Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die App TikTok auf dem Display von einem Handy. Quelle: imago images/imagebroker

TikTok-Verbot für Belegschaft – Amazon spricht von Versehen

Der Online-Riese Amazon hat seine Belegschaft nach eigenen Angaben versehentlich aufgefordert, TikTok von ihren Smartphones zu entfernen. Die chinesische App steht wegen mutmaßlicher Zensur von Videos in der Kritik, in denen die Führung in Peking kritisiert wird. US-Außenminister Mike Pompeo hatte eine Sperre von Apps aus China, insbesondere TikTok, nicht ausgeschlossen.

New York. Der Online-Riese Amazon hat seine Belegschaft nach eigenen Angaben versehentlich aufgefordert, die chinesische Videoapp TikTok von ihren Smartphones zu entfernen.

Eine entsprechende E-Mail mit einer Löschaufforderung an Angestellte sei irrtümlich versandt worden, teilte das Unternehmen am Freitagabend (Ortszeit) mit. “Es gibt aktuell keine Änderung an unseren Richtlinien mit Blick auf TikTok.”

Zuvor hatte der Konzern „Sicherheitsrisiken“ angeführt, die eine Löschung von TikTok von Mobiltelefonen mit Zugang zu Amazon-E-Mails erforderten. Abgesetzt worden sei die Aufforderung am Freitagmittag (Ortszeit), teilte ein Mitarbeiter mit, der anonym bleiben wollte. Angestellte hätten bis zum Ende des Tages Zeit gehabt, der Vorgabe Folge zu leisten – ansonsten würden sie ihren mobilen Zugriff auf Amazon-E-Mails einbüßen.

TikTok hat Millionen Fans in den USA

In einer Mitteilung ließ TikTok später wissen, dass Amazon über den Schritt vorab nicht informiert habe. „Wir verstehen ihre Bedenken immer noch nicht“, erklärte das chinesische Unternehmen. Man hätte einen Dialog begrüßt, um Amazons Vorbehalte zu klären.

Der chinesische Internet-Riese steht als Eigentümer hinter TikTok. Die App wurde für Nutzer außerhalb Chinas konzipiert, es gibt aber auch eine chinesische Version namens Douyin. Wie bei Youtube kommt den Usern die Aufgabe zu, TikTok mit Inhalten zu füllen. Die App ist für lustige, alberne Videos bekannt und ist vor allem bei jungen Leuten beliebt. In den USA hat sie Millionen Fans.

Gleichwohl steht TikTok wegen mutmaßlicher Zensur von Videos in der Kritik, in denen die chinesische Führung kritisiert wird. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass Nutzerdaten mit chinesischen Funktionären geteilt werden.

US-Außenminister Pompeo schließt Sperre von TikTok nicht aus

US-Außenminister Mike Pompeo schließt eine Sperre von Apps aus China – insbesondere der populären internationalen Videoplattform TikTok – nicht aus. “Wir nehmen das sehr ernst. Wir sehen es uns auf jeden Fall an”, sagte Pompeo am vor einigen Tagen bei Fox News. Er war danach gefragt worden, ob die US-Regierung nicht in Erwägung ziehen sollte, soziale Medien aus China und speziell TikTok zu verbieten.

TikTok mit der chinesischen Firma ByteDance als Besitzer spürt schon länger politischen Gegenwind in den USA. So wurde Ende vergangenes Jahres US-Militärangehörigen wegen Sicherheitsbedenken untersagt, die App auf ihren Dienst-Smartphones zu nutzen. Pompeo sagte am Dienstag, man solle sich die App nur auf sein Smartphone laden, „wenn Sie wollen, dass Ihre privaten Informationen in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei gelangen“.

Ein Sprecher von TikTok erklärte auf Anfrage, das Unternehmen werde von einem amerikanischen CEO geleitet und habe Hunderte Mitarbeiter und wichtige Führungskräfte unter anderem im Bereich Sicherheit in den USA. „Wir haben niemals Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben und würden dies auch nicht tun, wenn wir darum gebeten würden“, hieß es.

ByteDance wird im Ausland wegen einer möglichen Nähe zu Chinas Behörden und dem Umgang mit persönlichen Daten mit Argwohn betrachtet. Deswegen bemüht sich das Unternehmen seit langem, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. TikTok hatte am Dienstag angekündigt, sich wegen des chinesischen Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong aus dem Markt der Sonderverwaltungsregion zurückzuziehen – und die Bemühungen damit unterstrichen.

RND/AP