Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die GroKo will eine Nationale Diabetes-Strategie auf den Weg bringen: Nun streiten Union und SPD allerdings über Zucker in Limos. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Diabetes-Prävention: Neuer Limo-Streit in der GroKo

Diabetes gilt in Deutschland als Volkskrankheit – die jährlichen Krankheitskosten werden auf rund 7 Milliarden Euro beziffert. Die GroKo will mit Präventionsstrategien einen weiteren Anstieg der Betroffenenzahlen verhindern – so weit herrscht Konsens. Doch was das Thema Zucker in Getränken angeht, streiten Union und SPD heftig.

Es ist eine echte Volkskrankheit. Die Zahl der Diabetes-Patienten in Deutschland wird auf bis zu zehn Millionen geschätzt. Versicherte, die älter sind als 35, haben alle drei Jahre Anspruch auf eine Check-up-Untersuchung. Nur wer die Krankheit frühzeitig entdeckt, kann auch frühzeitig behandelt werden.

In ihrem Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD vorgenommen, in dieser Legislaturperiode eine Nationale Diabetes-Strategie vorzulegen. Mehr Vorbeugung und Früherkennung, mehr Forschung und bessere Versorgungsangebote sind dabei die wichtigsten Ziele.

Zur Überraschung vieler Beobachter haben die Gesundheitspolitiker von Union und SPD bei vielen Projekten erstaunlich geräuschlos zusammengearbeitet. Beim Thema Diabetes gibt es hinter den Kulissen heftigen Streit. Stein des Anstoßes ist der Text eines Bundestagsantrags der Koalitionsfraktionen zur geplanten Strategie gegen die Krankheit.

Dabei geht es um die Reduktion von Zucker in Lebensmitteln und Getränken, die besonders von Kindern und Jugendlichen konsumiert werden. Überwiegend ungesunde Ernährung oder Übergewicht gehören neben Bewegungsmangel nach einhelliger Expertenmeinung zu den Faktoren, die Diabetes vom Typ 2 begünstigen.

Bei der SPD ist man sauer auf die Union, die zwei Passagen aus dem Antragstext gestrichen haben möchte. „Zuckergesüßte Getränke werden insbesondere von Kindern und Jugendlichen konsumiert“, heißt es darin nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Wie von Krankenkassen gefordert, muss hier eine Reduktion des Anteils an zugesetztem Zucker von 50 Prozent das Ziel sein.“

„Die richtigen Weichen stellen“

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, fordert die Union nun zum Einlenken auf. „Durch gesunde Ernährung können wir viele Fälle von Diabetes Typ 2 vermeiden. Deshalb müssen wir dieses Potenzial nutzen und die richtigen Weichen stellen“, sagte Bas dem RND.

Die Gesundheitspolitiker der Koalitionsfraktionen haben eine Strategie zur Bekämpfung von Diabetes erarbeitet. „Wir hören nun aus der Union, dass insbesondere die Forderungen zu Kinderlebensmitteln auf Widerstand stoßen“, so Bas weiter. „Offenbar setzen Teile der Union lieber auf Nachsorge mit Medikamenten als auf Vorbeugung durch gute Ernährung – entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Bas pocht auf eine wirksame Begrenzung des Zuckeranteils in Süßgetränken und Kinderlebensmitteln. Dies sei „ein unverzichtbarer Baustein“ für den Nationalen Plan gegen Diabetes: „Freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie reichen nicht aus.“