In vielen Altenheimen steht Senioren kein WLAN zur Verfügung. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Studie zum ersten Digitaltag: Jeder Siebte fühlt sich digital abgehängt

Die Digitalisierung betrifft mittlerweile fast alle Lebensbereiche. Doch nicht alle können mit dem schnellen Tempo Schritt halten. Der erste deutschlandweite Digitaltag will möglichst vielen Menschen einen Zugang zur digitalen Welt ermöglichen.

Das Tempo der Digitalisierung macht laut einer repräsentativen Befragung jedem Siebten (15 Prozent) in Deutschland zu schaffen. Allerdings geht es knapp der Hälfte der Bevölkerung (47 Prozent) noch nicht schnell genug. 36 Prozent halten das Tempo für genau richtig, wie der IT-Verband Bitkom mitteilt.

68 Prozent empfinden die Digitalisierung in Beruf und Alltag demnach vor allem als Chance – und 31 Prozent sehen eher Gefahren darin. Grundsätzlich negativ stehen digitalen Technologien nur 16 Prozent der Befragten gegenüber.

Die fortschreitende Digitalisierung in Gesellschaft und Wirtschaft ist Anlass für den ersten deutschlandweiten Digitaltag. Der von der Initiative Digital für alle geplante Aktionstag findet am 19. Juni erstmals statt. Bundesweit sind mehr als 1300 vor allem digitale Veranstaltungen geplant, darunter Webinare, Livestreams und virtuelle Führungen. Die Initiative wird von 28 Organisationen aus verschiedenen Bereichen unterstützt. Unter dem Hashtag #digitalmiteinander rufen die Initiatoren dazu auf, sich an Diskussionen über digitale Teilhabe und andere Themen auszutauschen.

Grundausstattung für Schulkinder und Altenheime gefordert

Anlässlich des Digitaltages haben die kirchlichen Wohlfahrtverbände Caritas und Diakonie dazu aufgerufen, allen Bürgern die Internetnutzung zu ermöglichen. “In der Corona-Krise wird deutlich, wie sehr Digitalisierung und soziale Fragen verknüpft sind”, sagte Diakonievorständin Maria Loheide am Donnerstag in Berlin. Sie kritisierte, dass von Armut Betroffene oft keine ausreichende digitale Ausstattung hätten.

Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig digitale Lern- und Kommunikationsprozesse für die Gesellschaft seien, sagte Loheide. “Darum braucht jedes Schulkind eine EDV-Grundausstattung und WLAN-Zugang”, betonte sie. “Kitas, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen müssen technisch so ausgestattet sein, dass jedes Kind die gleichen Chancen hat.”

Nicht nur die Jüngsten sind betroffen: Auch viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten beim Umgang mit modernen Medien. Vor allem die Bewohner von Altenheimen seien häufig digital abgehängt, bestätigt Nicola Röhricht von der BAGSO, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen in Bonn. Die Referentin für Digitales und Bildung fordert daher freies WLAN für alle Altenheime. “Derzeit ist die Ausstattung dort unzureichend. Das hat sich in der Corona-Krise deutlich gezeigt”, sagt Röhricht. Laut einer Umfrage des Marktforschungsportals pflegemarkt.com aus dem Jahr 2018 bietet nur jedes dritte Seniorenheim seinen Bewohnern WLAN an. “Und diese Zahl halte ich schon für hoch gegriffen”, sagt Röhricht.

RND/dpa/epd