Montag , 28. September 2020
Pflanzenbiotechnologin Margit Laimer hat die uralte Pflanze zu neuem Leben erweckt. Quelle: Jakob Vegh/BOKU Öffentlichkeitsarbeit

Eine Sensation: Pflanze erblüht nach 32.000 Jahren

Forschern ist es gelungen, eine urzeitliche Pflanze aus Sibirien erneut zum Blühen zu bringen – nach zehntausenden von Jahren. Durch das Züchten der Silene erhoffen sich die Biotechnologen neue Erkenntnisse zur Evolution des Gewächses.

Eigentlich ist es nur eine kleine, weiße Blüte. Doch das unscheinbar anmutende Gewächs gilt am österreichischen Institut für Molekulare Biotechnologie (Boku) mit Sitz in Wien als Sensation. Das Erbgut der Silene stenophylla ist nämlich rund 32.000 Jahre alt und hat im sibirischen Permafrost überlebt. Die Pflanzenbiotechnologin Prof. Margit Laimer hat die Blüte nun in vitro zum Blühen gebracht.

Als die Pflanze, die zu den Nelkengewächsen zählt, das letzte Mal geblüht hat, seien den Forschern zufolge noch Wollmammuts an ihr vorbeigezogen, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts.

Seltene Pflanze hat Ursprung in Sibirien

Laimer erhielt eine der seltenen Gewebekulturen von ihren Forscherkollegen aus Russland. „Die erfolgreiche Blütenbildung einer in Gewebekultur gezogenen Pflanze hängt von vielen Umwelteinflüssen ab. Nur eines sei verraten – für den Übergang zur Blühreife ist der Pflanzenhormongehalt im Medium ein entscheidender Faktor und benötigt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl”, erklärt Laimer. „Die Wachstumsbedingungen waren für die Silene offenbar so gut, dass sie nun zu blühen begonnen hat.”

Mittels genetischer Analysen werde Laimer nun untersuchen, wie sich das Pflanzengenom entwickelt hat und an die damaligen Klimabedingungen angepasst war. Durch den Vergleich mit heutigen Verwandten, zu denen unter anderem Leimkräuter und Lichtnelken gehören, wollen die Forscher aus Wien Grundlagenwissen darüber gewinnen, wie sich diese Pflanzengattung in den letzten 32.000 Jahren evolutionär weiterentwickelt hat.

Von Saskia Bücker/RND