Mittwoch , 23. September 2020
Lucky Luke bekommt nun erstmals einen schwarzen Sheriff als Begleiter im nächsten Comic. Quelle: imago images/Everett Collection

“Lucky Luke”: Erstmals hilft ein schwarzer Sheriff dem berühmten Cowboy

Seit mehr als 70 Jahren gibt es die Comicreihe “Lucky Luke”. Aber schwarze Menschen haben bislang allenfalls Nebenrollen gespielt. Im neuen Band, der im Oktober erscheinen soll, spielt erstmals ein afroamerikanischer Sheriff eine Hauptrolle. Er basiert auf einer realen Person.

Wenn Lucky Luke dem Sonnenuntergang entgegenreitet, lässt er die Wirren des Amerikanischen Bürgerkriegs hinter sich. In dieser Zeit – und in den Jahren nach dem Sezessionskrieg – sind die Geschichten des einsamen Cowboys angesiedelt. Doch schwarze Menschen sieht man bislang selten in den Comics. Und wenn, spielen sie nur unwichtige Nebenrollen, einen Butler etwa. Das soll sich nun in Band 99 der Reihe, der im Oktober erscheint, ändern.

Denn erstmals in der Geschichte der “Lucky Luke”-Reihe wird ein afroamerikanischer Held einen gewichtigen Part spielen. In dem neuen Band, der im Oktober erscheinen soll, kämpfe Lucky Luke an der Seite eines schwarzen Sheriffs gegen die Rassentrennung in den USA, sagte der Autor der Reihe, Jul, der Nachrichtenagentur AFP. Das Cover der französischen Ausgabe zeigt Lucky Luke gemeinsam mit dem afroamerikanischen Sheriff. Im Hintergrund stehen Mitglieder des Ku Klux Klans, unverkennbar mit ihren weißen Kapuzen und mit brennenden Fackeln in der Hand.

Antwort auf die Massenproteste in den USA nach dem Tod von George Floyd?

Ist der neue Band also eine direkte Antwort auf den gewaltsamen Tod von George Floyd und die Massenproteste in den USA? Nein, sagt Jul in einem Interview mit “Radio France”. Er und der Zeichner Achdé, die in Nachfolge des legendären Lucky-Erfinders Morris nun den dritten gemeinsamen Band veröffentlichen werden, arbeiten bereits seit vier Jahren an dem Album. Für ihn seien Themen wie Sklaverei und Unterdrückung der Schwarzen nicht nur durch die momentanen Proteste aktuell, sondern schon immer wichtig, sagte Jul. “Das grundlegende Problem der Sklaverei unmittelbar nach dem Bürgerkrieg und der Rassentrennung hat die Vereinigten Staaten, einschließlich des Wilden Westens, auf gigantische Weise geprägt”, sagte Jul dem Radiosender. Da habe es nahegelegen, sich dem Thema auch in den Abenteuern von Lucky Luke zu nähern.

Der schwarze Sheriff ist auf Grundlage eines authentischen Charakters gebildet: Bass Reeves war der erste afroamerikanische Sheriff westlich des Mississippi in der Geschichte der USA. Er lebte von 1838 bis 1910 und wirkte vornehmlich in Arkansas und dem Oklahoma-Territorium. Es heißt, er habe während seiner langen Karriere mehr als 3000 Verbrecher verhaftet. “A Cowboy in Cotton” – der deutsche Titel steht noch nicht fest – spielt zum ersten Mal in Louisiana, wo Lucky Luke eine Baumwollplantage erbt. Diese will er an schwarze Farmer weitergeben, was allerdings weiße Bauern und der Ku Klux Klan verhindern wollen.

“Lucky Luke” in seiner Geschichte nicht frei von Rassismus

“Lucky Luke”-Comics sind ebenso wie “Asterix” oder “Tim und Struppi” in ihrer Geschichte nicht frei von Rassismus und Ressentiments gewesen. So erscheinen etwa Chinesen in “Lucky Luke” gern einmal mit langem Zopf und gelber Haut. Jul und Achdé wollen diese Vergangenheit des einsamen Cowboys der Gegenwart anpassen, ohne das Erbe von Morris und Goscinny zu verrraten. Achdé habe akribisch darauf geachtet, die Charaktere “unter Berücksichtigung der heutigen Entwicklung unseres Bewusstseins und unseres Blicks darzustellen”, sagte Jul. Gleichwohl lebe “Lucky Luke” von der Parodie, sodass etwa Bilder aus “Vom Winde verweht” persifliert werden.

Dass der französische Verlag schon so früh Thema und Cover des neuen Bandes veröffentlicht, hat auch damit zu tun, dass er sich nicht später dem Vorwurf aussetzen will, er wolle Profit aus der aktuellen Entwicklung in den USA schlagen. Wie “A Cowboy in Cotton” in Deutschland heißen und wie das Cover in Deutschland aussehen wird, soll in wenigen Tagen feststehen, sagte der deutsche Verlag Egmont Ehapa auf Anfrage.

Von Kristian Teetz/RND