Samstag , 31. Oktober 2020
Eine Recherche von WDR, NDR und BR zeigt, wie präsent Hassrede in privaten Facebook-Gruppen ist.

ÖR-Recherche: Wie rechte Facebook-Gruppen Hass verbreiten

Hassrede ist nach wie vor ein präsentes Problem auf Facebook. Wie eine Recherche-Arbeit mehrerer Rundfunksender ergab, sammeln sich vor allem in rechten Gruppen hetzerische Inhalte. Das Unternehmen tut sich indes schwer, entsprechende Postings zu entfernen.

Facebook geht nach einer Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR), des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und des Westdeutschen Rundfunks (WDR) immer noch nicht konsequent gegen rechte Hassrede auf seiner Plattform vor. Die Reporter hätten einen Datensatz mit 2,6 Millionen Posts und Kommentaren rechter Facebook-Gruppen ausgewertet, teilte der BR am Dienstag in München mit. “Das Recherche-Projekt #Hassmaschine offenbart einen exklusiven, systematischen Einblick in die rechte Hasswelt im Netz und das Versagen von Facebook, dies zu bekämpfen.” Der untersuchte Datensatz sei indessen nicht repräsentativ.

Die Posts und Kommentare stammten aus 138 meist geschlossenen rechten Facebook-Gruppen, hieß es weiter. Die Daten reichten von 2010 bis November 2019. Mit einer einfachen Schlagwortsuche konnten demnach weit mehr als 1000 mutmaßlich rechtswidrige Inhalte identifiziert werden, darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, SS-Runen oder antisemitische Hasspropaganda. Zudem fanden die Reporter nach eigenen Angaben mehr als 10.000 schwere Beleidigungen, viele davon rassistischer Art. Insgesamt ließen sich die Inhalte auf mehr als 180.000 verschiedene Konten zurückführen.

Anteil der Hass-Sprache hat sich vervierfacht

Die Recherche zeige, dass viele anstößige Beiträge oft jahrelang abrufbar bleiben, ohne von Facebook gelöscht zu werden, hieß es weiter. Der Anteil der anstößigen und hassgeladenen Sprache habe sich in den analysierten Gruppen zwischen 2012 und 2018 vervierfacht. Facebook selbst bezeichnet Hassrede als ein breites, gesellschaftliches Problem. “Wir haben im Kampf gegen Hassrede in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht”, sagte ein Sprecher des Unternehmens im Interview mit BR, NDR und WDR.

Um der Flut an Hass-Beiträgen Einhalt zu gewähren, bezahlt Facebook Moderatoren, die überprüfen, ob zuvor gemeldete Beiträge gegen die Gemeinschaftsstandards des Netzwerks verstoßen und gegebenenfalls löschen. Darüber hinaus setzt Facebook eigenen Angaben zufolge automatisierte Suchen ein, um rechtswidrige Inhalte aufzuspuren. “Wir haben im ersten Quartal dieses Jahres rund zehn Millionen Hassrede-Inhalte entfernt”, hieß es seitens Facebook.

Gruppen weisen Bezug zur AfD auf

25 der 138 untersuchten Gruppen hätten zudem einen Bezug zur AfD: Sie trügen meist den Namen AfD im Titel, ohne offizielle Gruppen der Partei zu sein. Nach Recherchen von BR, NDR und WDR waren darin aber mehrere Accounts von Bundes- und Landtagsabgeordneten zu finden. “Diese waren auch in Gruppen aktiv, in denen mutmaßlich strafbare Inhalte gepostet wurden.” Nach Angaben des BR ließ die AfD eine Anfrage der Sender dazu unbeantwortet.

Im Oktober 2017 ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Kraft getreten. Das Gesetz verpflichtet Anbieter sozialer Netzwerke zur Löschung mutmaßlich rechtswidriger Inhalte. Seit einer kürzlichen Änderung sind sie zudem verpflichtet, Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen, Volksverhetzungen sowie die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte an das Bundeskriminalamt zu melden, anstatt sie nur zu löschen oder zu sperren. Wie die Recherche von WDR, NDR und BR zeigt, werden aber vor allem in privaten Gruppen offenbar zahlreiche zweifelhafte Beiträge nie gemeldet und bleiben somit jahrelang unwidersprochen einsehbar.

RND/epd/mkr