Mittwoch , 28. Oktober 2020
Der Erderwärmung schreitet in großen Schritten voran. Die Arktis, auch Lebensraum der Eisbären, schmilzt weiter in drastischem Ausmaß. Schon im nächsten Jahr könnte sich der Durchschnitt der globalen Temperatur um 1,5 Grad erhöhen. Quelle: dpa/RND Montage Behrens

Globaler Temperaturanstieg um 1,5 Grad schon in den kommenden Jahren möglich

Die Weltwetterorganisation stellt eine düstere Prognose für die globale Durchschnittstemperatur. Diese könnte sich im Zeitraum 2020 bis 2024 auf mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau belaufen. Der Einfluss der Corona-Krise ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Genf. Die globale Durchschnittstemperatur könnte schon in einem der kommenden Jahre mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Das berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) am Donnerstag in Genf.

Starke Erwärmung in der Arktis erwartet

Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre im Zeitraum 2020 bis 2024 diesen Wert erreicht, liege bei 20 Prozent. Dass die Durchschnittstemperatur in diesem Zeitraum mindestens in einem Monat mehr als 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau liegt, dürfte demnach sogar zu 70 Prozent der Fall sein.

Eine besonders drastische Prognose geben die Experten für die Arktis ab: Die Region dürfte sich in diesem Jahr schon um mehr als das Doppelte des globalen Mittelwerts erwärmt haben.

Pariser Klimaabkommen sieht Limit von 1,5 Grad vor

In diesem und jedem der nächsten vier Jahre werde die globale Durchschnittstemperatur mindestens ein Grad höher liegen als im vorindustriellen Zeitalter, heißt es in dem Bericht. Damit ist der Zeitraum von 1850 bis 1900 gemeint.

Schon die Fünf-Jahres-Periode von 2015 bis 2019 war die bislang wärmste. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Länder darauf geeinigt, die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und sich um ein Limit von 1,5 Grad zu bemühen.

Corona-Krise nicht als Ausrede benutzen

Bei den Berechnungen unter Federführung des britischen Wetterdienstes Met Office wurden natürliche Klimavariationen und menschlicher Einfluss berücksichtigt, wie die WMO berichtet. Nicht eingeflossen sind mögliche Rückgänge der Treibhausgasemissionen durch den weltweiten Wirtschaftseinbruch in Folge der Corona-Pandemie.

“Wegen der Langlebigkeit von CO₂ in der Atmosphäre geht man nicht davon aus, dass durch einen Rückgang der Emissionen in diesem Jahr die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre, die zu der Erwärmung führt, abnimmt”, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Pandemie dürfe keine Ausrede sein, um den Klimawandel nicht mit koordinierten und nachhaltigen Maßnahmen zu bekämpfen.

RND/dpa