Sonntag , 27. September 2020
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich mit den Initiatoren der "StopHateforProfit"-Kampagne getroffen.

Boykott-Initiatoren zeigen sich enttäuscht nach Gespräch mit Facebook

Die Organisatoren des Werbeboykotts gegen Facebook haben mit Mark Zuckerberg über ihre Forderungen gesprochen. Doch der Dialog sorgte für Enttäuschung bei den Bürgerrechtsorganisationen. Sie wollen ihre Kampagne nun ausweiten.

In einem Online-Gespräch sind Facebook-Chef Mark Zuckerberg und mehrere Mitglieder von US-Bürgerrechtsorganisationen am Dienstag zusammengekommen. Anlass für das Treffen ist die “StopHateforProfit”-Kampagne, der sich weltweit zahlreiche Unternehmen angeschlossen haben. Im Rahmen der Aktion kritisieren die teilnehmenden Organisationen den Umgang des sozialen Netzwerks mit Hass und Hetze und werfen Facebook vor, nicht genug gegen Extremismus, Rassismus und Falschmeldungen zu unternehmen.

Seitens der Initiatoren des Boykotts führte das einstündige Gespräch mit Zuckerberg, Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg und anderen Unternehmensvertretern nicht zum Erfolg. “Es war eine Enttäuschung”, äußerte sich Rashad Robinson von der Organisation Color of Change auf Twitter. “Sie haben unsere Forderungen seit Jahren und doch ist klar, dass sie nicht bereit sind, den giftigen Hass auf ihrer Plattform anzugehen.” Facebook sei eher an Dialogen interessiert als an konkreten Handlungen und Ergebnissen, sagte Derrick Johnson, Präsident der Organisation NAACP im Interview mit dem Sender CNBC. “Am Ende haben sie nichts unternommen, um die Gesellschaft und unsere Demokratie zu schützen”.

Sheryl Sandberg hingegen sieht bei Facebooks Umgang mit Hass deutliche Fortschritte in den vergangenen Jahren. Allerdings sei diese Arbeit “niemals abgeschlossen”, teilte sie in einem Beitrag mit. Das Netzwerk habe eine große Verantwortung, um beim Aufspüren und Löschen von hasserfülltem Inhalt besser zu werden.

Initiatoren wollen Kampagne fortsetzen

Bereits lange vor dem Start der Kampagne hatten die Initiatoren ihre Forderung an Facebook herangetragen. Auf der Webseite von “StopHateforProfit” sind sie in zehn Punkten zusammengefasst. Unter anderem appellieren sie dafür, Bürgerrechtsorganisationen in die Entwicklungen von Produkten und Richtlinien einzubeziehen, um Diskriminierung, Vorurteile und Hass künftig einzudämmen.

Die Organisationen haben nach dem Dialog angekündigt, ihre Kampagne weiter fortzusetzen und zu intensivieren. “Ich glaube, die Kampagne wird wachsen, globaler werden und an Intensität gewinnen, bis wir die Antworten hören, nach denen wir suchen”, sagte Jonathan Greenblatt, Vorsitzender der Anti-Defamation League.

Die Kampagne hatte Mitte Juni an Fahrt aufgenommen, nachdem sich große Konzerne wie Coca-Cola und Unilever der Aktion anschlossen und ankündigten, ihre Werbung auf Facebook für 30 Tage zu pausieren. Andere Unternehmen haben ihre Anzeigen bis auf weiteres zurückgezogen. Mit SAP, Volkswagen und Adidas haben sich auch deutsche Firmen an dem Boykott beteiligt.

RND

Von Mila Krull/RND