Susanne Steiner (Christiane Paul, vorn) möchte ihre Tochter Leonie (Lena Klenke) sowie ihren Mann Uli (Mark Waschke) vor gefährlichen Schleusern beschützen. Quelle: Stephan Rabold/ZDF/dpa

Das Ende ist nahe: Die Miniserie “8 Tage” auf ZDFneo

Was macht die Aussicht auf den Untergang Europas mit unserer angeblich so zivilisierten Gesellschaft? Ein Achtteiler sucht Antworten. Die Miniserie "8 Tage", die von Sky produziert wurde, kommt dabei ohne aufwendige Spezialeffekte aus und setzt stattdessen auf Dynamik und gute Schauspieler.

Berlin. Wir wissen es schon aus vielen Katastrophenfilmen: Ein nahender Weltuntergang weckt in den meisten Menschen nicht das Beste, sondern das Schlechteste. Bei der hochkarätig besetzten deutschen Miniserie "8 Tage" am Freitag und Samstag auf ZDFneo ist das nicht anders.

Ein riesiger Asteroid steuert auf die Erde zu. Zwar soll er im französischen La Rochelle aufprallen, doch die Todeszone ohne Überlebenschancen reicht etwa bis zum Ural. Prompt schlägt mitten in Deutschland die Stunde für Plünderungen, Schleusergeschäfte und den Polizeistaat. Manche suchen eine Zuflucht in Gott, andere in Bunkern.

Helden und Anti-Helden in einem gescheiterten Weltraummanöver

Die Produktion, die im vergangenen Jahr bereits beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen war, verfolgt in acht Teilen die Schicksale von Helden und Anti-Helden, denen nach einem gescheiterten Weltraummanöver gegen den Asteroiden nur noch acht Tage bis zum Einschlag bleiben.

Da sind Susanne und Uli, gespielt von Christiane Paul und Mark Waschke. Mit ihrem letzten Geld wollen sie das todgeweihte Westeuropa verlassen und liefern sich polnischen Schleusern aus. Denn die Grenzen sind längst geschlossen. Doch dann geht alles schief. Susanne erschießt in Notwehr einen Menschen, die Flucht mit den Kindern Leonie und Jonas nach Russland rückt in weite Ferne. Und dann werden Mutter und Tochter noch von den übrigen beiden getrennt.

Ausflug mit dem Militärhelikopter

Susannes Bruder Herrmann Meissner (grandios schmierig gespielt von Fabian Hinrichs) plant unterdessen, mit seiner hochschwangeren Freundin Marion (Nora Waldstätten) Flugtickets in die USA zu bekommen. Sein Glück: Er hat beste Beziehungen in die hohe Politik. Deswegen beginnt seine Flucht in einem Militärhelikopter. Alles scheint perfekt geplant. Doch dann streut ihm das Schicksal gleich mehrfach Sand in das Getriebe.

Der Bauunternehmer Klaus Frankenberg (Devid Striesow) vertraut derweil niemandem mehr, er hat sich eine unterirdische Zuflucht gebaut. Seine Frau hat sich das Leben genommen, bevor der Schutzkeller fertig war. Frankenberg ist ein unheimlicher Mensch und will seine Tochter Nora (Luisa-Céline Gaffron) zwingen, bei ihm in seinem engen Privatbunker mit Mikrowelle und DVD-Spieler zu bleiben. Das Mädchen ist verzweifelt und will nichts anderes als fliehen, egal wohin. Der Bauunternehmer verliert immer mehr den Verstand.

Düstere Zukunftsvision voller Spannung und Dynamik

Herrmanns Vater Egon, ein früherer NVA-Offizier, interessiert sich derweil nicht für die Zukunft, sondern nur für die Vergangenheit. Er will nicht vor dem Asteroiden fliehen. Doch ist er für ihn Anlass, nach langer Zeit wieder Kontakt zu einer Jugendliebe aufzunehmen.

Die Verlautbarungen der Behörden werden immer widersprüchlicher. Mal ist von Evakuierung die Rede, dann von Bunkerplätzen, dann soll der tödliche Himmelskörper auf einmal angeblich ganz woanders in Europa aufschlagen. Ändert das etwas? Wer blickt da noch durch? Mehr und mehr wird die Lage verzweifelter. "8 Tage" ist eine düstere Zukunftsvision voller Spannung, die von der Dynamik und den guten Schauspielern lebt, nicht von Spezialeffekten.

RND/dpa