Samstag , 26. September 2020
Sehr erregte Geräusche der Schimpansen in negativem Zusammenhang werden von Menschen am leichtesten erkannt. Quelle: Kamiloglu et al., published in P

Experiment: Menschen können Schimpansen teilweise verstehen

Wenn Katzen schnurren, deuten wir Menschen das als Ausdruck von Zufriedenheit. Das Fiepen von Hunden interpretieren wir als Zeichen von Stress. Aber können wir tierische Laute wirklich richtig deuten oder vermenschlichen wir die Tiere oft?

Ob vergnügtes Quietschen oder zorniges Gebrüll – Menschen interpretieren Laute von Schimpansen oft richtig. Sie erkennen vielfach, ob ein Affe sich über gutes Futter freut, von einem anderen angegriffen wird oder selbst einen Artgenossen bedroht. Sex-Geräusche und Gekicher beim Gekitzelt-werden stellen menschliche Zuhörer allerdings vor Schwierigkeiten, wie Forscher in den “Proceedings B” der britischen Royal Society berichten. Sie vermuten, dass es akustische Regelmäßigkeiten gibt, die über Artgrenzen hinweg bestehen.

Studien: Menschen erkennen Laute vieler Tierarten

Schon der Evolutionsbiologe Charles Darwin habe 1872 die Vermutung geäußert, Lautäußerungen hätten evolutionär sehr alte Wurzeln und basierten bei allen Säugetieren auf gemeinsamen Mechanismen, erläutern die Wissenschaftler um Roza Kamiloglu von der University of Amsterdam. Tatsächlich wurde dies nachfolgend in Studien belegt. Es sei auch bereits gezeigt worden, dass Menschen bei vielen Tierarten an den Lauten erkennen können, in welchem Erregtheitszustand sich die Tiere gerade befinden, ob sie also eher entspannt oder aufgeregt sind.

Schimpansenlaute: Probanden fällt Deutung schwer

Die Forscher um Kamiloglu gingen nun einen Schritt weiter und prüften, inwieweit Menschen aus Lauten von Schimpansen konkret ableiten können, in welchen Situationen diese gemacht wurden. Sie spielten zunächst 310 Teilnehmern Schimpansenlaute vor und baten sie, aus zehn beschriebenen Situationen die zutreffende auszuwählen. Dies gelang den Teilnehmern nicht.

Womöglich seien es einfach zu viele Auswahlmöglichkeiten gewesen für Personen, die so gut wie keine Erfahrung mit Schimpansen haben, erklären die Wissenschaftler. Um das zu schaffen, seien vermutlich weitere Informationen nötig, etwa Gesichtsausdrücke der Tiere oder mehr Informationen über den Kontext des Geschehens.

Negative Umstände leichter zu erraten

Im einem zweiten Experiment machten es die Forscher den Teilnehmern leichter: Sie mussten nun lediglich mit einer Ja/Nein-Entscheidung angeben, ob ein gerade gehörter Laut in einer jeweils beschriebenen Situation geäußert wurde. Also etwa: “Passt dieses Geräusch zu einem Schimpansen, der gerade eine gute Futterquelle entdeckt hat – ja oder nein?” Dies gelang den mehr als 3100 Teilnehmern wesentlich besser.

Häufiger als es statistisch zufällig gewesen wäre erkannten die menschlichen Zuhörer, wenn ein Schimpanse gute oder schlechte Nahrung fraß, eine große Futterquelle entdeckte, einem Tier der Zugang zu Nahrung verwehrt wurde, es angegriffen wurde oder es selbst ein anderes Tier bedrohte. Viele Versuchsteilnehmer erkannten auch, wie erregt das Tier gerade war – wenig, mittel oder sehr – und ob das Geräusch in einer eher negativen oder positiven Situation entstanden war. Negative Umstände wurden dabei eher richtig zugeordnet.

Geräusche beim Sex erkannten die Zuhörer nicht

Die Geräusche anderer Tiere verstehen zu können, zahle sich in vielen Situationen aus, erläutern die Forscher. Schließlich kann die richtige Interpretation eines Warnrufes das eigene Leben schützen, das Erkennen von Freude über eine Nahrungsquelle den eigenen Bauch füllen. Sehr erregte Geräusche in negativem Zusammenhang wurden am leichtesten erkannt – sie signalisierten etwa Gefahr.

Geräusche beim Sex erkannten die Zuhörer hingegen nicht, genauso wenig, wenn ein Junges von der Mutter getrennt wurde oder wenn ein Tier gekitzelt wurde. Möglicherweise seien solche Geräusche einfach zu variabel und situationsabhängig, schreiben die Forscher. Zu den Lautmerkmalen, die eine artübergreifende Verständigung ermöglichen, zählten Tonhöhe, Dauer oder Helligkeit.

RND/dpa