen nahegelegt. Dabei wurden stringentere Kriterien als in den früheren Metaanalysen angewandt. Trotzdem fehlt immer noch ein stichhaltiger wissenschaftlicher Beweis, auf dessen Grundlage weitere Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können.”

HPV-Impfung senkt Infektionsrisiko – Viren-Übertragung durch Kontakt

Die HP-Viren gehören zu den DNA-Viren und gleichzeitig zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragenen Viren. Bisher sind mehr als 200 verschiedene Virustypen bekannt. Ihre Erbinformationen sind wie das menschliche Erbgut auf einem DNA-Strang gespeichert. Der HPV-Erreger verursacht Geschlechtskrankheiten und macht sich häufig durch Warzen auf der Haut und im Genitalbereich bemerkbar.

Die Viren werden über den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, beispielsweise über offene Wunden oder die Schleimhäute. Um sich zu vermehren, brauchen HP-Viren menschliche Zellen. Die Viren schleusen dabei ihr Erbgut in eine menschliche Wirtszelle ein (Haut- oder Schleimhautzelle) und zwingen diese dazu, laufend neue Viren zu produzieren. Irgendwann platzt die Wirtszelle auf, dadurch werden viele neue Viren freigesetzt. Diese können dann ebenfalls menschliche Zellen befallen.

Infektionen mit HP-Viren kommen sehr häufig vor. Beinahe jeder sexuell aktive Menschen steckt sich einmal oder mehrmals in seinem Leben mit dem Virus an. Meist zeigen sich bei einer Infektion jedoch keine Symptome. In deutschsprachigen Ländern wird eine HPV-Impfung auch für Jungen, für Mädchen ist das schon länger der Fall, empfohlen. Die Impfung senkt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Weitere Informationen zu Humanen Papillomviren und einer HPV-Impfung sind auf der Homepage des Deutschen Krebsforschungszentrums zu finden.

Von Jan Jüttner/RND