Tiktok veröffentlicht halbjährlich seinen Transparenzbericht. Quelle: imago images/imagebroker

Tiktok-Transparenzbericht: Plattform löschte 49 Millionen Videos

Die chinesische Videoplattform Tiktok hat einen neuen Transparenzbericht veröffentlicht. Im zweiten Halbjahr 2019 hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als 49 Millionen Videos gelöscht. Neben sexuellen Inhalten betraf dies auch bedenkliche Challenges.

Tiktok hat laut des jüngsten Transparenzberichts im zweiten Halbjahr 2019 mehr als 49 Millionen bedenkliche Videos gelöscht. Ein Viertel der Inhalte wurde wegen Nacktheit und sexuellen Handlungen entfernt. Ähnlich viele Inhalte hat Tiktok aus Kinderschutzbedenken offline genommen. 15,6 Prozent der gelöschten Videos enthielten eine Verbindung mit Suizid, Selbstverletzungen und gefährlichen Aktionen. Dazu zählen auch mehrere umstrittene Challenges, für die das Netzwerk immer wieder in der Kritik steht.

Die meisten der gelöschten Videos stammen aus Indien, insgesamt wurden hier mehr als 16 Millionen Inhalte entfernt. Dahinter folgen die USA (4,6 Millionen), Pakistan (3,7 Millionen) und Großbritannien (2 Millionen). Laut Tiktok wurden die Inhalte in 98,2 Prozent der Fälle gelöscht, bevor User sie gemeldet hätten. Fast 90 Prozent seien zudem entfernt worden, noch bevor sie von Nutzern gesehen wurden.

Mit geschätzten 200 Millionen Nutzern war Indien bis vor Kurzem der größte Markt für die bei Kindern und Jugendlichen beliebte Plattform. Doch Ende Juni ordnete die Regierung an, Tiktok und 58 weitere chinesische Apps landesweit sperren zu lassen. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt. Tatsächlich wird die Anwendung zunehmend zum Politikum. Auch US-Außenminister Mike Pompeo hatte zu Beginn der Woche mitgeteilt, man erwäge ein Verbot der chinesischen Plattform. Pompeo sagte, Nutzer der App würden ihre Daten bereitwillig “in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei legen”.

Tiktok-Bericht: Keine Anfragen aus China

Tiktok sieht sich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, Zensur im Sinne der chinesischen Regierung durchzusetzen und Daten an die Behörden weiterzugeben. So war Ende 2019 etwa der Account der US-amerikanischen Feroza Aziz gesperrt worden, nachdem sie in einem als Schminktutorial getarnten Video den Umgang der chinesischen Regierung mit der uigurischen Minderheit kritisierte. Tiktok gab an, bei der Löschung des Videos handele es sich um einen Fehler in der Moderation. Die “Washington Post” stellte zudem fest, dass im vergangenen Sommer unter dem Hashtag #Hongkong kaum Bilder der Massenproteste zu sehen waren. Stattdessen zierten die üblichen Tanz- und Musikvideos den Newsfeed.

Regelmäßig beteuert das Unternehmen, dass keine ausländischen Nutzerdaten weitergeleitet werden. In dem Transparenzbericht zeigt Tiktok auf, welche staatlichen Behörden Anfragen gestellt haben, um bestimmte Inhalte entfernen oder beschränken zu lassen. Mit 30 Requests hat Indien dabei die meisten Anfragen gestellt. Insgesamt werden zehn Länder in der Liste aufgeführt, China ist nicht dabei. Tiktok betonte, darüber hinaus keine weiteren Regierungsanfragen erhalten zu haben.

In China, wo Tiktoks Mutterkonzern Bytedance seinen Hauptsitz hat, ist Tiktok in seiner hiesigen Form gar nicht verfügbar. Stattdessen greifen Nutzer auf das chinesische und zensierte Format Douyin zu. Dieses sammelt weitaus mehr Nutzerdaten und verbietet in seinen Richtlinien Inhalte, die regierungskritisch sind.

RND/mkr