Sonntag , 27. September 2020
Das Bundeskartellamt kritisiert den Datenschutz bei Smart-TV-Geräten. Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Bundeskartellamt: Datenschutz bei Smart-TVs oft nur mangelhaft

In einem umfangreichen Bericht hat sich das Bundeskartellamt dem Thema Smart-TVs gewidmet. Die Behörde kommt darin zu dem Schluss, dass viele Hersteller massiv gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen. Die Geräte sammeln dabei umfangreiche Informationen über ihre Besitzer, die zu Werbezwecken verwendet werden.

Das Bundeskartellamt sieht bei mehreren Herstellern von Smart-TV-Geräten erhebliche Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das ist das Ergebnis der Sektoruntersuchung Smart-TVs, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Behörde appelliert daher an die Hersteller von Smart-TVs, Verbrauchern mehr Informationen über die Verarbeitung von Nutzerdaten zu geben. Die Verbraucher müssten bei der Gerätenutzung “deutlich mehr Souveränität” über ihre Daten erhalten, forderte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Smart-Fernseher sind internetfähige Geräte, mit denen die Verbraucher neben dem linearen TV-Programm auch Videostreaming und andere Internetdienste nutzen können. Der Untersuchung des Bundeskartellamts zufolge können die Geräte Daten über das Fernsehverhalten, die App-Nutzung, das Surf- und Klickverhalten sowie biometrische Daten wie Stimme oder Cursorbewegung weitergeben, um so umfangreiche Werbeprofile zu erstellen. Fast jedes neu verkaufte Fernsehgerät ist Mundt zufolge heute ein Smart-TV.

Kartellbehörde stellt schwerwiegende Mängel fest

Bei den untersuchten Geräten stellte die Kartellbehörde fast durchgehend schwerwiegende Mängel in den Datenschutzerklärungen fest. Damit würden die Hersteller gegen die EU-weite Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen. Problematisch sei auch, dass die Datenschutzerklärungen für viele Dienste und Prozesse verfasst seien. “Diese ‘one fits all‘-Architektur führt dazu, dass die Verbraucher nicht zuverlässig erfahren, welche personenbezogenen Daten verarbeitet werden, welche Datenverarbeitungen durch welchen Nutzungsprozess ausgelöst werden, welche Daten an Dritte übermittelt werden und wie lange einzelne Daten gespeichert werden”, heißt es dazu in einer Mitteilung des Kartellamtes.

Zwar könnten die Nutzer die Datenerhebung meist in den Geräteeinstellungen abstellen. Sich über den Datenschutz vor dem Kauf zu informieren sei aber nicht oder nur mit großem Aufwand möglich. Nach dem Kauf fügten sich die Verbraucher meist in die bei der Ersteinrichtung des Geräts angezeigten Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen. Zumal die Einrichtung der Geräte meist nur möglich ist, wenn Nutzer den Erklärungen zustimmen.

Sicherheitsstandards nicht langfristig gewährleistet

Darüber hinaus haben die Experten auch die IT-Sicherheit der Geräte unter die Lupe genommen. Bei etlichen Herstellern sei nicht gewährleistet, dass die Sicherheitsstandards auch in der Zukunft aufrechterhalten werden, etwa durch regelmäßige Softwareaktualisierungen. Keines der untersuchten Unternehmen mache verbindliche Angaben dazu, wie lange seine Produkte mit Sicherheitsupdates versehen werden, heißt es.

Könnten die Verbraucher die Datenschutz- und Datensicherheitsqualität eines Produkts beurteilen, könnte eine Nachfrage nach datenschutzfreundlichen Geräten entstehen, sagte Mundt. Dazu empfahl die Behörde unter anderem “eingängige Bildsymbole”. Auch müssten die Unternehmen verpflichtet werden, notwendige Informationen etwa zu Voreinstellungsmöglichkeiten und Datenschutz klarer und einfacher zu vermitteln.

Das Bundeskartellamt darf seit Juni 2017 im Bereich Verbraucherschutz sogenannte Sektorenuntersuchungen durchführen. Im Dezember 2017 startete es eine solche zu Smart-TVs, bei der es die Geräte von 20 in Deutschland vertretenen Anbietern unter die Lupe nahm.

RND/mkr/epd