Mittwoch , 28. Oktober 2020
FDP-Chef Christian Lindner hat die Mannschaftsaufstellung der FDP verändert. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Lindner hat seinen Willen bekommen – jetzt muss der FDP-Chef liefern

Berlin. Christian Lindner hat eines klar gemacht: Es gibt in der FDP nur einen, der das Team aufstellt – und das ist er. Er hat die Ablösung von Generalsekretärin Linda Teuteberg durchgesetzt. Und er hat seinen Wunschkandidaten Volker Wissing bekommen.

Das ist Lindners gutes Recht als Vorsitzender. Klar muss aber auch sein: Wer in der Aufstellung spielen darf, die er haben möchte, muss dann auch liefern. Die FDP kommt der Fünf-Prozent-Hürde zurzeit bedrohlich nahe. Teuteberg mag als Generalsekretärin nicht angriffslustig genug gewesen sein, wie viele monieren. Doch für die Probleme der FDP ist zuallererst Lindner selbst verantwortlich.

Die beschädigte Marke FDP

Es war Lindner, der nach der Bundestagswahl 2017 die Jamaika-Verhandlungen abbrach – und dafür sorgte, dass die FDP gerade furchtbar perspektivarm in der Opposition sitzt. Und: Er reagierte zu spät, als Thomas Kemmerich sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen ließ. Dieser Schaden wirkt bis heute nach und belastet die Marke FDP im ganzen Land schwer.

Mit Wissing hat Lindner jetzt den Helfer, den er wollte. Nun müssen die beiden zeigen, dass sie die FDP mit überzeugenden Ideen aus der Krise holen können. In der aktuellen Wirtschaftskrise ist es klug, dass sie das Thema eines ökonomischen Aufschwungs nach vorn schieben. Die FDP wird davon aber nur profitieren können, wenn es ihr gelingt, dabei nicht einseitig als Klientelpartei der Reichen wahrgenommen zu werden. Dafür muss sie empathischer herüberkommen, als es Lindner in den vergangenen Jahren gelungen ist.

Lindner betont, die FDP wolle nach der Bundestagswahl regieren. Davon, ob ausreichend viele Wähler ihm das glauben, könnte die gesamte Zukunft der FDP abhängen. Denn wenn die FDP es nicht in den nächsten Bundestag schafft, droht sie für immer in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Von Tobias Peter/RND