Facebook will künftig auch Falschmeldungen von US-Präsident Donald Trump markieren. Quelle: Matt Rourke/AP/dpa

Werbeboykott zeigt Wirkung: Facebook will Fake News künftig doch markieren

Der Werbeboykott mehrerer Unternehmen zeigt offenbar Wirkung: Vor allem vor der US-Wahl will Facebook verstärkt gegen falsche Inhalte und Hassbotschaften vorgehen. Ähnlich wie bei Twitter sollen auch Beiträge des Präsidenten markiert werden, wenn sie problematische Behauptungen enthalten.

Menlo Park. Nach scharfer Kritik ändert Facebook seinen Umgang mit Postings mit fragwürdigem Inhalt. Wenn tagesaktuelle Beiträge von Politikern gegen die Nutzungsregeln verstoßen, werde man diese künftig markieren, teilte Facebook am Freitag mit. Das gilt demnach auch für die Postings von Präsident Donald Trump.

Zuckerberg kündigt striktes Vorgehen gegen Falschmeldung und Hass an

Twitter hatte vor einigen Wochen damit begonnen, Beiträge von Trump mit einem Link zu versehen, wenn diese nicht den Fakten entsprachen, so etwa seine Behauptung, Briefwahl würde zu Betrug führen. Facebook hatte die gleichen Posts kommentarlos auf seiner Seite gelassen und stand unter großem Druck, es Twitter gleichzutun und auch sonst mehr gegen Hassbotschaften zu tun.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte zudem in einem Livestream an, dass sein Unternehmen stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen im November löschen werde. Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. “Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt”, so Zuckerberg.

Zuckerberg teilte mit, dass Facebook künftig auch Beiträge blockieren werde, die dazu dienen, Wähler von den Urnen fernzuhalten. Unter anderem sind das etwa Fake-News-Stories, wonach Bundesbeamte an den Urnen den Aufenthaltsstatus der Wähler kontrollieren. In den 72 Stunden vor der US-Wahl wolle Facebook zudem verstärkt falsche Behauptungen über den Ablauf der Wahl in Wahllokalen entfernen.

Unilever: Keine Werbung mehr auf Twitter und Facebook

Der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda gaben am Freitag bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Damit erhält eine in der Vorwoche gestartete Boykottaktion gegen die Plattform wegen deren umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten bedeutenden Zulauf. Unilever nimmt auch Twitter in die Pflicht – hier soll es vorerst ebenfalls keine Werbung mehr geben.

Der niederländisch-britische Konzern begründete seine Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes. Sein US-Werbebudget will Unilever indes nicht kürzen, die Ausgaben sollen nun auf andere Unternehmen verteilt werden.

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

RND/mf/AP/dpa