Sonntag , 27. September 2020
One America News Network (OAN) ist ein US-amerikanischer Kabelsender – der von Trump zu seinem neuen Lieblingssender erwählt wurde. Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Rechter TV-Kanal OAN: Das ist der Sender, dem Trump vertraut

Lange war “Fox News” der Sender, mit dem Donald Trump sympathisierte. Nun hat der US-Präsident sich einen neuen Haussender gesucht: “OAN”. Der Kabelkanal verbreitet immer wieder Verschwörungstheorien.

“One America News Network” – kurz “OAN”: So heißt offenbar Donald Trumps neuer Haussender. Statt auf “Fox News” vertraut der US-Präsident nun auf diesen Kabelsender mit Sitz in San Diego, Kalifornien. In mehreren Tweets hat er sich auf den Sender, der sich gern mal auf Verschwörungstheorien beruft, bezogen und ihn öffentlich gelobt. Andersherum gibt’s auch von dem Sender viel Zuspruch für Trump.

Im August vergangenen Jahres hatte sich Trump von “Fox News” verabschiedet – “Fox arbeitet nicht mehr für uns!”, schrieb er in einem Tweet, in dem er sich über den Sender, der ihm sonst so zugewandt war und andersherum, beschwerte. Es zeigt Trumps Selbstverständnis, als sei “Fox News” zuvor ein Staatssender gewesen, den er nun fallen lasse.

Trump lobt “OAN” für “großartige Arbeit”

“OAN” hingegen bekommt schon seit einer ganzen Weile von Trump viel Zuspruch. Bereits im Mai 2019 gratulierte der US-Präsident dem Sender in einem Tweet zu seiner “großartigen Arbeit”. Im April dieses Jahres schrieb er außerdem auf Twitter: “FoxNews am Wochenende nachmittags zu sehen ist reine Zeitverschwendung. Wir haben jetzt einige großartige Alternativen wie OANN.“

Mehr Werbung geht eigentlich kaum. Trump folgen auf Twitter mehr als 82 Millionen Menschen. Der Sender OAN ist nach eigenen Angaben zwar der viertgrößte Kabelsender der USA, die Einschaltquoten sind aber wesentlich geringer als die der Konkurrenten “CNN”, “MSNBC” und “Fox News”. Der Sender erreicht gerade mal 35 von 120 Millionen TV-Haushalten.

Zuletzt machte Trump einen OAN-Bericht durch einen Tweet groß, in dem es um den Friedensaktivisten Martin Gugino geht, der bei einer Anti-Rassismus-Demo in Buffalo von einem Polizist so hart zu Boden gestoßen wurde, dass er mit dem Kopf auf dem Boden aufprallte und sich verletzte. Als “Provokateur der radikalen Linken” mit “Verbindungen zur gewalttätigen Terrorgruppe Antifa” diskreditierte OAN Gugino – und Trump zitierte das auf Twitter und empfahl den Beitrag seinen Followern. Passt er doch hervorragend zu Trumps Umgang mit den meist friedlichen Demonstranten.

“OAN” löst “Fox News” ab

Bisher war der konservative und wesentlich quotenstärkere Sender “Fox News” eigentlich Trumps Stichwortgeber – doch der wird nun offenbar abgelöst von “OAN”. Der Sender positioniert sich rechtsaußen und verbreitet immer wieder Verschwörungstheorien. Der Kanal profitiert dabei stark von Trumps Unterstützung. Laut “CNN” hat er einer aktuellen Stichprobe zufolge aber nur 2 Prozent der Fox-News-Quote. Im Gegenzug bekommt Trump auch, was er will. So kann er bei Pressekonferenzen immer der “OAN”-Korrespondentin im Weißen Haus, Chanel Rion (30), das Wort geben, die ihm statt kritischer Fragen zu stellen lieber höflich Stichworte gibt. Auf ihrer Website bezeichnet sie sich als “Trumps standhafteste Kriegerin gegen den Linksradikalismus”.

Im April jedoch wurde “OAN” und damit Korrespondentin Rion von der White House Correspondents’ Association von den Presserbriefings ausgeschlossen, weil sie sich nicht an die Corona-Maßnahmen gehalten hatten, wie unter anderem “Vanity Fair” berichtet.

OAN 2013 von Robert Herring gegründet

Gegründet wurde OAN 2013 von Unternehmer und Milliardär Robert Herring. Er bekennt sich offen dazu, Trump-Fan zu sein. In einem Tweet aus dem Mai dieses Jahres propagierte er beispielsweise gleichzeitig mit Trump das kontroverse Malaria-Medikament Hydroxychloroquine als Corona-Heilmittel.

Chefkommentator fällt mit Provokationen auf

Und sein Chefkommentator Graham Ledger fällt mit ähnlich provokanten und abstrusen Aussagen wie Trump auf Twitter auf. So bezeichnete er unter anderem George Floyd als “Profi-Kriminellen” und verkündete in der Corona-Krise, er würde lieber “als freie Person am Coronavirus sterben” als “ein Sklave der Regierung” zu sein.

In der Hinsicht passen der US-Präsident und der Sender also schon mal gut zusammen.

RND/hsc