Dienstag , 22. September 2020
Zu Beginn der Corona-Krise waren die Klopapierregale von Supermärkten wochenlang leer – doch wer hatte die Hygieneartikel gebunkert? Quelle: Uli Deck/dpa

Angst oder Egoismus? Warum im Corona-Lockdown Toilettenpapier gehamstert wurde

Vor allem am Anfang der Corona-Krise legten sich einige Menschen weltweit unverhältnismäßig große Vorräte an Klopapier an. Wissenschaftler haben nun untersucht, warum gewisse Menschen zu Hamsterkäufen neigen.

Münster. Die Psychologie hinter den Hamsterkäufen während des Corona-Lockdowns beschäftigt Wissenschaftler weiterhin. Erwachsene legten sich Vorräte an Klopapier an, die ihren Eigenbedarf weit überstiegen. Psychologen und Ökonomen der Universitäten Münster und St. Gallen sowie vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben mehr als 1000 Erwachsene über verschiedene Social-Media-Kanäle kontaktiert und untersucht, wie der Toilettenpapierhamsterkauf und Persönlichkeitszüge zusammenhängen.

Studie: Angst vor Coronavirus treibt zu Hamsterkäufen

Das Ergebnis: Wer sich von dem Coronavirus besonders bedroht fühlte, neigte eher zu Hamsterkäufen. “Je größer die Angst vor der Seuche, desto häufiger gingen Menschen einkaufen, nahmen mehr Packungen mit und legten größere Vorräte an”, schreiben die Autoren im Fachblatt “Plos One”. Faktoren wie das Einkommen oder die Entfernung zum nächsten Supermarkt spielten dabei keine Rolle. Perfektionismus und Gewissenhaftigkeit konnten hingegen den Drang zu Hamsterkäufen bestärken. So waren es nicht Egoismus und Selbstsucht, die die Vorratshaltung begünstigten, sondern typische Wesenszüge, so die Autoren.

Ältere Menschen hamstern laut Studie eher als jüngere

Die Studie zeigt auch, dass ältere Menschen eher hamsterten als jüngere. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass die ältere Generation noch von der Nachkriegszeit geprägt ist – und das Alter ein Risikofaktor für schwerere Verläufe von Covid-19 sind. Ein anderes Bild zeichnet sich bei einer anderen Umfrage des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) ab: Demnach haben vor allem junge Menschen gehamstert. Auch interessant: Laut der Studie legten Nordamerikaner größere Vorräte an als Westeuropäer. Die Lagerhaltung in den USA ist möglicherweise auf die Unberechenbarkeit Donald Trumps und auf die Tatsache zurückzuführen, dass XXL-Packungen mit 36 Rollen dort üblich sind.

Die Zeit der Hamsterkäufe ist vorbei

“Wir waren spontan von dem neuen Phänomen fasziniert – warum Klopapier so sehr im Vordergrund stand, haben wir nicht klären können”, schreiben die Autoren. Sie betonen, dass die unverhältnismäßig hohen Klopapiervorräte weder Menschenleben retten, noch Arbeitsplätze sichern. “Toilettenpapier funktioniert vielleicht als subjektives Symbol der Sicherheit – womöglich war der Kauf auch eine Art Übersprungshandlung, um sich zu beruhigen”, heißt es weiter. Seit Anfang Mai verzeichnen Branchenverbände keine Hamsterkäufe mehr, der Umsatz von Klopapier ging stark zurück. Schon Anfang April waren zuvor durchgehend ausverkaufte Produkte wie Nudeln, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel vielerorts wieder in ausreichender Menge erhältlich.

 

Von Ben Kendal/RND