Sonntag , 27. September 2020
Licht spielt bei der Paarung der Glühwürmchen eine bedeutende Rolle. Quelle: Jason Steel

Glühwürmchen in Gefahr: Künstliches Licht bedroht Paarungstanz der Insekten

Gerade in der Johannisnacht werden die Glühwürmchen wegen den lauen Temperaturen zu ihrem Hochzeitstanz animiert. Dieser Paarungstanz wird von den Weibchen initiiert, die mit ihrem Licht die Männchen anlocken. Künstliches Licht bedroht diesen Akt nun.

Hamburg. Zu viel menschliches Kunstlicht verhindert zunehmend den Paarungstanz der Glühwürmchen. Durch die „Lichtverschmutzung“ verliere der Zauber der kleinen Johanniskäfer an Wirkung, beklagte die Deutsche Wildtier Stiftung am Mittwoch in Hamburg. Die Männchen könnten einfach die schwachen Lichtsignale der Weibchen nicht mehr so gut empfangen.

Glühwürmchen-Weibchen locken mit Licht die Männchen an

Alljährlich in der Johannisnacht (23./24. Juni) habe der Hochzeitstanz heimischer Glühwürmchen (lamprohiza spledidula) seinen Höhepunkt, so die Stiftung weiter. „Die lauen Nächte rund um Johannis (24. Juni) haben etwas Magisches“, sagte Sprecherin Jenifer Calvi. Die Käfer tanzten ihren Hochzeitswalzer vor allem in Parks und an Wald- und Feldrändern. Ab 22 Uhr gehe die Party los.

Das zarte Leuchten der acht bis zehn Millimeter kleinen Käfer geht besonders stark von den Weibchen aus, wie es hieß. Sie knipsten kurz das Licht an und schon sei es wieder erloschen. Sie zögen damit zwar auch Naturfreunde an, doch eigentlich sei das Lichterspiel für die Käfermännchen gemacht.

Männchen sterben kurz nach der Fortpflanzung

„Je stärker ein Weibchen der Liebe wegen leuchtet, desto intensiver fühlen sich die Männchen angezogen“, sagt Jenifer Calvi. Die Käferweibchen arbeiten laut Wildtier-Stiftung mit Leuchtstoffen, die sie im Hinterleib bilden. Sie lösen damit eine chemische Reaktion aus, die Licht produziert. „Taumelnd und wie trunken vor Glück schweben die männlichen Käfer über den Waldboden und suchen nach den flugunfähigen Weibchen.“

Für die Männchen gehe es in dieser Nacht um alles: um Fortpflanzung, den Fortbestand der Art und das Überleben, sagte Calvi. Doch der Rausch sei nicht von langer Dauer: „Wenn die Hochzeitsnacht vorbei ist, müssen die Männchen sterben.“ Die weiblichen Glühwürmchen überlebten dagegen etwas länger und legten ihre Eier im Waldboden ab. Etwa einen Monat später, im August, schlüpfe die neue Glühwürmchen-Generation. Der Nachwuchs mache sich sogar im Garten nützlich: Die Larven ernährten sich von Schnecken.

RND/epd