Samstag , 31. Oktober 2020
Ostafrika und Vorderasien erleben derzeit eine der schlimmsten Heuschreckenplagen seit 70 Jahren. Quelle: Boris Polo/AP/dpa

Kein Ende der Heuschrecken-Plage in Afrika und Asien in Sicht

Eine der schlimmsten Heuschrecken-Plagen seit 70 Jahren macht Ostafrika und Vorderasien zu schaffen. Bisher hat der Einsatz von Insektiziden noch keine Wirkung gezeigt. Experten rechnen damit, dass sich die Situation bis Mitte August sogar noch verschärfen könnte.

Nairobi. Die Heuschrecken-Plage in Ostafrika breitet sich trotz Bekämpfung weiter aus. In Teilen der Region gebe es Berichte von Schwärmen von Wüstenheuschrecken, teilte das ostafrikanische Klimainstitut ICPAC mit.

310 Heuschrecken-Schwärme zählt die FAO

Zudem seien im Norden Kenias, im Osten Äthiopiens und in Teilen Somalias neue Insekten geschlüpft. Das Zentrum warnte vor der Gefahr für die Lebensmittelsicherheit: In Äthiopien und Somalia seien bereits Ernten zerstört worden. “Da die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass die Schwärme migrieren werden, ist das Risiko sehr hoch, dass Ernten und Weideland stark beeinträchtigt werden”, hieß es.

Die betroffenen Länder in Ostafrika bekämpfen die Heuschrecken mit Insektiziden, doch der viele Regen der vergangenen Monate lässt die Heuschrecken gedeihen. Viele Menschen haben wegen früherer Dürren, schwelender Konflikte und Überschwemmungen nicht genug zu essen. Die Corona-Krise hat die Lage verschärft.

Derzeit registriert die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 310 Heuschreckenschwärme in Ostafrika und Vorderasien. Die Zahl der Jungtier-Schwärme liegt derzeit bei rund 663.

Massenschlüpfen an indisch-pakistanischer Grenze möglich

Seit Monaten fallen Millionen von Wüstenheuschrecken über Teile Ostafrikas, Asiens und des Nahen Ostens her und zerstören Äcker und Weiden. Die FAO erwartet, dass einige der im Nordwesten Kenias angesiedelten Schwärme über den Südsudan nach Sudan fliegen, während andere in Richtung Äthiopien ziehen werden. Einige wenige Schwärme könnten auch den Nordosten Ugandas passieren.

Außerdem geht die FAO davon aus, dass sich die Wüstenheuschrecken im Jemen weiter vermehren könnten. Von dort aus könnten sich Schwärme auch nach Nordsomalia und Nordost-Äthiopien verbreiten.

Zudem seien viele im Frühjahr geschlüpfte Heuschrecken vor dem Monsunregen an die indisch-pakistanische Grenze geflüchtet. Einige Schwärme zogen weiter in die nördlichen Staaten, während andere Nepal erreichten. “Diese Schwärme werden mit Beginn des Monsuns Anfang Juli nach Rajasthan zurückkehren, um sich anderen Schwärmen anzuschließen, die noch aus dem Iran und Pakistan eintreffen, was durch Schwärme vom Horn von Afrika etwa Mitte Juli ergänzte werden dürfte”, schreibt die FAO in ihrer Online-Zeitschrift Desert Locust Bulletin (No. 501).

Entlang der indisch-pakistanischen Grenze könnte es zusätzlich zu einem Massenschlüpfen von Wüstenheuschrecken kommen. Dies würde Mitte August zur Bildung der Sommerschwärme der ersten Generation führen.

Heuschrecken legen mehr als 130 Kilometer am Tag zurück

Die Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) gehören zur den Kurzhornheuschrecken, die dichte Schwärme bilden können. Diese können sich über ein Gebiet von bis zu 29 Millionen Quadratkilometer ausbreiten – das entspricht nach Angaben der FAO mehr als 20 Prozent der gesamten Landoberfläche der Erde.

Die Insekten bewegen sich in jungen Jahren auf dem Boden, als Erwachsene können sie fliegen und mit günstigem Wind mehr als 130 Kilometer am Tag zurücklegen. Die Wüstenheuschrecke lebt etwa drei bis fünf Monate, abhängig von den Wetter- und ökologischen Bedingungen.

Tiere essen ihr eigenes Gewicht pro Tag

Die Weibchen können drei Mal in ihrem Leben Eier legen, meist in Abständen von sechs bis elf Tagen. Als Einzelgänger legen die Weibchen zwischen 95 und 158 Eier, im Schwarm sind es weniger als 80. In jedem Quadratkilometer Heuschreckenschwarm können bis zu 80 Millionen erwachsene Tiere vorkommen.

Das Fressverhalten ist bei den erwachsenen Tieren besonders ausgeprägt: Ein Tier kann ungefähr sein eigenes Gewicht pro Tag essen – das sind rund zwei Gramm pro Tag.

RND/lb/dpa