Sonntag , 20. September 2020
Das “Covid-19 Earth Observation Dashboard” gibt einen Überblick über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere Erde. Quelle: Covid-19 Earth Observation Dashboard/Esa/NASA/JAXA

“Covid-19 Earth Observation Dashboard”: Weltraumbehörden visualisieren Folgen der Pandemie

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Klima und die globale Wirtschaft aus? Dieser Frage geht das “Covid-19 Earth Observation Dashboard” von ESA, NASA und JAXA nach. Nutzer können auf Daten von 17 Satelliten zurückgreifen.

Paris/Washington D.C./Chōfu. Die Corona-Pandemie und damit einhergehende Lockdowns haben das Leben auf der Erde verändert – das lässt sich sogar vom Weltraum aus beobachten. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat in Zusammenarbeit mit der NASA und der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) am Donnerstag das “Covid-19 Earth Observation Dashboard“ veröffentlicht.

Covid-19-Dashboard soll weiter ausgebaut werden

Die Weltraumbehörden nutzen Daten von 17 Satelliten, um Dashboard-Nutzern die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die weltweite Luft- und Wasserqualität, Landwirtschaft, Wirtschaft und den Klimawandel zu visualisieren. Insgesamt spiegeln die Daten 30 ökologische, 17 ökonomische und drei landwirtschaftliche Indikatoren wider.

“Auf diese Weise stellen wir sicher, dass unsere Erdbeobachtungsprogramme ihr volles Potenzial für die Gesellschaft entfalten, und gleichzeitig der Menschheit mit genaueren Informationen durch diese Krise helfen”, sagte Josef Aschbacher, ESA-Direktor für Erdbeobachtung.

Das Dashboard wird in den kommenden Monaten weiter ausgebaut. Ergänzen wollen die Weltraumbehörden neue Beobachtungen während der allmählichen Wiedereröffnung der Weltwirtschaft.

Verbesserung der Luftqualität war erste sichtbare Veränderung

“Als wir vom Weltraum aus sahen, wie sich die veränderten menschlichen Aktivitäten sichtbar auf den Planeten auswirkten, war klar, wenn wir unsere Ressourcen zusammenlegen, könnten wir ein leistungsfähiges, neues Analyseinstrument zur Bewältigung der Krise einsetzen”, sagte Thomas Zurbuchen, stellvertretender NASA-Administrator für Wissenschaft.

Eine der ersten sichtbaren Veränderungen war die Verbesserung der Luftqualität. Schon Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar zeigte sich in der chinesischen Millionen-Metropole Wuhan, wo das Virus im Dezember 2019 erstmals aufgetreten war, ein Rückgang des Stickstoffdioxid-Ausstoßes. Zurückzuführen ist diese Reduktion auf die verhängte Quarantäne: Der Verkehr in die Stadt und aus ihr heraus war eingestellt worden, Fabriken und Unternehmen geschlossen.

Veränderungen bei CO₂-Konzentration sind gering

Auch in Europa machten sich später die Quarantänemaßnahmen bemerkbar. Daten des Satelliten Sentinel-5P der ESA zeigen, dass der Stickstoffdioxid-Anteil in Städten wie Madrid, Mailand, Rom oder Paris im Zeitraum vom 13. März bis 13. April im Vergleich zu den Vorjahresmonaten um die Hälfte gesunken war. Inzwischen steige die Verschmutzung aber erneut an, da wieder mehr Autos auf den Straßen unterwegs seien und die europäische Industrie ihre Produktion wieder hochgefahren habe, so Zurbuchen.

Die kurzfristigen Veränderungen bei anderen Treibhausgasen wie CO₂ seien im Vergleich zu den erwarteten Schwankungen in den Mengen aus dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf sehr gering, teilt die NASA mit. Grund dafür könnte die ohnehin hohe Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre sowie die lange, atmosphärische Lebensdauer des Gases sein.

Wasserqualität in der Bucht von Tokio kaum verändert

Das “Covid-19 Earth Observation Dashboard” zeigt auch Veränderungen der Wasserqualität auf. So sorgte beispielsweise im März kristallklares Wasser in den Kanälen von Venedig für Aufsehen. Als Indikator für die Wasserqualität zieht das Dashboard die Konzentration an Schwebstoffen und Chlorophyll in ausgewählten Küstengebieten, Häfen und halbgeschlossenen Buchten heran. Die Satelliten erfassen dafür die Farbe der Ozeane.

Die Chlorophyll-Konzentration gibt Hinweise auf das Algenwachstum im Wasser, das durch Umwelteinflüsse zeitlich unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. In Küstengebieten lässt sich ein Algenwachstum meist auf anthropogene Einflüsse wie die Einleitung von städtischen Abwässern, Industrieabflüssen oder Düngemitteln aus der Landwirtschaft zurückführen.

Große Veränderungen bei der Wasserqualität zeigen sich in der Bucht von Tokio aber beispielsweise nicht. “Die Schwankungen der Chlorophyll-A-Indikatoren von Ende März bis April 2020 waren ähnlich wie in anderen Monaten, und sie wurden manchmal stärker durch große Flussabflüsse beeinflusst wie etwa Ende März und Mitte bis Ende April 2020″, heißt es im Dashboard.

Weniger Anbauflächen für Spargel in Brandenburg

Auch Beobachtungen zum Schifffahrtsverkehr in den Häfen, zur nächtlichen Beleuchtung der Innenstädte sowie zu den Parksituationen an Flughäfen können im “Covid-19 Earth Observation Dashboard” eingesehen werden.

Zudem zeigen die Satellitendaten Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion, zum Beispiel in Brandenburg. Dort wirkten sich vor allem die anfänglichen Einreisebeschränkungen für Erntehelfer auf den Spargelanbau aus. Mit Beginn des Lockdowns wurde die Anbaufläche der Spargelfelder im März und April zwischen 20 und 30 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten reduziert:

“Die verringerte Anzahl der bewirtschafteten Felder wird zu einer deutlich geringeren Spargelproduktion und damit verbundenen wirtschaftlichen Verlusten für die deutschen Landwirte führen”, heißt es im “Covid-19 Earth Observation Dashboard”. Im vergangenen Jahr hatte das Bundesland noch 16 Prozent des deutschen Spargels produziert.

Von Laura Beigel/RND