Sonntag , 20. September 2020
Investoren aus Norwegen und acht anderen Ländern haben Brasilien aufgefordert, die Abholzung im Amazonasgebiet zu stoppen und die Rechte indigener Völker einzuhalten. Quelle: Ascom/Ibama/dpa

Amazonas: Ein Viertel des öffentlichen Regenwaldes in illegalem Privatbesitz

116.000 Quadratkilometer des öffentlichen Regenwaldes im brasilianischen Amazonasgebiet sind illegal in Privatbesitz. Es gehört eigentlich dem Staat, ist aber als besetzt einzuordnen. Das “Landraub”-Gesetz des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro könnte die Situation noch verschärfen.

Belém. Knapp 500.000 Quadratkilometer des brasilianischen Amazonasregenwaldes gehören dem Staat. Sie befinden sich auf öffentlichem Grund und und sind theoretisch für keinen bestimmten Nutzen vorgesehen. Fast ein Viertel dieser Fläche im Amazonasgebiet befindet sich tatsächlich aber illegal in Privatbesitz. Dies geht aus einer Erhebung des Amazonasforschungsinstituts Ipam und der Universität des Bundesstaates Pará hervor.

Zunehmende Abholzung und Brandrodung

Der Anteil von 23 Prozent entspricht nach Institutserhebungen etwa 116.000 Quadratkilometern öffentlichen Waldes, die in 21 Jahren – zwischen 1997 und 2018 – unrechtmäßig besetzt wurden.

In ganz Amazonien ist für insgesamt 498.000 Quadratkilometer kein bestimmter Zweck vorgesehen. Folgen sind die Invasion von „Landräubern” und die Zunahme von Abholzung und Brandrodung.

Brasiliens Präsident unterstützt „Landraub”

Die Bäume werden gefällt und in Brand gesetzt, um Platz für Weiden und Rinder zu schaffen. „Es ist, als ob es Niemandsland wäre. Diese Gebiete müssen öffentlich und weiterhin Wald bleiben”, zitiert die brasilianische Nachrichten-Seite „G1” Paulo Moutinho, einen der Autoren der Studie.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, ein Schirmherr der Holzlobby, hatte im Dezember ein Gesetzesprojekt eingebracht, das auch „Landraub”-Gesetz genannt wird. Im Falle einer Verabschiedung würde die illegale Abholzung und unrechtmäßige Besetzung von öffentlichem Land vor 2018 nachträglich legalisiert werden.

RND/dpa