Geschossen wird bei “Desperados 3” eher selten, Munition ist Mangelware. Quelle: Christian Neffe

“Desperados 3” im Test: Echtzeit-Taktik im wilden Westen

Mimimi Productions bringt ein neues Echtzeit-Taktik-Spiel raus: “Desperados 3” führt Hauptcharakter Cooper und vier weitere Figuren durch den Wilden Westen. Wer auf Revolverhelden und “Trial and Error” steht, könnte sich begeistert zeigen.

Viel zu selten wagen sich Videospiele in den Wilden Westen. Natürlich, da gibt es den Mammut-Blockbuster “Red Dead Redemption 2” und auch einige Shooter wie die “Call of Juarez”-Reihe machten in der Vergangenheit von sich Reden. Dennoch sind Mittelalter- oder Zukunftsszenarien vielfach beliebter. Fans von Revolverhelden und Eisenbahnüberfällen bekommen nun aber endlich neues Futter: Mit “Desperados 3” liefert das Münchner Entwicklerstudio Mimimi Nachschub – und legt ganz nebenbei das beste Echtzeit-Taktik-Spiel vor, das derzeit erhältlich ist.

Fünf Figuren mit verschiedenen Skills

Echtzeit-Taktik – das bedeutet in diesem Fall, dass sich der Spieler mit bis zu fünf Figuren durch 16 Level prügelt, schießt und vor allem: schleicht. Die Charaktere werden aus der Vogelperspektive dirigiert, zahlreiche Deckungsmöglichkeiten helfen, sich den Sichtkegeln der Gegner zu entziehen, sie anschließend auszuschalten und dabei idealerweise unentdeckt zu bleiben. Andernfalls wird Alarm ausgelöst – was angesichts der geringen Lebensenergie der Helden schnell für Probleme sorgt.

Geschossen wird eher selten, Munition ist Mangelware. Äußerst hilfreich sind jedoch die verschiedenen Skills der Figuren. Hauptcharakter Cooper – der Prototyp des coolen Cowboys – kann etwa sein Messer werfen, um Feinde leise auf Distanz zu erledigen. Der bullige Hector führt eine Bärenfalle mit sich, in die er Gegner mittels Pfeifen lockt. Der schweigsame Doc McCoy verfügt über einen fast lautlosen Scharfschützenrevolver, die Farmerstocher Kate O’Hara kann sich verkleiden, die Voodoohexe Isabelle Feinde fernsteuern und so auf andere hetzen.

“Trial and Error” auf höchstem Level

Das Herumexperimentieren mit diesen Fähigkeiten und den diversen Möglichkeiten, die die verschachtelten Level bieten, macht nicht nur eine Menge Spaß – es ist auch bitter nötig. “Desperados 3” bestraft jeden Fehler und regt deshalb zur intensiven Nutzung der Schnellspeicherfunktion an. Das mündet zuweilen in viel “Trial and Error” (Versuch und Fehlschlag) – an manchen Leveln kann man sich bis zu drei Stunden lang die Zähne ausbeißen. Umso befriedigender ist es, wenn eine dank des “Showdown”-Modus, der die Zeit still stehen lässt, genau koordinierte, gemeinsame Aktion aller Figuren glatt läuft und ein Abschnitt in Windeseile frei von Gegnern ist.

Bei der Präsentation begeistern die detaillierten Kulissen und die sehr gelungene Synchro, die den Figuren eine Menge Persönlichkeit einhaucht. Das wertet die rudimentäre Story, für die es keiner Kenntnisse der Vorgänger bedarf und die sich um eine korrupte Eisenbahngesellschaft dreht, genug auf, um bis zum Ende der gut 40 Stunden langen Kampagne bei der Stange zu halten. Kritik muss sich “Desperados 3” aktuell nur für kleinere Bugs wie eine bisweilen aussetzende Gegner-KI gefallen lassen. Und auch der bewusste “Trial and Error”-Ansatz dürfte nicht jedermanns Sache sein. Wer daran jedoch Gefallen findet, bekommt mit “Desperados 3” das voraussichtlich beste deutsche Spiel des Jahres 2020.

“Desperados 3” von Mimimi Productions ist ab dem 16. Juni für den PC, die Playstation 4 und die Xbox One erhältlich. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben und kostet für den PC etwa 47 Euro und für Konsolen etwa 55 Euro.

Von Christian Neffe/RND