Dienstag , 22. September 2020
Hinweise zu Fake News können die Medienkompetenz der Nutzer stärken.

Studie: Hinweise zu Fake News zeigen Wirkung

Mit einer breiten Kampagne hat Facebook vor einiger Zeit darüber informiert, wie Nutzer seriöse Nachrichten und Falschmeldungen unterscheiden können. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Hinweise Wirkung zeigen. Allerdings nur über einen begrenzten Zeitraum.

Dass Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke Nährboden für allerhand Fake News sind, zeigt sich nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie. Mit Warnhinweisen an umstrittenen Postings versuchen die großen Plattformen, in der Krise Falschnachrichten Einhalt zu gewähren. Wie eine Studie der Princeton-Universität rund um den Wissenschaftler Andrew Guess nun zeigt, können auch gezielte Informationen über Fake News dazu beitragen, dass Nutzer diese kritischer hinterfragen.

Im Jahr 2017 hat Facebook in 14 Ländern im Rahmen einer Kampagne zehn Tipps für den sichereren Umgang mit Falschmeldungen veröffentlicht. Das Unternehmen warnt etwa vor ungewöhnlichen Formulierungen, reißerischen Überschriften und gefälschten URLs. Die Liste wurde zahlreichen Nutzern in den News Feed ausgespielt und zusätzlich in mehreren Zeitungen gedruckt. Im Rahmen der Studie, die im Fachjournal “PNAS” veröffentlicht wurde, haben Guess und sein Team die Auswirkungen der Kampagne auf die Medienkompetenz der teilnehmenden Probanden untersucht. Das Ergebnis: Die Informationen führten dazu, dass die Nutzer besser zwischen Artikelüberschriften seriöser Quellen und Überschriften von Medien, die Falschnachrichten verbreiten, unterscheiden konnten.

Lerneffekt lässt mit der Zeit nach

Für die Studie wurden knapp 12.000 Facebook-Nutzer in Indien und den USA online und im persönlichen Gespräch befragt. Die Hälfte der Probanden hat sich vor dem Interview den Facebook-Leitfaden durchgelesen. Anschließend sollten beide Testgruppen Überschriften von anerkannten Medien und Überschriften von Artikeln, die von Fact-Checking-Organisationen als falsch deklariert wurden, bewerten und einschätzen, wie “korrekt” die jeweilige Zeile ist.

Dabei zeigte sich, dass die Fähigkeit, falsche und wahre Nachrichten zu unterscheiden, in den USA durchschnittlich um 26 Prozent stieg, nachdem die Hinweise aufmerksam gelesen wurden, in Indien um 17 Prozent. Bei der Gruppe, die persönlich befragt wurde, zeigten sich jedoch keine signifikanten Verbesserungen. Zudem wuchs unter den Befragten auch die Skepsis gegenüber seriösen Quellen. Nach einer Woche wiederholten die Forscher den Test. Der Leitfaden wurde den Probanden allerdings nicht erneut vorgelegt. Dabei zeigte sich, dass der Lerneffekt nachließ und die Wirkung des Facebook-Leitfadens abnahm.

Fake News sind oft leicht verständliche Texte

Josephine B. Schmitt, Forschungsreferentin am Center for Advanced Internet Studies in Bochum, mahnt, die Effekte mit Vorsicht zu genießen. “Die Effekte sind sehr klein, große Stichproben bergen die Gefahr falsch positiver Ergebnisse und es sind kurzzeitige Effekte, die schnell zu verblassen scheinen”, sagt sie gegenüber dem Science Media Center. Offen sei zudem, ob Nutzer solche und ähnliche Tipps im Alltag tatsächlich wahrnehmen und aufmerksam erfassen. Dennoch sei das Paper von “größter Relevanz”.

Schmitt hob lobend hervor, dass die Studie mit großen Stichproben in zwei verschiedenen Ländern durchgeführt wurde. Fake News böten häufig leicht verständliche Geschichten, die anziehender wirken können, so Schmitt. Dies kann dazu führen, dass die Inhalte weniger kritisch reflektiert und hinterfragt werden. Umso wichtiger sei der Umgang mit Fake News als Medienkompetenz.

Claudia Riesmeyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München, sieht es ähnlich: “Die Befunde zeigen, dass Medienkompetenz bei der kritischen Reflexion wahrgenommener Medienbotschaften – zum Beispiel der Identifikation von Falschnachrichten – helfen kann und damit eine zentrale Grundlage einer bewussten Mediennutzung ist.”

RND/mkr