Mittwoch , 28. Oktober 2020
Kein Eis mehr in der Antarktis: Die Pinguine müssen nun 15 bis gut 30 Prozent weniger Energie für jeden ihrer Tauchgänge aufbringen. Quelle: Yuuki Watanabe (National Institu

Klimawandel in der Antarktis: Pinguin-Nachwuchs wächst schneller heran

Wegen veränderter klimatischer Verhältnisse verschwinden die Eisflächen im Lebensraum der Adélie-Pinguine. Das macht die Futtersuche für die Tiere leichter und einige Populationen können schneller wachsen. Doch der Klimawandel bringt auch für sie Nachteile mit sich.

Anders als sonst blieb ihre Bucht in einer Brutsaison eisfrei – das hat Adéliepinguine in der Ostantarktis leichter Futter finden und den Nachwuchs rascher heranwachsen lassen. Ohne zwischendurch immer wieder Spalten im Eis zum Atmen finden zu müssen, hätten die Tiere bei kürzeren Fangzügen mehr Krill fangen können, berichten Forscher im Fachjournal “Science Advances”. Auch hätten sie nicht erst mühsam übers Eis watscheln müssen, um eine Stelle zum Abtauchen zu finden, sondern seien direkt von ihrem Nistplatz aus zur Nahrungssuche gestartet.

Die Wissenschaftler um Yuuki Watanabe vom National Institute of Polar Research (NIPR) in Tachikawa hatten den Erfolg der Vögel bei der Futtersuche über vier Zeiträume in einem Jahrzehnt erfasst: in der Brutsaison 2010/2011, 2011/2012, 2012/2013 und 2016/2017. Sie überwachten 175 der Pinguine in der Lützow-Holm-Bucht des ostantarktischen Königin-Maud-Landes mit GPS-Trackern, Beschleunigungssensoren und Videokameras.

Population könnte im Zuge des Klimawandels schnell wachsen

Üblicherweise ist das gesamte von den Adéliepinguinen der Bucht für die Nahrungssuche genutzte Meeresgebiet von Eis bedeckt. In der Saison 2016/2017 sei aber ein großer Teil des Meereises abgebrochen und von Strömungen weggetrieben worden. Das habe ein natürliches Experiment ermöglicht: Welche Folgen hätte ein Fehlen des Meereises, wie es im Zuge des Klimawandels verstärkt zu erwarten ist?

Die Tiere hätten 15 bis gut 30 Prozent weniger Energie für jeden ihrer Tauchgänge aufbringen müssen, berichten die Forscher. Die gewonnene Energie sei in Wachstum und Fortpflanzung investiert worden. Aus den Ergebnissen sei zu schließen, dass die Populationen der Adéliepinguine in kontinental-antarktischen Gebieten im Zuge des Klimawandels womöglich rasant wachsen könnten.

Verfügbarkeit von Beutetieren verändert sich

Studien zuvor hätten allerdings auch Hinweise darauf geliefert, dass Bestände wärmerer, meergebundener Regionen wie der Antarktischen Halbinsel und benachbarter Inseln nicht gut damit klarkommen, wenn das Meereis schwindet. Ein wichtiger Faktor dabei sei wahrscheinlich die veränderte Verfügbarkeit von Beutetieren. Etwa 30 Prozent des Gesamtbestandes lebe in solchen Gebieten.

Der Adéliepinguin (Pygoscelis adeliae) ist neben dem Kaiserpinguin die einzige Pinguinart, die auf dem Hauptteil des antarktischen Kontinents vorkommt. Der Gesamtbestand gilt als stabil. Die etwa 70 Zentimeter großen Vögel leben vorwiegend von kleinen Krustentieren und Fischen. Zum Beginn ihrer Brutzeit sind die Küstengewässer oft noch eisbedeckt und die Pinguine müssen zwischen ihrer Brutkolonie und dem Gebiet zur Futtersuche häufig aufgetürmte Barrieren aus Eis überwinden. Das mehr als 30 Tage lange Brüten übernehmen die Männchen, die Jungvögel werden dann von beiden Elternteilen versorgt.

RND/dpa