Mittwoch , 28. Oktober 2020
Rebecca (Tinka Fürst) hat sich von Henry (Michael Pink) in einer Szene des Films "Now or Never” in die Berge bringen lassen, weil sie einen Wunderheiler aufsuchen will. Quelle: Un attimo Photographie/SWR/ARD/d

Komödie “Now or Never”: Ein cooler Sterbehelfer und eine todkranke Schönheit

Die ARD zeigt am Mittwoch (24. Juni) die Komödie “Now or Never”, die sich mit dem Tabuthema Tod beschäftigt. Ungewohnt leicht, bisweilen sogar lustig kommt die Sterbehilfekomödie daher.

Der Tod ist eine ernste und traurige Angelegenheit – auch in dem Film “Now or Never”. Gleichwohl ist dem Regisseur Gerd Schneider und seinem Drehbuchautor Belo Schwarz das beachtliche Kunststück gelungen, sich dem Tabuthema Tod ungewohnt leicht, bisweilen sogar lustig zu nähern. Und das Resultat ist eine tatsächlich unterhaltsame Sterbehilfekomödie, die ein wenig an ähnlich gelagerte Filme wie “Knockin’ on Heaven’s Door” oder “Und morgen Mittag bin ich tot” erinnert. Aber bei allem Spaß, den diese tragische Komödie macht, am Ende steht dann doch das Sterben an. Und dabei wird mancher Zuschauer wohl auch ein paar Tränen verdrücken.

Schauplatz ist ein Schweizer Sterbehospiz, das nicht nur dicht an der Grenze zu Deutschland liegt. Die Grenze verläuft vielmehr mitten durch das Haus. Das wiederum hat ungewöhnlich komische Folgen: Da wird das Bett einer sterbewilligen alten Frau nur ein wenig von der deutschen auf die Schweizer Seite verschoben, um ihr den Wunsch nach Sterbehilfe auch legal zu erfüllen. Die Bürokratie ist immer wieder für Gags gut.

Zur Schau gestellter Zynismus

In dieser grotesken Szene lernt der Zuschauer auch den eigentlichen Hauptdarsteller des Films kennen, den Sterbehelfer Henry, den der österreichische Schauspieler Michael Pink verkörpert. Der erinnert mit der ewigen Zigarette im Mundwinkel an den jungen, allerdings sehr zynischen Jean-Paul Belmondo. Aber trotz seines zur Schau gestellten Zynismus – die Gründe dafür erfährt man später – verhält er sich in Wirklichkeit so einfühlsam menschlich, dass ihm schnell alle Zuschauersympathien gehören.

Doch mit seinem oft brüsken Verhalten gegenüber Kunden eckt er immer wieder bei der geschäftstüchtigen Leiterin des Hospizes an, sodass er nach einem neuen Vorfall noch einmal eine allerletzte Chance erhält. Er bekommt den Auftrag, die aus Deutschland angereiste Rebecca (Tinka Fürst) beim Sterben zu begleiten. Die junge hübsche Frau leidet unter einem tödlichen Gehirntumor und hat vor ihrem Tod noch einen Wunsch an Henry: “Heute Nacht werden aber noch mal richtig die Ferkel gefüttert und morgen wird gestorben.” Gesagt, getan. Und die Nacht endet für Henry im Hotelzimmer Rebeccas zusammen mit einer Flasche Whiskey.

Todkranke hat Druckmittel gegen den Sterbehelfer in der Hinterhand

Als die junge Frau am Tag danach zum Sterben im Hospiz erscheint, hat sich die Stimmung jedoch spürbar verändert. Sie hat nun doch Angst vorm Tod und klammert sich an einen allerletzten Strohhalm. Sie habe im Radio von einem Wunderheiler tief in den Schweizer Alpen gehört, der per Handauflegen todkranke Menschen heile. Den will sie nun aufsuchen. Und Henry soll sie begleiten. Da sie auch ein Druckmittel gegen den Sterbehelfer in der Hinterhand hat, stimmt Henry schließlich zu.

Dies alles ist aber nur der Auftakt für das Roadmovie durch die Schweizer Bergwelt, die mal überraschend trist, dann aber wieder beeindruckend imposant gezeigt wird. Dabei kommt es unterwegs zu skurrilen Begegnungen mit richtig urigen Typen. Immer wieder tauchen beispielsweise Möchtegern-Elvis-Darsteller auf, die auf dem Weg sind zu einem Elvis-Festival in den Bergen. Natürlich gibt es auch die entsprechende Musik, die erstaunlich gut zur Schweiz passt. Und im Schlepptau von Henry und Rebecca sind auch noch zwei Verfolger: Henrys Kollege und Ex-Freund Benno (Johannes Allmayer) sowie Rebeccas Mann Daniel (Sebastian Jehkul), der entschieden gegen Sterbehilfe ist.

Sterbehilfe wird nicht weiter thematisiert oder hinterfragt

Dabei wird im Film allerdings Sterbehilfe nicht weiter thematisiert oder hinterfragt, so tiefgründig ist diese Komödie nicht. Und auch die sich bei dieser Reise ergebenden Veränderungen bei den beiden Protagonisten sind sehr absehbar, gleichwohl ist die erstaunliche Leichtigkeit, wie hier mit diesem schweren Thema umgegangen wird, einfach sehenswert. Bis zum Ende, das dann richtig kitschig und richtig schön ist.

“Now or Never” läuft am Mittwoch, 24. Juni, ab 20.15 Uhr in der ARD.

Von Ernst Corinth/RND