Mittwoch , 23. September 2020
Schon seit Jahren entwickelt Apple eigene Chips für seine iPhones und iPads - jetzt kommen die Prozessoren auch in die Mac-Computer. Software-Entwickler werden sich anpassen müssen. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Eigene Prozessoren: Apple ersetzt Intel-Chips bei Macs

Dank Chips aus eigener Entwicklung konnte Apple die Leistung seiner iPhones und iPads hochschrauben. Nun sollen sie den PC-Platzhirsch Intel aus den Mac-Computern drängen. Software-Entwickler werden sich anpassen müssen. Die Nutzer sollen mit besseren Geräten profitieren.

Cupertino. “Apple inside”: 15 Jahre nach seinem historischen Schwenk auf Intel-Prozessoren stellt Apple seine Macs schrittweise auf eine neue Plattform um. Konzernchef Tim Cook sprach am Montag von einem “historischen Tag für den Mac”. Künftige Generationen der Mac-Computer werden wie iPhone und iPad mit einem von Apple selbst entwickelten ARM-Prozessor laufen. Die ersten Geräte mit der neuen CPU-Architektur sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Für eine längere Übergangsphase wird Apple aber weiterhin auch Rechner mit Intel-Prozessoren im Programm haben. Experten erwarten, dass der Übergang mindestens zwei Jahre dauern wird.

Apple löst sich mit diesem Schritt zum einen von der Abhängigkeit von Intel. Der kalifornische Chip-Hersteller lieferte seine neuen Prozessor-Generationen zuletzt nicht in dem von Apple gewünschten Tempo. Außerdem bietet die Umstellung auf ARM-basierte Chips die Möglichkeit, dass iOS- und iPad-Anwendungen in Zukunft nativ im macOS ausgeführt werden können. “Die meisten Anwendungen werden einfach funktionieren”, versprach Apple-Chef Cook. “Das bedeutet, dass Sie zum ersten Mal in der Lage sein werden, native macOS-Anwendungen neben nativen iOS-Anwendungen nebeneinander laufen zu lassen.”

Software muss an die neue Plattformen angepasst werden

Prozessoren, die auf der Architektur des britischen Chipdesign-Unternehmens ARM aufsetzen, gelten im Vergleich zu Intel-Chips als energieeffizienter. Daher verwenden fast alle Smartphones und die meisten Tablet Computer ARM-Chips. Intel konnte sich in diesem Segment nie durchsetzen. In den vergangenen Jahren hat das ARM-Design auch bei der Performance gegenüber Intel aufgeholt. So ist der aktuelle Spitzenchip des iPad Pro, der A12Z, schneller als die meisten Notebook-CPUs von Intel oder AMD, die auf einer klassischen x86-Architektur aufsetzen.

Ähnlich wie einst beim Übergang von den PowerPC-Chips auf Intel-Prozessoren im Jahr 2005 steht Apple erneut vor der Herausforderung, dass bestehende Software auf die neue Plattform angepasst werden muss. Entwickler haben nun Zeit, ihre macOS-Programme auf die ARM-Hardware anzupassen. Für Apps, die auf beiden Plattformen (Apple-ARM und Intel) laufen, wurde der neue Standard “Universal 2”. Für Programme, die (noch) nicht angepasst wurden, bietet Apple die Laufzeitumgebung “Rosetta 2” wie einst beim Wechsel von PowerPC zu x86. Ähnlich wie das historische Vorbild “Rosetta” soll sie bestehende Apps ohne Anpassungen zum Laufen bringen. Wie gut das klappt, müssen Praxistests erweisen.

Auch die Optik von macOS verändert sich

“Die überwiegende Mehrheit der Entwickler kann ihre Anwendungen innerhalb weniger Tage zum Laufen bringen”, versprach Craig Federighi, Senior Vice President of Software Engineering, bei Apple. Er führte in der Live-Übertragung zur Entwicklerkonferenz eine erste Version von Microsoft Office vor, die bereits auf die neue Plattfor angepasst war. Apple arbeitet auch mit Adobe zusammen, um deren Profi-Anwendungen auf den neuen Chips zum Laufen zu bringen. Federighi demonstrierte während der Keynote die Adobe-Programme Lightroom und Photoshop auf den neuen Macs.

Parallel zur großen technischen Veränderung “unter der Haube” wird Apple auch die Optik des macOS spürbar verändern. Die Optik der neuen Version macOS 11 “Big Sur” mit neugestalteten Programmicons und Bedienelementen nähert sich erheblich der iPad-Bedienoberfläche an. Auch das von iPhone und iPad bekannte Control Center kommt damit auf den Mac.

RND/dpa