Mittwoch , 28. Oktober 2020
Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, spricht zu Journalisten: Biden will im Falle seiner Wahl die Polizeiarbeit in den USA transparenter gestalten. Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa

US-Wahlkampf: Biden will für mehr Transparenz in US-Polizei sorgen

Washington. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat für den Fall seiner Wahl mehr Transparenz in amerikanischen Polizeibehörden versprochen. Außerdem wolle er an einem Tisch Vertreter von Polizei und lokaler Bürgergruppen zusammenbringen, um über Reformen wie eine bessere Überprüfung künftiger Polizisten zu sprechen, sagte Biden bei einer im Fernsehen übertragenen Fragerunde mit Wählern.

Der Tod mehrerer schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt in den vergangenen Monaten hat für heftige Proteste in den USA gesorgt.

Trump fühlt Benachteiligung Schwarzer nicht

In einem Kontrast zu Amtsinhaber Donald Trump erkannte Biden an, dass er durch seine Hautfarbe eine privilegierte Position genossen habe. “Sicher, ich profitierte davon allein schon dadurch, dass ich nicht das durchleben musste, was meine schwarzen Brüder und Schwestern durchlebten.”

Trump hatte in einem vor wenigen Tagen bekanntgewordenen Interview mit dem renommierten Journalisten Bob Woodward die gleiche Frage negativ beantwortet: „Nein, ich fühle das überhaupt nicht.“

Russland zur Verantwortung ziehen

Amtsinhaber Donald Trump warf Biden Verantwortungslosigkeit und Versagen im Umgang mit der Pandemie vor. Trumps Herunterspielen der Gefahr durch das Coronavirus sei “nahezu kriminell” und seine Regierung “völlig unverantwortlich”, sagte er. “Der Präsident sollte zurücktreten.”

Er habe nicht geglaubt, eine derart unverantwortliche Regierung zu sehen, sagte Biden, und prangerte den Verlust grundlegender Freiheiten im Zuge der Pandemie an, wie die Möglichkeit, ein Ballsport-Spiel zu sehen oder im Viertel herum zu laufen. Viele Fragen des Moderators und der Zuschauer bei der Veranstaltung drehten sich um das Coronavirus und eine potenzielle Impfung.

Sollte er die Wahl am 3. November gewinnen, wolle er Russland für die Einmischung in den Wahlkampf zur Verantwortung ziehen, sagte Biden. Russlands Versuche der Einflussnahme hätten Folgen, sagte Biden, ohne auf Details einzugehen. Geheimdienstler gehen davon aus, dass Russland eine Reihe von Maßnahmen anwendet, um Biden zu schwächen, und Trump zu stärken. Vor der Wahl 2016 mischte sich Russland ebenfalls in den Wahlkampf ein.

Erstes TV-Duell am 29. September

Biden hielt die Fragestunde unter freiem Himmel auf einem Parkplatz in der Ortschaft Moosic im Bundesstaat Pennsylvania ab. Es war das erste Mal, dass Biden sich seit seiner Nominierung live den Fragen von Zuschauern stellte. Mit einer Bühne und den an ihren Autos sitzenden Zuschauern hatte die Veranstaltung die Atmosphäre eines Freiluftkinos. Trump hatte eine ähnliche Fragerunde zwei Tage zuvor in einem Saal gemacht, die Wähler saßen weit von einander entfernt.

Nach Bidens “Townhall”-Event beklagte sich Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt in Wisconsin, dass sein Kontrahent viel zu freundliche Fragen gestellt bekommen habe. Die Kandidaten sollen am 29. September in der ersten TV-Debatte aufeinandertreffen.

RND/dpa