Mittwoch , 23. September 2020
Virologe Christian Drosten spricht im NDR-Podcast täglich zur Nation. Quelle: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Christian Drosten und Rezo mit Grimme Online Award ausgezeichnet

In der Kategorie Information gab es beim Grimme Online Award gleich mehrere Preisträger. Zu den Ausgezeichneten gehört das Webprojekt “NSU Watch”, das sich für die Aufklärung der NSU-Morde einsetzt. Zudem wurde das NDR für seinen Corona-Podcast mit Christian Drosten zu den Siegern gekürt.

Am Ende gewannen die Favoriten: Christian Drosten und sein Corona-Podcast auf NDR, der Youtuber Rezo mit seinem Video “Die Zerstörung der CDU” sowie die Website “NSU Watch” haben beim Grimme Online Award gewonnen. Insgesamt wurden neun multimediale Projekte ausgezeichnet. In der Publikumskategorie siegte der NDR-Podcast vor dem ZDF-Youtube-Projekt “Dinge erklärt – Kurz gesagt” und Rezo, der für viele überraschend nur auf dem dritten Rang landete.

Rezo gewann hingegen in der Kategorie Spezial, Laudator Michael Mittermeier erinnerte sich an den Moment zurück, als überall über dieses Video geredet wurde, “und wir Comedians waren neidisch, weil wir jahrelang versucht haben, die CDU zu zerstören”. Die Jury lobte die sorgfältige Recherche zu den Widersprüchen der Politik, das Video legte Quellen offen und führte junge Leute an Politik heran. Wie gut das rund einstündige Video war, sehe man auch an den Reaktionen der CDU.

Zuvor hatte es bereits sieben weitere Preisträger gegeben. Zu Beginn der Sendung wurde in der Kategorie Information “NSU Watch” ausgezeichnet. Laudatorin Mai Thi Nguyen-Kim lobte die “unermüdliche Ausdauer, auf rechten Terror und rassistische Gewalt aufmerksam zu machen”. Die Journalisten saßen jeden Tag im Saal 101 in München und protokollierten alles – denn ein offizielles Protokoll gab es nicht. Die Plattform würde sicherstellen, dass die Morde nie vergessen würden. “Die rassistische Gewalt ist Realität, und sie bleibt, wenn sich die aktuelle Aufregung um Black Lives Matter gelegt hat”, so Mai Thi Nguyen-Kim.

“NSU Watch” macht weiter, weil der Komplex noch nicht aufgeklärt ist

Die Jury begründete die Auszeichnung damit, dass “NSU Watch” herausragend vorlebe, “wozu engagierte zivilgesellschaftliche Organisationen in der Lage sind”, und sie unterstrich, dass durch die Plattform die Öffentlichkeit transparent informiert werde. “Der Prozess mag vorbei sein, aber wir machen weiter, weil der NSU-Komplex noch nicht aufgeklärt ist”, sagte Initiatorin Caro Keller. Sie sehe es als ihre Aufgabe an, an die Ermordeten zu erinnern und auch aufzudecken, wie die Gesellschaft weggesehen habe, die Polizei rassistisch ermittelt und die Medien rassistisch berichtet hätten.

Mai Thi Nguyen-Kim lobt: “Wissenschaftsjournalismus im besten Sinne”

Als zweiter Preisträger in dieser Kategorie wurde der NDR-Podcast “Das Coronavirus-Update” mit Christian Drosten verkündet. Der Podcast folge wissenschaftlichen Erkenntnissen und stelle Wissenschaftsjournalismus im besten Sinne dar, lobte Laudatorin Mai Thi Nguyen-Kim. Hervorgehoben wurden vor allem die Interaktionen mit dem Publikum, das Fragen einreichen konnte, sowie ein Glossar. Korinna Henning von NDR berichtete im Siegerinterview, der Podcast sei zunächst für zehn Minuten angesetzt gewesen – doch schon in der ersten Folge, kurz nach dem ersten größeren Ausbruch in Heinsberg, habe man erkannt, dass 30 Minuten notwendig seien.

“Strg_F” erhielt den Preis ebenfalls in der Kategorie Information. Dabei handelt es sich um ein Rechercheprojekt. “Das digitale Reportageformat begeistert ein junges Publikum für investigativen Journalismus und bietet transparente, nachvollziehbare Recherche zu herausfordernden Themen”, urteilte die Jury.

“Karakaya Talk” wird im Bereich Unterhaltung ausgezeichnet

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung gewann das Format “Karakaya-Talk” – das eigentlich für den Informationsbereich nominiert war. Esra Karakaya lädt in ihrem Youtube-Talk Menschen ein, die sonst nicht so oft zu Wort kommen, etwa Frauen mit Kopftuch oder People of Color. Es darf gestritten werden, um den Horizont der Zuschauer und Zuschauerinnen zu erweitern.

Die Multimediareportage “Die Spende” aus dem “Stern” wurde in der Kategorie Wissen und Bildung ausgezeichnet. Dabei wurde der herzkranke Familienvater Gerd auf dem Weg zum Spenderorgan begleitet. Der zweite Preis ging an das Projekt “Eigensinn im Bruderland” vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, das die Geschichte von ausländischen Studierenden, Vertragsarbeitern und politischem Emigranten erzählt. Ebenfalls eine Auszeichnung erhielt das “Rom Archive”, ein Projekt des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, das rund 5000 Kunstexemplare zeigt.

RND/msk