Samstag , 19. September 2020
Forscher haben die Konsequenzen eines möglichen Facebook-Ausfalls analysiert. Quelle: Uli Deck/dpa

Oxford-Studie: Facebook-Ausfall könnte “katastrophale Folgen” haben

Täglich kommunizieren Millionen Menschen über Messenger und Plattformen. Doch was ist, wenn Marktführer wie Whatsapp, Facebook oder Twitter plötzlich dauerhaft offline sind? Eine Studie der Oxford-Universität hat die möglichen Konsequenzen eines Ausfalls untersucht.

Seit ihren Gründungen sind Technologieriesen wie Facebook und Twitter nahezu dauerhaft erreichbar. In der Vergangenheit gab es lediglich kleinere Ausfälle, die binnen Stunden oder Minuten wieder behoben wurden. Was passiert allerdings, wenn die großen Plattformen überraschend vom Markt verschwinden? Forscher der Universität Oxford haben die Möglichkeit beleuchtet und eine Studie zum Thema veröffentlicht.

“Das Verschwinden einer globalen Online-Kommunikationsplattform wie Facebook könnte katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen für die unzähligen Gemeinschaften haben, die täglich auf die Plattform angewiesen sind”, zitiert der “Guardian” das Papier der Forscher Carl Öhman und Nikita Aggarwal, “ebenso wie für Nutzer, deren persönliche Daten Facebook sammelt und speichert.”

Plattformausfall: Was passiert mit den Daten?

Zwar sei es sehr unwahrscheinlich, dass die größten Technologieunternehmen plötzlich vom Markt verschwinden, dennoch sei die Welt aktuell nicht auf diesen Fall vorbereitet, heißt es. Trotzdem müsse man wie bei der Finanzkrise 2008 damit rechnen, dass es Plattformen gebe, die “too big to fail” und somit systemrelevant seien.

Besonders starke Auswirkungen könnte ein Ausfall in Entwicklungsländern haben, in denen etwa Facebook “möglicherweise die Hauptkommunikationsform der Menschen ist”. Hier kommunizieren Verwandte, Unternehmen und Gruppen teilweise hauptsächlich über das soziale Netzwerk. Verschwindet eine Plattform, so können mit ihr Beziehungen und Geschäfte in die Brüche gehen.

Auch die Frage nach dem Verbleib der Daten stellen sich die Forscher. Würden diese ebenfalls ganz verschwinden, so würde dies einen herben Verlust an historischem Material bedeuten. Zudem könnten sie etwa bei einem Insolvenzverfahren einfach an Dritte verkauft oder ohne Zustimmung gelöscht werden.

Um den Schaden bei einem möglichen Ausfall der Marktmächte zu minimieren, fordern Öhmann und Aggarwal ein Konzept für “systemisch wichtige technologische Institutionen”. Damit sollen die Technologiekonzerne ähnlich behandelt werden wie öffentliche Versorgungseinrichtungen und einer strengeren Regulierung unterliegen. Das Facebook-Archiv etwa könnte in diesem Zuge zu einer “Stätte des digitalen Welterbes” und als besonders schützenswert erklärt werden.

Dass sich die Big-Tech-Unternehmen in ihrem Handeln einschränken lassen, dürfte jedoch unwahrscheinlich sein. Erst jüngst hatten sich Facebook, Amazon, Google und Apple im US-Kongress in einer Anhörung gegen den Vorwurf der Marktdominanz und des unfairen Wettbewerbs gewehrt.

RND/mkr