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Ende Mai starb George Floyd durch brutale Polizeigewalt. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Fall George Floyd: Angeklagte Ex-Polizisten geben sich gegenseitig die Schuld

Der Afroamerikaner George Floyd war Ende Mai gestorben, nachdem mehrere US-Polizisten ihn auf dem Boden fixierten und ein Beamter ihm sein Knie auf den Hals drückte. In einer Anhörung forderten die Verteidiger der vier Ex-Polizisten nun getrennte Prozesse. Sie stellten Floyd zudem als Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Minneapolis. Die Anwälte der vier wegen des Todes des Afroamerikaners George Floyd beschuldigten Ex-Polizisten fordern getrennte Verfahren für ihre Mandanten. Die Verteidigung jedes Einzelnen werde “antagonistisch” sein, sagten sie am Freitag in einer Anhörung in Minneapolis. Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen einen gemeinsamen Prozess für den Hauptangeklagten Derek C. und die drei weiteren an der tödlichen Festnahme am 25. Mai beteiligten Ex-Beamten Thomas L., J.K. und Tou T.

Sie argumentierten, dass die Beweisaufnahme - darunter Zeugenaussagen, Aufnahmen von Körperkameras und die Polizeirichtlinie bezüglich Gewaltanwendung - für jeden Angeklagten ähnlich seien. Zudem hätten die vier Ex-Beamten gemeinsam, als eine Gruppe, gehandelt.

Polizist drückte Knie auf Floyds Hals

George Floyd starb, mit Handschellen gefesselt und auf den Boden fixiert, als Derek C. ihm acht Minuten und 46 Sekunden das Knie auf den Hals drückte. Auf flehentliche Bitten Floyds, er bekomme keine Luft mehr, reagierte er nicht, wie ein von einer Passantin aufgenommenes Handy-Video zeigt, das weltweit bekannt wurde.

Die Staatsanwaltschaft folgerte daraus: "Alle vier Angeklagten arbeiteten zusammen, um Floyd umzubringen: C., K. und L. fixierten Floyd mit dem Gesicht nach unten. Indem T. die Menge davon abhielt, einzugreifen, ermöglichte er den anderen Angeklagten, ihre Positionen zu halten. Die Angeklagten diskutierten und koordinierten ihre Handlungen während des gesamten Zwischenfalls."

Verteidiger fordern getrennte Verfahren

Doch die Verteidiger sehen das ganz anders. Die von K. und L. sagen, ihre Mandanten seien Anfänger unter C.s Kommando gewesen. Der von T.. erklärte, die Rolle seines Mandanten sei “absolut verschieden” von der der anderen gewesen, weil er die Örtlichkeit abgeschirmt habe. Und der Anwalt des Hauptangeklagten C., Eric Nelson, erklärte schriftlich, die Staatsanwaltschaft müsse beweisen, dass C. die Absicht gehabt habe, Floyd tätlich anzugreifen, und sie müssten auch beweisen, dass die anderen Beamten von C.s Absichten wussten, bevor Floyd starb.

Im Ergebnis müsse sich C. anders verteidigen als seine Ex-Kollegen. "Die anderen Angeklagten werden klar sagen, dass, wenn ein Verbrechen begangen wurde, sie weder davon wussten noch dabei geholfen haben", schrieb Nelson. "Sie beschuldigen C."

Der 44-jährige Hauptverdächtige C. ist wegen Mordes zweiten und dritten Grades sowie Totschlags angeklagt. Als Mord zweiten Grades gilt, wenn der Täter ein Schwerverbrechen begehen wollte und das Opfer dabei unbeabsichtigt tötete. Mord dritten Grades entspricht in etwa Totschlag nach deutschem Recht. Den drei anderen Polizisten wird Beihilfe vorgeworfen.

Verteidiger stellen Floyd als gemeingefährlich dar

Die Verteidiger stellten den Afroamerikaner Floyd zudem als Gefahr für die Allgemeinheit dar. Floyd sei wahrscheinlich auch nicht gestorben, weil ihm der Hauptangeklagte minutenlang das Knie gegen den Hals gedrückt habe, sondern weil er Drogen genommen habe, argumentierten die Anwälte Earl Gray und Nelson in Gerichtsdokumenten. Die Familie Floyds wies das zurück.

T.s Anwalt, Bob Paule, forderte zusammen mit seinen Kollegen eine Verlegung des Prozesses aus Minneapolis. Die Geschworenen sollten zudem von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden und anonym bleiben. Den Justizbehörden des Staates Minnesota warf er vor, einen fairen Prozess unmöglich gemacht zu haben, indem sie den Tod Floyds als "Mord" bezeichnet hätten.

RND/AP